Fahrerflucht:

Wenn der Einkaufswagen zum Unfallgegner wird...

Immer häufiger bleiben Autobesitzer nach einem Parkplatzrempler auf den Werkstattkosten sitzen. Die Polizei registriert eine steigende Zahl von Anzeigen gegen Unbekannt. Wird der Verursacher allerdings ermittelt, dann bekommt er richtig Ärger.

Korb rammt Auto - das passiert immer häufiger.
Claudia Marsal Korb rammt Auto - das passiert immer häufiger.

Heinrich M. (Name geändert) hatte sie erst am späten Abend entdeckt, die tiefe Delle am Heck seines Wagens. Der Rentner wusste weder, wer seinem Auto die Beule verpasst hatte, noch wo das geschehen war. In der Werkstatt wurde lediglich seine Vermutung bestätigt, dass ein Einkaufswagen  der "Verursacher" war. Form und Platzierung der Blessur deuteten darauf hin.

Doch weil der Einkaufswagenbenutzer abgehauen war, blieb Heinrich M. auf den Kosten fürs Ausbeulen und Lackieren sitzen. Das ist kein Einzelfall, bestätigte Polizeisprecher Gerald Pillkuhn auf Nachfrage. Er bekomme mittlerweile jede Woche mehrere Vorfälle dieser Art auf den Tisch. Zumeist seien es "Anzeigen gegen Unbekannt". Denn die Korbbesitzer machten sich gern aus dem Staub, wenn so etwas passiert sei. Doch manchmal meldeten sich Zeugen, die so einen Zusammenstoß beobachten und sich das Kennzeichen des Autos merken, in das der Verursacher im Anschluss steigt. Dann hat der Geschädigte Glück und der Wagenlenker wahrlich Pech, „denn in diesem Fall behandeln wir das Ganze wie Fahrerflucht“, verdeutlicht Pillkuhn die Konsequenzen.

Keine Absicht, trotzdem eine Straftat

Die Rempler mit den EInkaufswagen sind keine Kavaliersdelikte, denn darauf steht neben einer nicht unerheblichen Geldstrafe ein Führerscheinentzug von bis zu zwölf Monaten. Es ist also nicht nur moralisch, sondern auch sinnvoll, vor Ort zu bleiben und auf den Geschädigten zu warten, beziehungsweise ihn ausrufen zu lassen. „Erlaubt ist auch, am Scheibenwischer die Telefonnummer zu hinterlassen oder sich innerhalb einer Stunde auf der Wache zu melden“, zeigt Pillkuhn auf.

Versicherungsvertreter Sven Scheele erklärt, dass derlei Schäden im Prinzip komplett durch die private Haftpflicht übernommen werden.
Passiere der Crash, während man beim Entladen des Korbes sei, wird die Kfz-Haftpflichtversicherung herangezogen und die behält sich gewisse Optionen vor - je nach Art der Police. Schlechte Karten hat immer nur der, an dessen Auto der Korb rollt. „So etwas fällt nämlich unter Vandalismus, und der wird nur bei Vollkasko reguliert – meist mit Selbstbeteiligung und Hochstufung“, verdeutlicht Sven Scheele die Konsequenzen.

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