Pläne im Archiv entdeckt:

Prenzlau hatte ein Gefangenenlager

Viele Unterlagen aus dem Prenzlauer Bauamt, die Aufschluss über die Zeit der NS-Diktatur geben könnten, gingen bei einer Räumung des Amtes nach Kriegsende verloren. Jetzt sind Akten aufgetaucht, die auf bisher unbekannte Bauten deuten.

Der „Vorläufige Fremdenpass“ des Italieners Giorgio Petrillo, der in Prenzlau zur Arbeit gezwungen wurde.
Heidi Lenk Der „Vorläufige Fremdenpass“ des Italieners Giorgio Petrillo, der in Prenzlau zur Arbeit gezwungen wurde.

Ausländer, Russen, Deutsche: Nach dieser menschenverachtenden Einteilung sind Kriegsgefangene in einem Lager in Prenzlau zur Zeit der NS-Diktatur untergebracht worden. Das geht aus einer Bauzeichnung hervor, die eine ehrenamtliche Mitarbeiterin im Stadtarchiv entdeckt hatte. In dem Dokument wird es als „Russenlager“ bezeichnet.

Beim sortieren alter Akten fiel der Rentnerin ein Bauantrag von 1942 mit der dazugehörigen Zeichnung in die Hände. „Sie wusste sofort, dass es sich um wertvolle Informationen für unsere Stadtgeschichte handelt“, so Stadtarchivarin Evelyne Brauchler. Die ehrenamtliche Mitarbeiterin kenne sich aufgrund ihres früheren Berufs sehr gut mit der damaligen Bebauung Prenzlaus aus. Aber von der Existenz des Lagers wusste sie, genau wie die Mitarbeiterinnen des Stadtarchivs, bis dato nichts. Auch den Mitgliedern des Prenzlauer Geschichtsvereins war es bisher nicht bekannt.

Zur Arbeit gezwungen

Laut Zeichnung befand sich das Gebäude auf einem Werksgelände der Firma Ebeling & Co. Apparate-Fabrik, gegenüber dem Vorstadtbahnhof. Der entdeckte Antrag bezieht sich auf den Bau eines Toilettenhauses für eine Werkshalle. „Da das Lager auf dem Plan schon eingezeichnet ist, muss es schon vor 1942 gebaut worden sein“, ist sich die Stadtarchivarin sicher. „Man könnte vermuten, dass die Gefangenen in der Werkshalle zur Zwangsarbeit eingesetzt wurden. Aber das ist nur eine Spekulation“, formulierte Brauchler vorsichtig.

Allerdings bekräftigte ein Telefonat, dass Gefangene als Zwangsarbeiter eingesetzt wurden. „Eine Frau aus Düsseldorf rief bei uns an und berichtete von einem Mann, der in Prenzlau als Kriegsgefangener bei Ebeling & Co. gearbeitet haben soll“, sagte Archiv-Chefin Sabine Nietzold. Es handelt sich um einen Italiener namens Giorgio Petrillo.

Erweiterung des Lagers war geplant

Die Düsseldorferin schickte den Archivaren Unterlagen zu, die einen Aufenthalt von Petrillo in Prenzlau bestätigen. Dazu gehört auch ein Verpflichtungsbescheid vom September 1944, mit dem Giorgio aufgefordert wurde, sich bei der Firma Eberling & Co. zur Arbeitsaufnahme zu melden, wie es in dem Papier heißt.

Ein Dokument belegt, dass Ebeling & Co. auch Arbeiten an einem weiteren Lager beantragte. So wollte die Firma auf dem Gelände des Wanderarbeiter-Heim-Brandenburg in der damaligen Hermann Göring-Straße 65 eine Baracke vergrößern. „Die Erweiterung des Lagers ist bedingt durch die weitere Unterbringung von Kriegsgefangenen“, wird in einer Baubeschreibung vom 26. Juni 1942 erklärt.

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