Erschreckende Zahlen:

Wenn es nach Beleidigungen nur noch Prügel setzt

Häusliche Gewalt nimmt auch in der Uckermark stark zu, die Dunkelziffer ist immens. In ihrer Not suchen Frauen und Kinder bei der AWO-Beratungsstelle in Prenzlau Hilfe.

Häusliche Gewalt gehört in der Uckermark zu den häufigsten Straftaten. Die Dunkelziffer ist dabei enorm hoch. In Selbstverteidigungskursen kann man lernen, wie man sich gegen seine Peiniger wehrt.
Jan-Philipp Strobel Häusliche Gewalt gehört in der Uckermark zu den häufigsten Straftaten. Die Dunkelziffer ist dabei enorm hoch. In Selbstverteidigungskursen kann man lernen, wie man sich gegen seine Peiniger wehrt.

Fünf Jahre hat Julia K. (Name gändert) nicht die Kraft aufgebracht, endlich einen Schlussstrich unter ihre Beziehung zu setzen und sich zu befreien. Haus, Kinder, die pflegebedürftige Oma – es habe viele Gründe gegeben, bei ihrem Mann zu bleiben. Und dafür nahm sie Schläge, verbale Erniedrigungen, Beleidigungen in Kauf. Als die Sache aber wieder eskalierte, suchte die Verprügelte endlich Hilfe. Und die bekam sie bei der „Beratungsstelle für Frauen und Kinder in Not und bei häuslicher Gewalt“. „Ich hätte den Schritt schon viel früher wagen und gehen müssen. Aber das weiß man immer erst hinterher, wenn auch das letzte Fünkchen Hoffnung erloschen ist“, sagt sie. Ihr Mann, ein gewalttätiger Polizist, kam mit einer Geldstrafe davon. „Aber ich wollte sein Geld nicht. Das war wie ein Freikaufen von der Schuld. Ich habe das Geld der Beratungsstelle gespendet.“

Die Beratungsstelle der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in der Prenzlauer Klosterstraße 16 ist enorm wichtig, wie aktuelle Zahlen belegen. Bis zum 31. Oktober 2013 gab es bereits 195 Kontakte zu betroffenen Frauen; ein Plus von 40  Prozent gegenüber 2012. Und das Jahr ist noch nicht zu Ende. Hinzu kommen 65 Kontakte zu betroffenen Kindern  – ein Plus von 200 Prozent. Und weitere 24 Angehörige der Betroffenen suchten in diesem Jahr schon Hilfe bei Sieglinde Schulze und Kerstin Kühn, den beiden Mitarbeiterinnen der Beratungsstelle. Die Beratung ist kostenlos, vertraulich und zu nichts verpflichtend. „Aber wir vermitteln im Bedarfsfall auch sofort den Kontakt zum Frauenhaus nach Schwedt und in ganz akuten Fällen sorgen wir für die Unterbringung der Kinder und Frauen in Hotels und Pensionen“, so Andrea Matzdorf. Die einst für Notfälle sofort vorgehaltene Zufluchtwohnung musste die AWO aus Geldmangel schon Ende 2011 aufgeben. „Wir hoffen aber, dass wir mit Hilfe des Kreises die Beratungsstelle erhalten können“, sagte Andrea Matzdorf mit Blick auf die Lokalpolitiker und Verwaltungsspitzen.

Nordkurier: Samsung Galaxy Tablet ohne Anzahlung