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Stinksauer auf gierige "Liebhaber"

Wer im Neubau lebt, freut sich über jede zusätzliche Abstellmöglichkeit. Deshalb haben vielerorts abgelegene, alte Garagenkomplexe die Zeiten überdauert. Doch mittlerweile haben Diebe spitz gekriegt, dass hier oft Wertvolles lagert.

Hans-Jürgen Marenke hat sein Schloss an der Garage wieder aufgerüstet.
Claudia Marsal Hans-Jürgen Marenke hat sein Schloss an der Garage wieder aufgerüstet.

„Wenn mein Mann die in die Finger bekommt...“ Andrea Plieth lässt den Satz unvollendet, als sie das Tor zu ihrer Garage aufschließt. Aber man muss kein Prophet sein, um zu erahnen, dass den Dieben nichts Gutes blühen würde. Schließlich haben sie Ronald Bohnet, dem Lebensgefährten der 33-Jährigen, alles genommen, was ihm in diesen vier Wänden lieb und teuer war.

Naja, fast alles, denn den grasgrünen Trabi verschmähten die Einbrecher aus unerfindlichen Gründen, als sie in der Nacht zu Sonnabend dem abgelegenen Gebäudekomplex am Wittstocker MTS-Weg einen Besuch abstatteten. Sie kamen nachts und entwischten unerkannt, so wie in den vergangenen Wochen schon aus anderen Orten in der Uckermark. Garagen- und Laubeneinbrüche haben wieder Hochkonjunktur. Je abgelegener und unbeobachteter die Tatorte, desto besser. Es hat sich herumgesprochen, dass vielerorts wahre Bastlerschätze hinter unscheinbaren Türen verborgen sind.

In ihrer Gier brachen die Täter in Wittstock gleich zwölf Garagen auf und outeten sich dabei als „Liebhaber“ alter DDR-Zweiräder. Denn sie waren äußerst wählerisch. Aus dem Besitz von Familie Plieth/Bohnet verschwanden gleich drei wertvolle Kräder, allesamt in unbezahlbarer Kleinarbeit restauriert und flottgemacht.

Der 33-jährige Hobbybastler büßte in einer Nacht eine braune Schwalbe und einen rosafarbenen Roller – die Sommerfahrzeuge des berufstätigen Paares – ein, sowie eine schwarze S51. Letztere wiederum der ganze Stolz seines 13-jährigen Sohnes. Den Jungen traf der Verlust besonders hart, als er davon erfuhr, sagt Andrea Plieth mit belegter Stimme. Er sei den Tränen nah gewesen. Keine Frage, für die Familie ist es nicht nur der materielle Schaden, mindestens 1500 Euro, der hier hart zu Buche schlägt. „Nein, Bastler werden verstehen, dass das andere noch viel mehr wiegt“, setzt die junge Verkäuferin hinzu. „So etwas bekommt man doch nie wieder hin...“ Woher in aller Welt nehmen diese Ganoven die Frechheit, sich am Besitz anderer Leute zu vergreifen, stellt die zweifache Mutter fragend in den Raum.

Hans-Jürgen Marenke, dessen Besitz ein paar Türen weiter lagerte, hat darauf natürlich auch keine Antwort. Er weiß schließlich nicht, wer sich an seinen Sachen bereichert hat. Aber der 55-Jährige musste am eigenen Leibe erfahren, dass man durchaus mehrmals Opfer eines Diebstahls werden kann. Nicht nur auf dem abgeschiedenen Dorf. Der ehemalige Wittstocker lebt nämlich seit Kurzem in Prenzlau und hat auch hier schon die Bekanntschaft mit Dieben gemacht.

Sie brachen am Igelpfuhl die zweite Garage des Invalidenrentners auf und bedienten sich dort ganz dreist. „Egal,wie viele Schlösser man vor die Tür macht, wenn die wollen, kommen die überall rein“, ist der gelernte Zimmermann überzeugt.

In seiner alten Heimat Wittstock hatte der Hobbybastler glücklicherweise nur noch ein bisschen Technik, Neonröhren und Angelzeug gelagert. „Meinen alten Star habe ich Gott sei Dank kürzlich woanders untergestellt“, versuchte er dem Ganzen etwas Glück im Unglück abzugewinnen. Marenke gehört zu denen, die den entstandenen Schaden gar nicht mehr angezeigt haben. „Bringt doch eh nichts“, sagt er desillusioniert.

Den letzten Brief der Staatsanwaltschaft habe er noch in der Schublade liegen, setzt der bestohlene Garagenbesitzer hinzu. „Wegen Geringfügigkeit eingestellt..., wenn ich das schon lese“, ärgert sich der Uckermärker über die seiner Meinung nach zu geringe Beachtung, die diese Delikte bei den Ordnungshütern finden. „Besser gesagt bei den Gerichten, denn die Polizei bemüht sich ja wenigstens noch heraus, wenn so etwas bekannt wird. Aber die Kriminellen haben längst begriffen, dass ihnen nichts passiert, selbst wenn sie erwischt werden, kommen sie glimpflich bei weg“, stellt er abschießend klar, warum es für ihn wenig Sinn macht, bei der Polizei ein Protokoll schreiben zu lassen.

Die Ordnungshüter raten trotzdem dazu, alles sofort anzuzeigen, auch kleinste Vorkommnisse. Nur so könnten Taten gebündelt und Abläufe rekonstruiert werden, heißt es als Begründung. Und letztlich gebe jede Anzeige mehr dem Staatsanwalt dann eine Handhabe, ein härteres Durchgreifen zu verlangen. Das wirke sich auf das Strafmaß aus, wenn es zur Verurteilung komme.