Ostvorpommern

Über einsame Sandwege bis zum Schloss
Die Route ist sehr gut ausgeschildert, es
gibt mehrere Rastplätze. Foto: Pöller
Von Kerstin Pöller

Janow/Zinzow. Wer bei der Eiszeit Grundmoräne, Endmoräne, Sander und Urstromtal im Hinterkopf hat, liegt zwar im Prinzip genau richtig: Um das etwa 20 Kilometer lange Teilstück durch das Landgrabental im Kreis Ostvorpommern bewältigen zu können, muss man aber kein geübter Radfahrer sein: Es gibt keine Hügel, keinen Fluss zu überwinden und auch keine sandigen Wege, die man nur schiebend schafft. Die Strecke ist wunderschön, einsam und absolut flach. Sie eignet sich für Radfahrer aller Altersgruppen. Man benötigt mit dem einen oder anderen kleinen Fotostopp etwa zwei Stunden.

Die beiden einzigen Probleme: Entweder man lässt sich nach Neuendorf B oder Zinzow mit dem Auto bringen beziehungsweise von dort wieder abholen oder aber Gruppen haben ihr Begleitfahrzeug dabei (alle Wege sind fest und zweispurig befahrbar). Ein Rundkurs wäre möglich, wenn man über Kreisstraßen zurückfährt.

Das zweite Problem: Ausgeschilderte Gasthäuser am Radweg entlang gibt es unterwegs nur in Neuendorf B, Auch im Borntiner Kastanienhof wird man nicht weggeschickt, wenn man Wasser oder Kaffee braucht. Aber ansonsten sollte man sich sein Stullenpaket lieber schon vorher schmieren, um unabhängig zu sein. Und gegebenenfalls einen Regenschirm und eine Luftpumpe einstecken, denn weder Unterstellmöglichkeiten gibt es zwischendurch noch irgendwo eine Fahrradwerkstatt.

Wer große Straßen und Kopfsteinpflaster aussparen möchte, startet seine Tour in Janow. Vor dem Schloss kann man parken, freundliche Anwohner haben auch ein Auge aufs Gefährt. Der Abstecher zur Burgruine nach Landskron lohnt sich allemal. Wer die Tour am Janower Sandweg startet, kommt schon nach wenigen Minuten zum Hinweisschild auf das Hügelgrab. Hasen fühlen sich hier ungestört, nach einem kurzen Waldstück erreicht man Rehberg. Neben der Pflasterstraße gibt es einen Radweg. Am Ortsausgang teilt sich die Strecke. Man kann über Iven nach Janow (5,8 km) zurückfahren oder 4,4 Kilometer weiter durch eine Allee nach Rebelow. Am Ortseingang Rebelow wird es auf ein paar Metern sandig und nach der Ortsmitte sollte man besser auf dem Gehweg fahren – Hinweise auf Sehenswertes fehlen hier. Aber schon bald gibt es wieder festen Sand unter dem Rad. Durch den Wald erreicht man nach gut drei Kilometern Borntin. Bis jetzt ging es nur geradeaus und man trifft auf keine Menschenseele.

Glück, wer zufällig an einen wandernden Urlauber gerät: Heidemarie Stemmer aus dem Rheinland ist nämlich Stammgast im Ort und weist nicht nur auf die freundlichen Leute im Kastanienhof, sondern auch auf das Schmitterhaus von Beate Reichert hin, in dem es Wellnessangebote gibt. Für Radfahrer, die vielleicht schon länger unterwegs sind, bietet sich auf dem benachbarten Kastanienhof die Möglichkeit, in drei Ferienwohnungen oder im Heu das müde Haupt zu betten. „Im Sommer kommen auch sehr viele Wanderreiter vorbei“, erzählt der Hausherr Hermann Quast. Gerade war er Station für eine Gruppe, die von Bayern bis nach Rügen geritten ist.

Von Borntin aus führt eine Sand-Allee quer durch den Spantekower Forst bis zur Bundesstraße 197 nördlich von Boldekow. Die Eiszeitroute aber führt geradeaus über Asphalt, ein Stück Plattenweg und Kopfsteinpflaster über insgesamt drei Kilometer nach Zinzow. In Zinzow selbst gibt es schlecht zu fahrendes Kopfsteinpflaster und von den Gehwegen keine Absenkungen für Radfahrer. Am Ortsausgang ein fast zu übersehendes Schild „Schloss“. Der Park lädt zum Verweilen ein, und gegenüber dem Schloss bleibt das neugierige Auge an einem frisch sanierten Backsteinbau hängen.

Aus dem kommt gerade Stephan Fahland. Der Darmstädter ist gelernter Brennmeister und hat hier vor wenigen Wochen, wie er sagt, den Job seines Lebens gefunden. Noch werde gewerkelt, aber im Juli soll die ehemalige Kolonne mit zwei Brennkesseln arbeiten – hier wird dann Korn gebrannt. Auch Veranstaltungen wie die Hochzeiten, die derzeit im Schloss gefeiert werden, gibt es künftig hier. Die Eiszeitroute führt jetzt am Park vorbei vier Kilometer bis Friedland. Unsere Tour endet aber in Kavelpaß am Grafenstuhl.

Mehr zu den Ortschaften am Wegesrand...














<< zurück