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Neuartiges Verfahren soll Sonnenenergie speichern

Uckermärkisches Bruchhagen dient als Versuchs-Siedlung.

Ganzjährig soll die Sonne eine Versuchssiedlung im uckermärkischen Bruchhagen heizen und mit warmem Wasser versorgen. Möglich macht das ein weltweit einmaliges Verfahren. Ein neuartiger Sorptionsspeicher nimmt auf thermochemischem Wege im Sommer überschüssige Solarenergie aus Sonnenkollektoren auf und gibt sie im Winter nach Bedarf ab. Bisherige Lösungen konnten wegen des zeitlich begrenzten Speichervermögens nur als Puffer für wenige Stunden dienen.

Versuch in fünf Häusern

Das Verfahren beruht auf fünfjährigen Forschungen des Fraunhofer Institutes für Solare Energiesysteme (ISE) Freiburg und der UFE Solar GmbH Eberswalde. Sie entwickelten eine Technologie mit Silika-Gel als Speichermedium. Dieses nutzt nach Angaben von UFE-Geschäftsführer Reinhold Weiser Quarzsand und kann das Vierfache der Wärmemenge von Wasser aufnehmen und fast verlustfrei speichern.

Die sommerliche Wärme trocknet das Gel. Das Wasser wird separat verwahrt und in der Heizperiode dem Speicher wieder zugeführt. Die Reaktion setzt Niedrigtemperaturwärme für die Warmwasserbereitung und die Raumheizung frei. Das Unternehmen will mit der neuen Speichertechnologie Solarenergie aus ihrem Nischendasein als Zusatzenergie holen.

Der Versuch mit acht Wohnungen in fünf Häusern wird dieses Ziel noch nicht erreichen. Noch reicht die Speicherkapazität dafür nicht aus. Deutlich über die Hälfte des Energiebedarfes für Warmwasser und Heizung sollen jedoch auf diesem Wege bereitgestellt und damit der Anteil der Solarenergie gegenüber bisherigen Lösungen mehr als verdoppelt werden. Ein kleines Blockheizwerk auf Basis von Biogas oder Rapsöl wird Strom und bei Bedarf zusätzlich Wärme produzieren.

Das Bruchhagener Projekt ist der erste größere Versuch in Deutschland. Parallel testet das Fraunhofer Institut die neue Speichertechnologie in Finnland, Österreich und einem Freiburger Einfamilienhaus. Das Land Brandenburg fördert das Vorhaben im Rahmen seiner Energie-Technologie-Initiative, die kleinen und mittleren Unternehmen des Landes und ihren innovativen Produkten den Marktzugang erleichtern soll.

Expo-Projekt

Die Sonnensiedlung wird aus zwei sanierten und umgestalteten Gebäuden und drei Neubauten bestehen. Abriss, Neugestaltung und Erschließungsarbeiten sind angelaufen, die Bauanträge für die Neubauten gestellt. Das Gesamtprojekt wird im Jahr 2000 zur Expo in Hannover übergeben, zu deren Projekten Bruchhagen zählt. Lehmbau und nachwachsende Rohstoffe wie Hanf, Thermoplus-Verglasung sowie eine kontrollierte Be- und Entlüftung mit Wärmerückgwinnung bilden weitere Energiesparkomponenten. Als zusätzlicher Wärmespeicher entstehen eine Kleinkläranlage und ein beheizter Schwimmteich.