Ostvorpommern

Die kleine Schlösser-Runde
Abschied vom Sommer auf Landwegen
Auf der Straße zwischen Gellendin und
Dargibell – zu Beginn der Tour -
wärmte die Sonne das Radfahrerherz,
am Nachmittag nahe Neu Kosenow
blies der herbstlich kalte Wind über die
Felder.
Abenteuer Ostvorpommern bietet Radwanderern ein wahres Paradies. Bei dieser vorläufig letzten Tour geht es von Anklam über Schmuggerow und Ducherow.

Von Daniela Pohl

Ostvorpommern. Es ist ein ungewöhnlicher und schneller Abschied. Verfolgt von einem kleinen Kläffer trete ich fester in die Pedale und fliehe quasi aus Rossin. Auf einen Biss in die Wade kann ich gut verzichten, habe ich doch erst gut ein Drittel der Strecke hinter mir. Rossin wird wie die anderen Orte auf dieser Tour gut bewacht. Damit habe ich mich abgefunden. Zum puren Dorfleben gehören nun einmal Hunde dazu, und diese tierischen Hüter des Hauses sehen einen Radwanderer nicht unbedingt jeden Tag.

Das Knurren, Kläffen, Bellen und wilde Hin- und Her-Rennen am Zaun beweisen mir, dass ich ein weiteres Etappenziel erreicht habe. Schon in Gellendin und Dargibell – den ersten Stationen – werde ich auf diese Weise begrüßt. So bleibt mein Ausflug zur Feldsteinkirche in Dargibell nicht unbemerkt.

Ich bekomme fast einen Herzinfarkt, als ich mit meinem Rad an die Dargibeller Kapelle heranrolle und ein kleiner schwarzhaariger Vierbeiner lautstark mein Kommen ankündigt. Meine Erklärung, dass ich nur auf Besichtigungstour bin, scheint den Hund nicht zu beeindrucken. Das Gebell folgt mir bis zum Ortsschild. Dann kehrt die gewohnte Stille zurück.

Die Fahrt auf den ersten Kilometern verlief vollkommen ruhig und sorgenfrei. Die Sonne schien, der Wind hielt sich noch zurück und nur wenige Autos überholten mich auf dem gut asphaltierten Weg von Anklam über Gellendin nach Dargibell. Ähnlich gelassen und mit frischem Mut radele ich auf Landwegen weiter nach Rossin, Schwerinsburg und Löwitz.

Alt und Neu: Das Schloss
in Sophienhof bekommt
ein „frischeres Gesicht“.
Das Gebäude wird saniert.
Herbstliche Bilder leuchten an jeder Biegung – mit Früchten bepackte Hagebuttensträucher säumen den Weg, die abgeernteten Felder schimmern im Braunton und die Brombeeren brauchen nur noch wenige Tage, bevor sie reif sein werden. Auch der Wind nimmt herbstliche Dimensionen an, ein Wechsel zur winddichten Radjacke ist angesagt.

Mein Magen beginnt zu knurren. In der Hoffnung, dass es in dem nicht mehr weit entfernten Schmuggerower Schloss eine warme Mahlzeit gibt, gönne ich mir einen kurzen Abstecher zum Schloss in Sophienhof. Der eine Kilometer von der Straßenkreuzung bis zum Ort ist zwar ein Tanz um die Straßenlöcher herum. Dennoch lohnt sich der Weg dorthin. Ein Blick durch den Bauzaun zeigt: Am einstigen Herrenhaus wird gebaut. Ein Teil des Gebäudes präsentiert sich neu verputzt.

Mein Magen meldet sich erneut. In Löwitz ist die Versuchung jedoch zu groß, wenigstens einmal durch den großen Gutspark mit seinen beeindruckenden Weiden zu rollen. Der Abstecher wird mit einem weiteren Grollen aus der Bauchregion und wenige Meter weiter mit der Erkenntnis bestraft, dass die Öffnungszeiten von Gaststätten selten für wandernde Radfahrer gemacht sind.

Es ist 13.30 Uhr, als ich vor dem Schloss in Schmuggerow bremse und einen Blick auf die Karte des Schlossrestaurants werfe. Essen wird erst wieder ab 15 Uhr serviert, ist dort zu lesen. Müde, hungrig und ein wenig durchgefroren starre ich ungläubig auf die angegebenen Öffnungszeiten. Dann wende ich mein Rad, setzte die Sonnenbrille wieder auf und fahre weiter. Wietstock oder Neuendorf A, irgendwo muss doch ein Imbiss um die Mittagszeit geöffnet sein.

Auch am Ende der Tour
muss sich der Radfahrer
entscheiden.
Nachdem auch der Pub in Wietstock eher auf die abendlichen Gäste eingestellt ist, setze ich all meine Hoffnung auf Neuendorf A und schwinge mich wieder in den Sattel. Die Betreiber der Parkgaststätte haben mein Flehen erhört, seit 14 Uhr servieren sie warme Speisen. Nach wenigen Schlucken vom heißen Kaffee sind die zurückliegenden zehn Kilometer vergessen – eine wilde Fahrt über sandige Waldböden und holprige Feldwege.

Der Rest der Strecke – über Ducherow, Neu Kosenow und Dargischow – ist kein Zuckerschlecken an diesem Tag, der nach einem sommerlichen Start die herbstliche Seite herauskehrt. Der Wind bläst direkt ins Gesicht, ich schalte auf die mittleren Gänge zurück. Obwohl die Straßen gut asphaltiert sind, kriecht das Rad nur langsam vorwärts. Egal, in welche Richtung der Weg führt, der Wind kommt immer von vorn. Als auch die Sonne langsam am Horizont verschwindet und die Wolken dunkler werden, ist der Herbstblues gänzlich ausgebrochen.

>>> Unterwegs



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