Solar:

Uckermark nutzt Sonnenwärme auch im Winter

Junge Firma erobert Solarenergie-Markt.

Es klingt wie die Erfolgsstory schlechthin. Anfang der 90er Jahre setzten sich Martin Weiser und einige Freunde in Berlin-Kreuzberg zusammen und beschlossen, ihre wirtschaftliche Zukunft mit der Solarenergie zu verbinden. Im uckermärkischen Bruchhagen gründeten sie das Unternehmen "UFE SOLAR" und begannen die ersten Kollektoren zu projektieren und produzieren. Wenige Jahre später zogen sie in das Eberswalder Gewerbegebiet, sitzen dort mittlerweile in einem eigenen Firmengebäude nebst Produktionshalle. Gegenwärtig wird eine zweite Produktionsstätte gebaut. Das Unternehmen beschäftigt 50 Mitarbeiter. Eine Entwicklungsabteilung wurde nach Berlin-Pankow ausgegliedert.

Dezentrales Expo-Projekt

"Das klingt wirklich wie eine Erfolgsstory" sagt UFE-Marketingchef Thorsten Schiffer. "Mit einem Jahresumsatz von 10 Millionen Mark sind wir der Marktführer in Brandenburg und eines der zehn größten Solar-Unternehmen der Bundesrepublik." Noch sei die Nutzung der Solarenergie mit einem bundesweiten Jahresumsatz von 700 Millionen Mark ein Nischenmarkt, meint Schiffer. Doch wenn es in den nächsten Jahren wie erwartet den Durchbruch gibt, will sein Unternehmen dabei sein. "Das funktioniert nur, wenn wir auch Systeme anbieten können, die die im Sommer gewonnene überschüssige Energie für den Winter speichern können", sagt Schiffer. Dann sei das Ziel der Branche, bundesweit einen Jahresumsatz von bis zu zehn Milliarden Mark zu erreichen, durchaus realistisch.

Mit einem selbst entwickelten Energiespeichersystem wird sich UFE SOLAR auch auf der diesjährigen Weltausstellung "Expo 2000" vorstellen. Die "Sonnensiedlung Uckermark", die derzeit im Firmengründungsort Bruchhagen entsteht, gilt als dezentrales Expo-Projekt. "Hier bauen wir eine Reihe von Niedrigenergiehäusern, deren Energiebedarf vorrangig von der Sonne gespeist wird. Und zwar auch im Winter", sagt Schiffer. Erstmals wird hier ein durch das Eberswalder Unternehmen entwickelter saisonaler Wärmespeicher in der Praxis erprobt. "Anders als bei den Wasserspeichern, die einen Raum von 60 bis 100 Kubikmetern brauchen, um den Wärmebedarf für ein einziges Einfamilienhaus zu konservieren, kommen wir bei unserer Methode mit wesentlich weniger Platz aus", sagt Schiffer.

Fast ohne Verlust

Das in Eberswalde entwickelte Verfahren beruht auf einer chemischen Reaktion, bei der einem bestimmten Stoff im Sommer durch die Solarenergie Feuchtigkeit entzogen und in ihm Energie angereichert wird. "Im Winter läuft die Reaktion umgekehrt ab. Das Wasser wird dem Stoff wieder zugeführt und Energie wird frei. Das ganze funktioniert fast ohne Energieverlust und beliebig oft", sagt Schiffer. Das, so ist er überzeugt, wird Zukunft haben. Wer allerdings in der Werkhalle von UFE eine Art Zukunftslabor mit modernster Produktionstechnik erwartet, wird enttäuscht sein. Handarbeit ist bei der Produktion der Kollektoren angesagt. "Wir bewegen uns in der Produktionstechnologie auf dem Stand eines Manufakturbetriebes.

Das mag verwundern, ist aber bei einer so jungen Branche, wie wir sie vertreten, normal. Die ersten Autos wurden auch in Handarbeit gefertigt", sagt Schiffer. Bei wachsenden Produktionszahlen würde die Firma auf einen modernen Maschinenpark und Automatisierung setzen, versichert der Marketing-Chef. Das ist allein schon ein Gebot der Globalisierung. "Ein hoher Anteil der heutzutage in Deutschland verkauften Solaranlagen werden bereits im Ausland produziert, wo die Personalkosten wesentlich niedriger als in Deutschland sind", sagt Schiffer. "Wir wollen mit unserer Produktion in Deutschland bleiben, also müssen wir technologisch besser und günstiger produzieren als unsere ausländische Konkurrenz."

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