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Weg des Wassers wird verfolgt

Schwere Technik bohrt riesige Löcher in die uckermärkische Erde. An drei Standorten wollen Forscher dem Klimawandel auf die Spur kommen.

Die Zylinder sind 1,50 Meter hoch und wiegen drei Tonnen.
Oliver Spitza Die Zylinder sind 1,50 Meter hoch und wiegen drei Tonnen.

Uckermark. Was ist denn da los, werden sich viele Vorbeifahrende gedacht haben, als sie dieser Tage riesige Röhren auf den Feldern gesehen haben. Dazu Bagger, Transportfahrzeuge, große Metallgestänge. An drei Standorten, in Holzendorf, Christianenhof und Grünow, haben Forscher mit einem sogenannten Lysimeter gewaltige Bodenproben genommen. Wie mit einer Backform wurde der schwere Lehmboden ausgestochen. 1,50 Meter hoch sind diese Röhren, im Durchmesser einen Meter. 

„Wir haben an jedem Standort zwei Proben genommen, eine auf der Kuppe, eine unten in der Senke“, sagt Dr. Knut Kaiser. Der 46-jährige Geograf und Bodenkundler ist Projektleiter beim Deutschen Geoforschungszentrum Potsdam. Die Forscher wollen untersuchen, wie sich die Bodenerosion auswirkt und noch auswirken wird. Denn die Folgen der Austrocknung kennt man nicht nur aus Afrika oder Amerika. Vielen dürfte noch der verheerende Sandsturm im April 2011 bei Kavelstorf in Erinnerung sein, als über 80 Fahrzeuge auf der A 19 südlich von Rostock plötzlich in einen Sandsturm gerieten und eine Massenkarambolage verursachten. Autos brannten, acht Menschen starben, über 100 wurden verletzt.

Die sechs gewaltigen, über drei Tonnen schweren Bodenproben in den nach oben offenen Metall-Zylindern kommen in die Dedelower Station des Leibniz-Zentrums für Agrarlandschaftsforschung (ZALF). „Dort werden sie unterirdisch eingelagert, sodass sie glatt mit der Oberfläche abschließen, und machen dann alle Jahreszeiten, Klimaauswirkungen, Fruchtfolgen in den nächsten Jahren mit. Messgeräte registrieren dann alle Daten zum Bodenwasserhaushalt in den sechs Proben“, erläutert Professor Wilfried Hierold (ZALF).

Die uckermärkische Forschung ist eingebettet in das Projekt Tereno Nordost. Weitere Untersuchungsgebiete sind der Müritz-Nationalpark, die Peene bei Demmin, an der Ostseeküste bei Rostock sowie in der Schorfheide. Und deutschlandweit ist Tereno Nordost in das Projekt Tereno Gesamt integriert. An vier Standorten wird hier hydrologisch geforscht: Im Voralpenland, in der Eifel, im Harz und eben in Nordostdeutschland. „Wir wollen Daten sammeln und dann belastbare Aussagen treffen, wie sich der Klimawandel auf die Ackerböden auswirkt. Gerade in einer von Landwirtschaft geprägten und abhängigen Region sind ja solche Prognosen für die Zukunft sehr wichtig“, so Dr. Kaiser.