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Sie wollen keine Boten des Todes mehr sein

Raserei hat mitunter schwerwiegende Folgen. Sie nimmt den Führerschein, die Arbeit, zerreißt Familien, zerstört Leben. Niemand kann das wollen. Und trotzdem tun es viele. Auch am Tag des deutschlandweiten Blitz-Marathons.

Polizeisprecher Gerald Pillkuhn (links) und Revierpolizist Werner Hoffmann erinnern sich bei jedem heranrasenden Auto an tragische Unfälle.
Lisa Walter Polizeisprecher Gerald Pillkuhn (links) und Revierpolizist Werner Hoffmann erinnern sich bei jedem heranrasenden Auto an tragische Unfälle.

Es ist schon Jahre her, aber Polizist Gerald Pillkuhn hat es nie vergessen: Eine Mutter wollte mit ihren zwei Kindern zur Ostsee in den Urlaub. Die Vorfreude auf ein paar erholsame Tage ließ sie aufs Gaspedal drücken. Die Kinder quengelten. Sie hatten Durst. Die Mutter, drehte sich zu ihnen um. Das war’s... „Eine Sekunde der Unachtsamkeit löschte Leben aus“, erinnert sich der Beamte. Immer, wenn er nach Folgen von Raserei befragt wird, kommt dem Pressesprecher genau diese tragische Geschichte zuerst in den Sinn. Auch am Donnerstag, als er mit seinen Kollegen im Rahmen des Blitzermarathons an der Laserpistole stand, um Temposünder aus dem Verkehr zu ziehen. Er kennt da kein Pardon. Denn er hat immer auch das Leid dieser Mutter vor Augen, die in dem Moment, als sie sich umgewendet hatte, das Lenkrad verriss. Das Auto war damals gegen einen Baum gekracht. „Die Kinder – nicht angeschnallt – starben noch vor Ort. Die Mutter hingegen überlebte“, sagt Gerald Pillkuhn mit belegter Stimme. Das Ganze geht ihm heute noch sehr nah, und es istgewiss nicht die einzige Tragödie, die er in seinem Berufsleben bislang erleben musste.

Deshalb ist er wie seine Kollegen unerbittlich, was Geschwindigkeitsübertretungen anbelangt. Bei dem jungen Mann beispielsweise, der mit 95 Kilometern pro Stunde durch die Stadt rast. Er wollte ins Krankenhaus nach Greifswald. Einem Angehörigen war etwas Schlimmes passiert. „Ich musste ihm dann erklären, dass er es höchstens in unserer Krankenhaus schafft, wenn er so weiter fährt“, erinnert sich der Polizeisprecher zurück. Deutlichkeit ist oft notwendig: „Denn die paar Minuten, die man vermeintlich spart, sind oft Ursache für schlimme Unfälle, die Unbeteiligten nicht zehn Minuten, sondern ihr ganzes Leben rauben.“ Mit dem Blitzmarathon wolle man, so Pillkuhn, an solche fürchterlichen Tragödien erinnern und sie verhindern.

Mit dem Ergebnis vom Donnerstag zeigte sich Pillkuhn im Resümee ganz zufrieden, schließlich hatte in den ersten Stunden niemand zu sehr über die Stränge geschlagen. Die Zuwiderhandlungen hielten sich in Grenzen. 65 km/h bei erlaubten 50 – das war schon die Spitze. Und das, obwohl die Polizei in Prenzlau beispielsweise mit einem Mega-Laser gestanden hatte, der auf 1000 Meter scharf stellen kann. Keine Chance, noch rechtzeitig den Fuß vom Gas zu nehmen.

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