Ostvorpommern

Hügelige Inseltour mit Schütteleffekt
Fußgänger und Radler teilen sich die
Zinnowitzer Uferpromenade. Dort verläuft
auch der Ostseeküsten-Radweg. Foto: dp
Von Daniela Pohl

Ostvorpommern. Kaffeezeit – mein Körper braucht Koffein und ein weiches Polster unterm Hintern. Nur noch wenige Meter, und dann ist das erwählte Café auch schon in Sicht. Am Rande von Lütow, einem kleinen Ort auf der Halbinsel Gnitz, wartet hinter Büschen versteckt der „Biergarten“. Also runter vom Fahrradsattel, auf dem ich bereits gute zehn Kilometer über Wald- und Feldwege geradelt bin.

Verschwitzt und mit großem Durst lasse ich mich auf den Holzstuhl sinken. Die erste Etappe meiner Tour von Zinnowitz zum Naturcampingplatz nahe Lütow war schon ein kleines Stückchen Arbeit. Bis nach Neuendorf führt zwar eine asphaltierte Straße. Gemütlich ist das Fahren darauf jedoch nicht, denn die Autofahrer sind immer mit dabei. Aber immerhin geht es leicht bergab.

Kurz hinter der Ortseinfahrt Neuendorf ändert sich das Bild. Rechterhand führt ein Abzweig zum gesuchten Wanderweg. Entlang von Feldern und durch Wälder rollt das Mountainbike. Die Räder wühlen sich durch Sand, holpern über Steine und manchmal über Wurzeln. Die Anstiege sind nicht ohne.

Keine Menschenseele ist auf dieser Strecke unterwegs. Ich bin allein, so scheint es, bis vor mir plötzliche eine Radgruppe auf den Weg zum Steilufer an der Krumminer Wiek einbiegt. Die 26 Radler kommen aus Zinnowitz und sind mit Naturwachtführer Frank Schröder unterwegs. Die Gruppe hat bereits einen Stopp am nahegelegenen Naturcampingplatz eingelegt. Ich fahre daran nur vorbei, rolle auf der Straße dem Örtchen Lütow mit seinen zahlreichen Ferienhäusern entgegen.

Der Kaffee tut gut, langsam entspannen sich die Muskeln wieder, und der Staub fällt von den Beinen. Das Stück selbst gebackenen Pflaumenkuchen verputze ich in weniger als zwei Minuten. Im Lütower „Biergarten“ – eigentlich ein Galeriegarten mit Café – ist das Publikum gemischt. Zwei Pärchen und eine Familie mit ihren Kindern teilen sich den grünen Garten mit mir.

Die zweite Etappe steht nun an: von Lütow zurück nach Zinnowitz. Die wenigen Kilometer nach Netzelkow über Neuendorf sind auf den Asphaltstraßen schnell bewältigt. Einzig der Wind erweist sich kräftig blasend als erbitterter Gegner. In Netzelkow endet die Fahrt erst einmal vor der Kirche St. Marien. Einen Blick auf den frei stehenden Glockenstuhl gönne ich mir, bevor es auf Plattenwegen weitergeht. Gut durchgeschüttelt begebe ich mich schließlich auch auf „Dschungelpfade“. Der naturbelassene Weg, der kurz hinter dem Abzweig Neuendorf beginnt, fordert meinen Gleichgewichtssinn heraus, muss ich doch immer wieder riesigen Brennnesseln ausweichen.

Zurück auf der Straße ist es mit der Ruhe vorbei. Urlauber und Einheimische rauschen mit ihren Autos in Richtung Zinnowitz. Ich ziehe den Kopf ein, ducke mich auf dem Rad und hoffe, dass mich beim Überholen keiner streift. Das Glück ist auf meiner Seite: Als ich in Zinnowitz eintreffe, ist mein Kopf noch dran. Im Ostseebad geht es etwas langsamer zu. Radfahrer wie Autofahrer finden sich in einer Schlange wieder, rücken nur langsam ins Ortszentrum vor. Dann ist sie da – die Ostsee begrüßt mich mit ihren Wellen.

Am Rande der Strecke...


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