Ostvorpommern

Durch Usedoms Berge, Wälder und Felder
Kornblumen am Weg zwischen
Garz und Zirchow. Fotos: Denzel
Von Siegfried Denzel

Ostvorpommern. Norddeutsche Tiefebene? Die ist weit entfernt, jedenfalls von der Insel Usedom aus gesehen. Das bemerken jene Radfahrer sehr schnell, die von Ahlbeck aus in Richtung Achterland aufbrechen. Gleich hinter den Bahnschranken beginnen nämlich die Korswandter Berge, die von dem auf Meereshöhe liegenden Seebad in schier atemberaubende 53 Meter Höhe führen. Klingt nach nicht viel, macht sich aber heftig in den Oberschenkeln bemerkbar. Denn der Radweg neben der sich in Serpentinen hochwindenden, für Fahrradfahrer verbotenen Landesstraße führt relativ gerade die Höhe hinauf. Ein Glück nur, dass dichter Mischwald die schwitzenden Radfahrer vor direkter Son-
neneinstrahlung schützt.

Die Abfahrt nach Korswandt ist nicht weniger anspruchsvoll: Geteerte und dementsprechend gut befahrbare Abschnitte wechseln sich mit höchste Konzentration fordernden Splittstrecken ab. Und dann ein Schild, das in Norddeutschland wohl Seltenheitswert besitzt: „Starke Gefällstrecke – Radfahrer absteigen“, gebietet das Verkehrszeichen kurz vor Korswandt. Eine Aufforderung freilich, denen meist Pedalritter aus der Gegenrichtung nachkommen: Ihnen ist die Steigung schlichtweg zu steil.

Eine weitere Bergetappe auf dem Weg in den deutlich sanfter gewellten Süden Usedoms steht dann noch hinter Korswandt auf dem Tourenplan: Der sowohl zum Mecklenburger Seenradweg als auch zum Radweg Berlin – Usedom zählende Abschnitt nach Garz führt wiederum durch dichte, duftende Wälder, am idyllisch talwärts gelegenen Krebssee vorbei. Doch wer auf der letzten Abfahrt gen Garz sein Rad einfach der Schwerkraft folgen lässt, fährt im wörtlichen Sinne volles Risiko: Ganz unten sollen Geländer den Autos die Zufahrt versperren; das tun sie zwar auch – aber für Radfahrer bilden sie ein nicht ganz einfach zu umkurvendes Hindernis.

Von Garz aus führt die Strecke über einen letzten größeren Anstieg in Richtung Zirchow, von dort aus geht’s immer an der Haffkante entlang durch die ebenso kleinen wie uralten Dörfer Neverow und Bossin gen Dargen. Seit dem achten Jahrhundert sind diese Flecken besiedelt – beim schweifenden Blick über fast liebliche begrünte Hügel zum Wasser lässt sich verstehen, was schon die Altvorderen zum Siedeln einlud. Dargen mit seinem Zweiradmuseum und dem im Teilort Prätenow gelegenen Wisent-Gehege ist durchaus eine längere Pause wert – genauso wie das fünf Kilometer entfernte Stolpe: Dort kümmern sich die Gemeinde und ein Förderverein seit Jahren um die Sanierung des Schlosses, das sich inzwischen zum inselweit bedeutsamen Kultur- und Folklorezentrum gemausert hat.

Von hier aus sind es nur noch wenige Kilometer zu jener Stadt, die der Insel einst ihren Namen gegeben hat: Usedom. Heute eine malerische Kleinstadt abseits der großen Touristenströme, bildete sie zwischen dem 9. und 12. Jahrhundert das wirtschaftliche und politische Zentrum der Region – und ist heute der Zielpunkt unserer Radtour. Zurück geht’s durch den Usedomer Stadtforst bis nach Stolpe, und von dort am Stolper Hof vorbei durch die Mellenthiner Heide. Eine wunderschöne Landschaft, die in der Hochsommerhitze flirrt und den typischen Duft von Trockenwiesen verströmt. Doch die Wege – in Karten tatsächlich als Radwege eingetragen – sind nichts als Sandpisten. Für Fahrer von Sporträdern kaum passierbar, sind Besitzer von Mountainbikes hier klar im Vorteil. Auch die Waldwege nördlich der zu querenden B 110 bis nach Mellenthin verlangen den Ausflüglern einiges ab, Von hier geht es nach Katschow und am Nordrand des Thurbruches über Labömitz, Reetzow und Sallenthin wieder zurück in die Kaiserbäder. Der Zustand der Wege wechselt von Sand über Kopfsteinpflaster bis zum neu geteerten Top-Radweg. Der Abwechslungsreichtum der Strecke indes lässt alle Strapazen vergessen.

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Geschafft: Am Ende der rund 70 Kilometer langen Radtour lädt der
Ostseestrand zum Ausruhen ein.



























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