Mysteriöse Aktion:

Über Nacht verschwinden Hunderte Liebesschwüre

„Für immer dein“ oder „Unkaputtbar“ – Botschaften wie diese haben bislang eine blaue Fußgängerbrücke von Prenzlau geziert. Eingraviert in Metallschlösser, die dort am Geländer hingen. Doch jetzt sind sie weg. Die Prenzlauer fragen sich warum.

Jessica Urbicht führte den Uckermark Kurier an den „Tatort“.
Claudia Marsal Jessica Urbicht führte den Uckermark Kurier an den „Tatort“.

Überall auf der Welt gibt es Orte, an denen Paare mit kleinen Vorhängeschlössern ihre Liebe besiegeln. Die bekanntesten sind wohl die großen Brücken von Paris und Köln. Aber auch die Prenzlauer hatten diesen alten Brauch vor ein paar Monaten aufgegriffen. Innerhalb weniger Wochen kamen Hunderte „Liebesbeweise“ am Geländer der blauen Fußgängerbrücke in der Rosa-Luxemburg-Straße zusammen. Jessica Urbicht gehörte zu denen, die mit Freund Markus sofort dorthin gepilgert war und ihm hoch über den Eisenbahngleisen ewige Treue geschworen hatte. Wenig später kam die 30-Jährige nochmal mit ihrer besten Freundin Janine hierher, um ihre Freundschaft „wegzuschließen“. Beide Schlösser hatte die dreifache Mutter aufwendig gravieren lassen. Denn so ist es Brauch.

Wie groß war aber ihr Verwunderung, als sie zu Wochenbeginn nun eine komplett leer geräumte Brücke vorfand. Über Nacht waren fast alle Liebesschlösser verschwunden, selbst das des Bürgermeisters Hendrik Sommer und seiner Frau Carola,. Alle, bis auf eins. Dieses war so fest verankert, dass man es vermutlich nicht abbekommen hatte. „Wer macht denn so etwas?“, ärgerte sich Jessica Urbicht.

Auch zu anderen war die Kunde von dem rätselhaften Verschwinden schon vorgedrungen. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Schlösser jemanden gestört haben. Vielleicht das Ordnungsamt?", fragte Annette Fischer (31).

Im Rathaus ist man indes ratlos. Von der Stadtverwaltung sei keine Abbauanordnung ergangen. Im Gegenteil, das Stadtoberhaupt hatte die nette Initiative sogar begrüßt und unterstützt. Denkbar wäre somit nur, dass Metalldiebe dort ihr Unwesen getrieben haben. Darauf deuten Schneidespuren am Geländer der Brücke hin.

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