Ostvorpommern

Wolgast - Lassan - Anklam
Einsam und relativ gut zu fahren -
der Abstecher von Lassan über
die Badestelle am Berliner See bis
Buggenhagen. Foto: K. Pöller
Von Kerstin Pöller

Wolgast/Anklam. Besser, man fragt Einheimische in Wolgast nach der Bahnhofstraße und fährt diese immer geradeaus an den Schienen entlang in Richtung Hohendorf. Denn der in Radkarten angegebene Weg auf der Bundesstraße 111 Richtung Züssow bis in die Senke zu Walters Feldküche führt zwar schön bergab, ist aber fürchterlich stark befahren.

Und was noch schlimmer ist, er führt von der Feldküche - nirgendwo ausgeschildert - mitten durch die Trainingsstrecke der Motocrosser am Ziesa-Berg. Und da kann man mittendrin vor den Riesen-Pfützen durchaus verzweifeln, ehe man den Weg (immer geradeaus!) mit dem Abzweig nach rechts über die kleine Brücke nach Hohendorf gefunden hat. Dazu kommt, dass zweimal wöchentlich nachmittags hier trainiert wird – da hätte man zwar jemanden, um nach dem Weg zu fragen, aber leider ist der dann gesperrt. Wann genau das ist, darüber kann man aufgrund altersschwacher Hinweisschilder nur spekulieren.

Doch es kommt noch schlimmer: Am Ortseingang Hohendorf kann man von weitem schon einen großen Aufsteller „Naturlehrpfad Hohendorf“ an der Kreisstraße sehen. Doch darauf gibt es leider keinerlei Hinweis auf eine Radstrecke. Es bietet sich an, wieder ein Stück zurückzufahren und die Nebenstraße bis zum Bahnübergang zu nehmen. Doch spätestens hinter dem einladenden Landgasthof „Neue Heimat“ mit Biergarten ist wieder guter Rat teuer. Zum Glück sind die Hohendorfer sehr freundliche Leute: Wer den steilen Anstieg neben der Kreisstraße gemeistert hat, erfährt: „Das war zu weit. Fahren Sie ein paar Meter zurück und biegen rechterhand in den Bergweg ein.“ Der führt einen dann nach fast einer Dreiviertelstunde Schieben und Fragen seit Wolgast auf den dreisprachig ausgeschilderten Naturlehrpfad, den Einheimische früher Appelweg nannten. Das ist eine Plattenstraße, auf der man richtig durchatmen kann - linkerhand Peenestrom und rechterhand Wiesen.

Der Plattenweg mündet in eine wenig befahrene Teerstraße - auch hier keine Richtungsschilder. Linkerhand kommt man durch eine wunderschöne Lindenallee zu den reetgedeckten Häusern nach Bauer am Biberbach. Gelb schimmert das fast fertig sanierte Herrenhaus. Hinweise, ob man es besichtigen kann, findet man leider keine, dafür eine sehr aussagekräftige Geschichtstafel am Eingang. Anders in Wehrland: Mit ein bisschen Glück trifft man entweder den 76-jährigen Küster Rudolf Humrich oder die Architektenfamilie Berge an, die einen Schlüssel für die Kirche haben. Man sollte sie sich unbedingt ansehen – während der jetzt geplanten Dachsanierungsarbeiten zumindest einen Blick auf die teilweise sehr alten Gräber werfen beziehungsweise über die Friedhofsmauer, die wogenden Wiesen und den Peenestrom.

Wer noch genug Puste hat, sollte auch die ausgeschilderte drei Kilometer lange Schleife an der Kirche vorbei zum Bauer Berg nicht weglassen. Anschließend geht es auf der Asphaltstraße weiter in Richtung Waschow. Empfehlenswert hier auch ein Abstecher zum Klein Jasedower Duft- und Tastgarten. Die Kreisstraße lässt den Radler dann sanft ins erstmals 1136 erwähnte Lassan einrollen. Linkerhand sollte man das Zentrum ins Visier nehmen - die alte Kirche mit sanierter Mauer, das Mühlen- und Heimatmuseum, den Hafen. Ausgeschildert sind auch der Naturcampingplatz, der Fischverkauf und die Mosterei. An der Mosterei vorbei führt der Weg durch den Wald zum Aussichtsturm am Deich.

Zu empfehlen bei nicht allzu tiefen Pfützen ist an der Kreuzung am Ortsausgang nach Buggenhagen - dem eigentlichen Radweg auf der Asphaltstraße - eine Schleife zum 2,4 Kilometer entfernten Berliner See, einer kleinen, klaren und gut gepflegten Badestelle. Kurz hinter Buggenhagen kommt man wieder auf die Straße, kann dann zum Schloss Buggenhagen und einer Badestelle am See ein Stück ins Dorf zurückfahren oder nach Jamitzow weiterrollen.

Dort am Ortseingang ist rechts der Naturlehrpfad nach Wangelkow - dem wohl einsamsten Ort im Kreis - ausgeschildert, am Ortsausgang gibt es Hinweise auf Rotund Schwarzmilan, Mäusebussard... Der Weg nach Klotzow führt durch den Wald, einsam, aber gut zu fahren und ausgeschildert. Hinter den gepflegten Fachwerkhäusern in Klotzow beginnt die Kreisstraße mit dem vermutlich ökologischsten Belag - Sand - nach Pinnow. Hier stößt man auf den Seenradweg und radelt über Relzow nach Anklam.

Gesamteindruck: Die mit einigen Abstechern rund 45 Kilometer lange Radstrecke bietet keine großen Höhenunterschiede, ist sehr abwechslungsreich und auch mit einem Transportfahrzeug für Gruppen gut zu befahren. Die Asphaltstrecken sind eher langweilig, die Wege durch Wiesen und Wälder dazwischen jedoch wunderschön. Einplanen sollte man etwa fünf Stunden, mit Badepause etwas mehr.

Reisen, Rasten, Speisen und Übernachten...


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