Bombensprengung an Autobahn 11:

Uckermärkerin lebt wie auf einem Minenfeld

Ursel Flemnitz hat ein Häuschen im Wald in Pfingstberg. Drum herum werden immer wieder Sprengkörper gefunden und beseitigt. Zum dritten Mal wurde sie evakuiert und es wird nicht das letzte Mal sein.

Inmitten des Sprengkreises steht das 100 Jahre alte Haus von Ursel Flemnitz.  
Lisa Walter Inmitten des Sprengkreises steht das 100 Jahre alte Haus von Ursel Flemnitz.  

Ursel Flemnitz hat sich in einem Waldstück in der Nähe von Pfingstberg vor rund neun Jahren ein altes Häuschen gekauft. Sie genießt ihre Rente in der Uckermark. Sie liebt besonders die täglichen Spaziergänge mit ihrer Mischlingshündin in der Natur. Ganz unbeschwert kann sie das nicht genießen: In der Umgebung liegen noch Munitionsreste aus dem zweiten Weltkrieg unter der Erde.

Am Donnerstagvormittag musste sie zum dritten Mal um ihr 100 Jahre altes Haus bangen. Ihr Bekannter Karl-Heinz Winkelmann reist jedes Mal aus Berlin an, um Ursel Flemnitz aus dem Sperrkreis zu fahren, denn sie selbst fährt kein Auto. Die beiden fahren in der Zeit meistens in ein Café in Gerswalde, denn dort dürfen sie den Hund mit hinein nehmen. Jedes Mal kreisen ihre Gedanken um die Sicherheit des Hauses, während sie das Ende der Beseitigung der gefährlichen Hinterlassenschaften aus dem Zweiten Weltkrieg abwarten. „Wer bezahlt, wenn ein Schaden an meinem Haus entsteht“, fragt sich die Rentnerin.

Munition einfach zurück gelassen

Weiter mag sie eigentlich gar nicht denken. „Was, wenn auf meinem Grundstück auch etwas liegt“, überlegt sie beunruhigt. Von Sprengmeister André Vogel weiß sie, dass Munition teilweise nur fünf bis zehn Zentimeter unter dem Boden liegt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie oft einfach zurück gelassen. In den vergangenen Jahrzehnten wuchs im wahrsten Sinne des Wortes lediglich „Gras darüber“.

Ursel Flemnitz möchte am liebsten ihr ganzes Grundstück absuchen und – falls nötig – beräumen lassen. Von den Mitarbeitern der Gesellschaft für Liegenschaftskonversion (GfLK) und Gerswaldes Ordnungsamtsleiterin, Manuela Walter, erfährt sie, dass es diese Möglichkeit gibt. Wie viel das kostet, konnten sie ihr am Donnerstag noch nicht sagen. Allerdings bestehe die Aussicht, dass solche Arbeiten gefördert werden könnten. Ursel Flemnitz will jetzt auf jeden Fall einen entsprechenden Antrag an die Behörden stellen.

Aufatmen nach der Sprengung

Der gesamte nördliche Teil der Autobahn 11 zwischen Warnitz und Finowfurt war am Donnerstag gesperrt. Genau nach Zeitplan und ohne besondere Vorkommnisse kann Sprengmeister André Vogel um 10.30 Uhr den Schlüssel zur Fernzündung drehen. Das Geräusch der Detonationen hallt bis über den Kreis der Sperrung hinaus. Ein Panzerfaustkopf und vier Wurfgranaten wurden mit lautem Knall in die Luft gejagt. Wieder einmal ging alles gut, auch das Haus von Ursel Flemnitz hat keine sichtbaren Schäden davon getragen.

Im neuen Jahr wird die GfLK das Waldstück um die Autobahn 20 bei Pfingstberg, der Bahnstrecke Berlin-Stralsund und rund um das Grundstück von Ursel Flemnitz weiter nach alter Munition absuchen. Ordnungsamtsleiterin Gerswalde Manuela Walter und Sprengmeister André Vogel rechnen mit weiteren Sprengungen. „Je nach dem, wie der Winter ausfällt, werden wir bis April zu tun haben. Wir versuchen, die Anzahl der Sperrungen so gering wie möglich zu halten“, so der Sprengmeister. Sie befürchten, dass sie die Straßen aber noch öfter sperren müssen. Von monatlichen Sperrungen ist die Rede. Doch es könne auch passieren, dass der Munitionsexperte in Abständen von zwei Wochen an- und Ursula Flemnitz abrücken muss.

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