Debatte um steigende Flüchtlingszahlen:

„Wir sorgen für Sicherheit“

In der gut besuchten St. Nikolaikirche diskutierten Uckermärker am Montagabend das Thema Asylpolitik. Offen wurden kontroverse Positionen formuliert. Viele Bürger bekundeten ihr Mitgefühl mit den Kriegsflüchtlingen. Andere betonten ihre Ängste.

Bürgermeister Hendrik Sommer eröffnete die Bürgerversammlung zum Thema Asyl.
Guido Berg Bürgermeister Hendrik Sommer eröffnete die Bürgerversammlung zum Thema Asyl.

Zahlreich strömten die Uckermärker am Montagabend in die Kirche St. Nikolai. Sie folgten der Einladung zur Bürgerversammlung zum Thema Asylpolitik. Am Eingang drückten ihnen Mitglieder vom „Bunten Bündnis Couragierter Prenzlauer“ Flugblätter in die Hand. Sein Motiv dafür erklärte der 21-jährige Ulli Hartig: „Ich will, dass meine Stadt Prenzlau weltoffen bleibt.“ Er sei mit syrischen Flüchtlingen befreundet, die ihm täglich beweisen, dass es möglich ist, „trotz widriger Lebensumstände freundlich und fröhlich zu bleiben“.

Prenzlaus Bürgermeister Hendrik Sommer nutzte seine Rede für einen Aufruf: Ähnlich dem „Netzwerk gesunde Kinder“ sollten die Prenzlauer Patenschaften für einzelne Asylbewerber übernehmen und ihnen beispielsweise bei Behördengängen zur Seite stehen. Nähere Informationen für eine solche Patenschaft seien im Bürgermeisterbüro zu erhalten.

Die konkrete Situation umriss anschließend Frank Fillbrunn, Sozialdezernent des Kreises. Die Zahl der Asylbewerber werde steigen. Sei das Land Brandenburg Anfang 2015 noch von 14 500 Bewerbern für das Land Brandenburg ausgegangen, so laute die jüngste Zahl 24  500. In Prenzlau lebten derzeit 327 Asylbewerber im Wohnheim und weitere 95 in Wohnungen. Fillbrunn dankte den Prenzlauern für ihre Willkommenskultur und ihre ehrenamtliche Arbeit.

Asylbewerber nicht an den Pranger stellen

Die Debatte eröffnete ein junger Mann namens Ronny Küchler, der den Fall ansprach, bei dem „ein dunkelhäutiger Mann“ an der Schleuse in Gegenwart von Kindern und Jugendlichen sexuelle Handlungen an sich vornahm. Ronny Küchler: „Wie sieht es mit der Sicherheit unserer Kinder aus?“

Randy Neyer von der Polizeiinspektion bestätigte den Vorfall. Es sei ein Asylbewerber als Tatverdächtiger ermittelt worden. Es sei dafür Sorge getragen worden, „dass dieser Herr dort unten keinen Unsinn mehr veranstaltet“. Unter großem Beifall trat eine Prenzlauerin ans Mikro und verwahrte sich davor, dass ein Asylbewerber an den Pranger gestellt werde und fragte: „Wie viele Übergriffe von Deutschen auf Asylbewerber hat es gegeben?“

Sozialdezernent Fillbrunn stellte klar, dass es unabhängig von Hautfarbe, Herkunft und Religion immer auch Menschen gibt, „die sich nicht an die Regeln halten“. Die Polizei werde ohne Ansehen der Person ihre Aufgaben versehen. Fillbrunn: „Wir sorgen dafür, dass sie sich sicher fühlen können. Daran ändert auch der Zuzug von Asylbewerbern nichts!“