Streit in der Verwandtschaft:

Würden Sie Ihre Familie verklagen?

Weihnachten naht, in den Familien rückt man eng zusammen. Oder ist das nur eine Wunschvorstellung? Streit, Missgunst, Unehrlichkeit - in vielen Familien gibt es Tabu-Themen. Friedolin S. erzählt, wie es in seiner Verwandtschaft zugeht, in der am Ende der Sohn seine Eltern sogar verklagt. Ihre Meinung ist gefragt!

Friedolin S.
Friedolin S.

Friedolin S. ist ein schlanker junger Mann mit offenem Blick und kräftigem Händedruck. Ein Schwiegersohntyp, würden ältere Damen wohl sagen. Jemand, der Wert auf Familie legt. Das stimmt, er hat eine langjährige Freundin und eine kleine Tochter (5). Aber irgendwie auch nicht. Denn der 25-Jährige ist gerade dabei, sich mit harten Bandagen aus seiner Verwandtschaft zu lösen. Als Sohn hat er etwas gewagt, vor dem die meisten wohl zurückscheuen würden: Er hat seine Eltern aus dem Haus gesetzt.

„Ich konnte nicht anders, sonst wäre ich zugrunde gegangen“, sagt der Blondschopf beschämt. Dass er vor Gericht Recht bekommen hat, half ihm, in dieser Zeit nicht die Nerven zu verlieren, sagt der junge Bauer.

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Das Problem habe 2010 mit einem Hauskauf begonnen. Aus ärmlichen Verhältnissen stammend hatte Friedolin S. seit frühester Jugend gerackert und gespart, was das Zeug hielt. Er war so fleißig, dass er sich mit 22 schon den Traum vom eigenen Haus in der Uckermark erfüllen konnte. Klein und bescheiden zwar, aber immerhin, er schloss fortan die eigene Tür auf. In dieser Zeit stimmte er zu, den Eltern die untere Etage zur Miete zu überlassen. Doch das Zusammenleben ging nicht gut. Es passierte viel, nichts davon ist für Augen und Ohren der Öffentlichkeit bestimmt.

Friedolin S. will auch gar keine dreckige Wäsche waschen, nur als ihm Mutter und Vater monatelag einen Großteil der Miete schuldig blieben, da platzte ihm der Kragen.

Mit einem Anwalt ging er vor Gericht, wo im Juni 2013 dann auch ein Vergleich geschlossen wurde. Die Beklagten, seine Eltern, wurden verpflichtet, die Wohnung, bestehend aus drei Zimmern, einem Bad, einem Speicher, einer Küche und einem Flur sowie die Garage nebst Wohnküche bis spätestens 31. Oktober geräumt an den Kläger herauszugeben.

Diesem Urteil folgten sie auch. „Aber die Mietrückstände haben sie bis heute nicht beglichen“, behauptet der Sohn. Dabei habe er sich, so der junge Papa, sogar einverstanden erklärt, nicht auf der Gesamtsumme von 2000 Euro zu bestehen, sondern sich mit 980 Euro zufrieden zu geben. Geld, das seines Wissens zuvor vom Jobcenter einbehalten worden war, das dann aber nicht an ihn als rechtmäßigen Empfänger, sondern die Eltern ausgezahlt wurde. „Ein Unding, das muss bereinigt werden“, sagt Friedolin S. und knetet aufgeregt seine Mütze zwischen den Händen.

Er sehe nicht ein, dass seine kleine Existenz, die er sich aus eigener Kraft aufgebaut habe, zerstört werde, weil er unverschuldet in Not gerate. Fast tausend Euro, das sei viel Geld für ihn, setzt er leise hinzu. Schließlich ständen demnächst Betriebskostenabrechnungen ins Haus und nicht zu vergessen auch Weihnachten, das er für sich und seine Familie so harmonisch wie möglich gestalten will. „Schlimm genug, dass es die Großfamilie als solche nicht mehr gibt.“

Der letzte Satz von Friedolin S. stimmt nachdenklich. Wie steht´s eigentlich um die Familie? Löst sie sich langsam auf? Erwarten wir alle zuviel? Oder tun wir zu wenig?

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Kommentare (2)

Kommt immer drauf an. Nur weil man das gleiche Blut hat muss man nicht alles machen oder teilen was der andere will. In meiner Familie klappt es ganz gut, aber nur weil wir uns von dem anderen Teil gelöst haben. Mit denen haben wir keinen Kontakt mehr.

Beide Familienphilosophien haben durchaus ihre Berechtigung und funktionieren, aber jede Truppe muss selber herausfinden, was für sie das beste ist. Aber es scheint doch so zu sein, dass, je mehr Generationen unter einem Dach leben, umso wichtiger wird es, sich auf diese Situation einlassen zu können. Andererseits ist ein wenig Abstand vor allem mit der Generation drunter oder drüber meist auch nicht schlecht. Vor allem muss geklärt werden, wer sich wie stark in das Leben der anderen einmischen darf und kann. Je größer die Einmischtendenz, desto größer der Abstand. ;-) Ansonsten meine Hochachtung vor F. S., zum einen für das, was er geleistet hat und für die Kraft, die er sicher in der jetzigen Situation braucht.