Gülle-Leitung geplatzt:

Tausende Fische ersticken qualvoll in der Ucker

Paddlern bietet sich auf der Ucker ein grauenhaftes Bild. Zahlreiche Fische schnappen nach Luft, kämpfen mit dem Tod. Hunderte treiben bereits leblos in einer "braunen Brühe". Die Paddler alarmieren die Behörden. Doch die Angler sind wütend und kritisieren die Behörden.

Ein Bild des Grauens. Und das alles wegen einer geplatzten Gülle-Leitung.
Jens Krüger Ein Bild des Grauens. Und das alles wegen einer geplatzten Gülle-Leitung.

„Ich bin stinksauer“, schimpft Wolfgang Mohns. Und das gleich doppelt. Einmal über das Ausmaß des Fischsterbens in der Ucker. Und dann über die Arbeit der Behörden. „Erst fünf Tage später wurden wir informiert“, so der Vorsitzende des Kreisanglerverbandes, in dem 29 Vereine mit insgesamt 1300 Mitgliedern organisiert sind. Dabei waren der Eigentümer (das Land Brandenburg) und der Nachbarkreis Vorpommern-Greifswald umgehend von der uckermärkischen Fischereibehörde informiert worden. Das versichert der dort zuständige Sachgebietsleiter Harald Wendt. Der Fluss gehört dem Land, das diesen wiederum an den Landesanglerverband verpachtet hat.

Bereits am Freitag hatten Naturfreunde bei einer Paddeltour von Prenzlau nach Pasewalk nach einigen Kilometern Fahrt bemerkt, dass das ansonsten klare Wasser der Ucker immer trüber wurde und immer mehr nach Gülle stank. Kurz danach wurden die ersten Fische an der Wasseroberfläche entdeckt, die nach Luft schnappten. Weiter flussabwärts bot sich den Paddlern ein grausames Bild: Hunderte tote Plötze, Hechte, Rotfedern, Barsche, aber auch Forellen enormer Größe.

Unverzüglich informierte man Heino Hauf vom Naturschutzbund, der alarmierte die Kreisverwaltung, die einen Suchtrupp losschickte. Anscheinend zunächst an der falschen Stelle. Am Sonnabend machte sich Wendt selbst gemeinsam mit Vertretern des Wasser- und Bodenverbandes auf an die Ucker. An der Krautsperre bei Nieden sah Wendt das Unheil: „Braune Brühe bis auf den Grund, viele tote Fische, die darin erstickt waren. Dazu der Güllegestank.“ Beidseitig wurde nun die Ucker abgesucht. Am Dauergraben wurde der Umweltexperte fündig. Er informierte sofort die Geschäftsführung des Göritzer Unternehmens. „Eine Leitung war gerissen, die Gülle wurde dadurch in die Wiesen gepumpt und suchte sich ihren Weg in die Ucker.“ Der Betrieb blockierte sofort die Leitung, der Uckersee wurde aufgedreht, also das Wehr geöffnet, damit frisches Wasser in den Fluss kommt und sich die Fließgeschwindigkeit erhöht, sagt Wendt. Der Betrieb pumpte die noch in den Wiesen stehende Gülle ab.

„Wir werden Anzeige gegen den Verursacher erstatten, denn der finanzielle Schaden ist enorm“, kündigte Mohns an. Jährlich würden die Angler 40000 bis 60000 Meerforellen aussetzen, hinzu kommen weitere Fischarten.

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