Ostvorpommern

Durch Usedoms stille Winkel
32 Kilometer durch uralte Insel-Dörfer
Einladend: der gut zu befahrene Radweg im
Norden des Lieper Winkels, hier im ersten
Teil zwischen Warthe und Grüssow.
Foto: Siegfried Denzel
Radtouren Ostvorpommern bietet Radwanderern ein wahres Paradies. Bei dieser 32-Kilometer-Rundtour geht es von Suckow aus durch den Lieper Winkel.

Von Siegfried Denzel

Insel Usedom. Die Zeiten, in denen der Lieper Winkel als Geheimtipp für Usedom-Genießer galt, sind vorbei. Beschaulich ist die Halbinsel mit ihren acht Dörfern zwar noch immer, doch geheim nicht mehr. Das bemerken Radfahrer auf der offiziell als Radweg dienenden, von Kastanien gesäumten Kreisstraße OVP 34 sehr schnell. Wer auf mehr als zwei Rädern unterwegs ist, hat es meist eilig. Die Kurvenhatz vieler Autofahrer macht die ersten Kilometer der Tour auf der sich an sanften Hügeln entlang schlängelnden Straße zugegebenermaßen nicht gerade zum Vergnügen.

Dabei gibt’s für einen Fahrradausflug in den Lieper Winkel keine Alternative: Schließlich steht oberhalb Suckows der älteste Baum der Insel – mehr als 700 Jahre hat die „Suckower Eiche“ auf dem knorrigen Stamm, der schon 1298 so mächtig war, dass die Eiche in einer Urkunde zum Grenzverlauf auf der Gemarkung Usedom erwähnt wurde. Für eine Rast ist es trotz der Schutzhütte im Schatten der 30 Meter breiten Baumkrone aber noch zu früh, und so geht es weiter auf den Weg in Richtung Krienke – immer ganz am rechten Straßenrand, denn auf der schmalen OVP 34 wissen nicht alle Motorisierten, dass hier der Usedom-Rundweg für Radfahrer verläuft. Bis Rankwitz bleibt man auf der Kreisstraße; kurz vor dem Hauptdorf des Lieper Winkels lädt der Hafen zum Verweilen ein: Frischer Räucherfisch von dort ist auf der ganzen Insel begehrt. Aber Vorsicht: Fisch macht bekanntlich durstig, und die Strecke ist noch etliche Kilometer lang.

In Rankwitz selbst gabelt sich vor dem Heimathof – ein vom Natur- und Heimatverein Lieper Winkel betriebenes kleines Heimatmuseum – die Straße; am besten folgt man der nur geschotterten Peenestraße nach links und radelt an rohrgedeckten Häusern und Katen vorbei. Hier ist das Fischerdorf-Flair noch lebendig. Schnell ist der Ortsrand erreicht, und eine frisch asphaltierte, aber kaum befahrene Straße führt weiter nach Quilitz. Die Steilküste hoch über dem Peenestrom ist zwar seit DDR- Zeiten besetzt von einer Finnhütten- und Ferienhaussiedlung – doch für einen Abstecher eignet sie sich dennoch: Der wuchtige Kirchturm Lassans erhebt sich auf der anderen Seite des Peenestroms. Und ganz romantisch sollen die Sonnenuntergänge am Steilufer sein...

Weiter geht’s am ruhigen Peenestrom entlang Richtung Warthe. Auf den Radler wartet da ein Stück Arbeit: Die Piste hätte auch die Bezeichnung „Lieper Düne“ verdient; wenigstens ist der Sand schön eben, und nach rund drei Kilometern ist das Dorf am Nordende der Halbinsel erreicht. Unter den vielen schönen Reethäusern ragt das „Blaue Haus“ als ältester erhaltener Fachwerkbau des Winkels hervor.

Idylle: der kleine Hafen des
kleinen Dorfes Grüssow.
Foto: Siegfried Denzel
Hier in Warthe geht der Peenestrom ins Achterwasser über, am und auf dem Deich führt die Tour weiter nach Grüssow. Kleine Sandstrände laden zum Baden, doch je weiter man vorankommt, desto schlechter wird der Weg: Das letzte Stück besteht nur noch aus einer schmalen Fahrspur auf dem Deich. Konzentration ist angesagt – gerät nur ein Rad aus der Spur, bekommt die Fahrt schnell den Charakter eines Rodeoritts: Von sattem Graswuchs gut getarnt, lauern von Wühlmäusen und Ratten gegrabene Löcher. Das 40 Einwohner zählende Grüssow und das genauso kleine Reestow sind schnell passiert – und bald taucht Liepe, jenes Dorf, das der Halbinsel den Namen gab, auf; die 1216 erstmals erwähnte Johanneskirche gilt als die älteste bekannte Kirchengründung Usedoms.

Allmählich neigt sich die Tour dem Ende entgegen: Zunächst über einen Plattenweg und dann über sandige Waldwege geht es nach Krienke und von dort ins drei Kilometer entfernte Morgenitz. Das verträumte 150-Einwohner-Dorf mit seiner malerischen Kirche und seiner imposanten Eiche in der Dorfmitte wird einmal jährlich – im Juli – zum Anziehungspunkt für tausende Gäste, die zum Töpfermarkt strömen. Doch für dieses Jahr ist wieder Ruhe eingekehrt, und die letzten zwei Kilometer zum Ausgangspunkt Suckow sind schnell zurückgelegt.

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