Kein Ruhestand in Sicht:

Niemand will die Kneipe auf dem Dorf

Dass Landärzte nicht in Rente gehen können, weil sie keinen Nachfolger finden, ist bekannt. Bei Dorfgastwirten ist das ähnlich. Dieter Becker wird 70 und steht immer noch am Herd.

Gastwirt Dieter Becker kann mit seinen 70 Jahren nicht in Rente gehen und plant weiter Events.
Claudia Marsal Gastwirt Dieter Becker kann mit seinen 70 Jahren nicht in Rente gehen und plant weiter Events.

Dieter Becker könnte theoretisch schon auf der faulen Haut liegen. Pünktlich am Monatsanfang ist die Rente drauf. Der 69-Jährige hätte sein Auskommen. Wäre da nicht sein Seerestaurant am Quast in der uckermärkischen Gemeinde Oberuckersee. Und Ehefrau Ilona, die das Pensionsalter noch nicht erreicht hat und ohne sein Mittun keinen Job mehr hätte.

Ein Käufer für das Lokal ist nicht in Sicht. Niemand will aufs platte Land, wo es nur wenige potenzielle Kunden gibt. Da nützt auch die Strandnähe und der herrliche Wald ringsum nicht. Also schiebt der Gastwirt das Nichtstun Jahr für Jahr hinaus und denkt auch 2016 nicht ans Aufgeben. "Warum auch? Mir geht es gut", versichert Dieter Becker. "Erst wenn keiner mehr bei uns essen möchte, hänge ich den Kochlöffel an den Nagel."

Noch ist er überzeugt, dass es den Leuten schmeckt und dass man in der Umgebung nicht auf sein Restaurant verzichten möchte. "Ringsherum haben fast alle Kneipen dicht gemacht. Die paar auf dem Lande kann man an zwei Händen abzählen. Wenn es die auch nicht mehr gibt, verlassen noch mehr Menschen die Dörfer", ist er überzeugt. Am Quast speisen vornehmlich die Einheimischen, vor allem an den Feiertagen. Dann merkt Becker auch, dass Urlauber da sind. Auch für die Feriengäste wird er zum Dank am Ostersonntag ein Lagerfeuer entzünden. Vielleicht ist ja jemand darunter, der sich spontan in die Immobilie verliebt.