Stromnetz wird ausgebaut:

Zwei Transformatoren bilden Herzstück für neues Umspannwerk

Bis Ende November wird es noch dauern, bis das Umspannwerk in Baumgarten fertig ist. Zwei 60 Tonnen schwere Transformatoren werden diese Woche aus Ingolstadt geliefert. Mit dem Werk sollen Engpässe abgefangen werden, wenn zu wenig Strom verbraucht, aber zuviel produziert wird.

60 Tonnen schwer bringt der Transformator eine Leistung von 31,5 Mega-Ampere.
Monika Strehlow 60 Tonnen schwer bringt der Transformator eine Leistung von 31,5 Mega-Ampere.

Gleich zwei Schwertransporte schieben sich seit Dienstag von Ingolstadt Richtung Nordosten. Ein kleines Schild in der Frontscheibe des Begleitfahrzeuges lässt ahnen, was über die Autobahnen rollt: „Trafoschubser“. Mit jeweils drei Anhängern rollen die 27 Meter langen Gespanne ihre tonnenschwere Ausrüstung und das wertvolle Stückgut bis nach Baumgarten, einem kleinen Dorf bei Prenzlau. Dort baut die E.dis AG seit dem Frühjahr ein neues Umspannwerk, für das am Mittwoch die beiden Herzen angeliefert wurden: zwei Transformatoren aus dem Starkstrom-Gerätebau Regensburg, jeder mit einer Leistung von 31,5 Megavolt-Ampere.

Für Thomas Theuke, Vorarbeiter in der Regensburger Firma Schwabbauer, ist solch ein Auftrag nichts Besonderes. „Das sind wir gewöhnt. Wenn es gut läuft, bringen wir durchschnittlich zwei Mal in der Woche solche Teile zu den Baustellen. Vorausgesetzt, Schneefall oder starker Regen behindern uns nicht“, erzählt er von 60 bis 80 Transformatoren, die er jährlich an Ort und Stelle liefert. Denn die Branche boomt, das bekommen auch seine Kollegen zu spüren, mit denen er diese Fuhre am Mittwoch absolvierte.

Andere Subunternehmer würden zum Beispiel mit Kränen arbeiten. „Doch wir wenden eine spezielle Zugtechnik an, die günstiger und nicht so aufwändig ist“, schildert Theuke und zeigt auf die vorgefertigten Fundamente, auf die die Transformatoren montiert werden. Beide sind mit einem Schienensystem bestückt, dessen Maße mit denen der Schubverbunde auf den Trucks übereinstimmen. Das wichtigste Werkzeug sind ganz profane Wasserwaagen. Mit denen kontrollieren Thomas Theuker und Bernd Mitterle immer und immer wieder, ob der 60 Tonnen-Koloss nicht auf die schiefe Bahn gerät. Erst als sich die beiden Schienensysteme perfekt aneinander schmiegen und der Transformator im Lot steht, beginnen Lutz Lehmann und Ronny Faber per Seilzügen die Drahtseile zu spannen und die Maschine von der Ladefläche zu ziehen. Eine respektable Leistung, die nicht nur von Muskelkraft, sondern auch filigranem Fingerspitzengefühl der Monteure zeugt.

Beobachtet  wird die Truppe aus Ostbayern von Männern aus dem Erzgebirge: Baustellenleiter Wolfgang Greulich und seine Kollegen. Sie errichten für die Elektrotechnik Oelsnitz seit dem Frühjahr das neue Umspannwerk Baumgarten. „Noch bis Ende November werden wir hier zu tun haben“, zeigt Greulich auf die bereits montierten Masten, Isolatoren und anderen Bauteile. Auch für ihn ist die Anlieferung eigentlich nicht Besonderes: „Wir haben schon deutlich größere Transformatoren montiert.“

Dennoch fließen hier erhebliche Investitionen des Stromversorgers, bevor überhaupt der erste elektrische Strom, durch eine Leitung fließen kann. Nach den Worten von Pressesprecher Michael Elsholtz nehme die E.dis AG rund 3,6 Millionen Euro für das neue Umspannwerk in die Hand. Die beiden Transformatoren verleihen dem Projekt sichtbare Konturen. Damit erweitere das Unternehmen das Hochspannungsnetz in der nordöstlichen Netzregion. Und sie schaffe technische Voraussetzungen, „um die wachsenden Mengen regenerativ erzeugten Stroms aufzunehmen“.

Gleichzeitig soll so auch die Versorgungssicherheit in der Uckermark merklich erhöht werden, sagt Michael Elsholtz. In der Uckermark wird so viel Strom aus Wind- und Solarenergie erzeugt, dass im bisherigen Netz Engpässe drohen. Per regenerativer Energien werden derzeit rund 52 Megawatt im Versorgergebiet erzeugt. Das wird  prekär, wenn der Wind stärker bläst. Diese Wind-Strom-Spitzen, oft begleitet von geringem Verbrauch, sollen im Umspannwerk Baumgarten entschärft werden. Die beiden neuen Transformatoren sind in der Lage, bei Starkwind rund 40 Megawatt Leistung in das Hochspannungsnetz zu übertragen. Darüber hinaus wird das Mittelspannungsnetz ausgebaut, sind sechs neue Leitungsstränge vorgesehen. Darum wird auf dem Gelände ein neues Betriebsgebäude zur Aufnahme von Schalt-, Schutz- und Leittechnik gebaut.

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