Hilfe für Existenzgründer:

Die Erstberatung kann nur ein Grundstock sein

Jeder, der sich selbstständig machen will, sollte sich vor der Firmengründung professionellen Rat holen. Diesen Service bieten Unternehmens- und Existenzgründungsberater. Mit Ute Lehmbeck, die seit 2009 im Büro für Existenzgründungen (bürex) Gründungswillige berät, sprach Ute Ziemann über Beratungsleistungen im Erstgespräch und Erwartungen der angehenden Gründer.

Das Büro für Existenzgründungen gibt es seit 14 Jahren. Wem steht es offen?
Wir bieten Menschen, die den Weg in die Selbstständigkeit gehen wollen, eine individuelle Erstberatung. Zu uns kommen Arbeitslose und von Erwerbslosigkeit bedrohte Menschen ebenso wie Erwerbstätige, die sich neu orientieren wollen. Während die erste Beratung kostenfrei ist, sind alle weiteren kostenpflichtig. Dafür können Zuschüsse beantragt werden.

Wie kommt der Kontakt zustande?
In erster Linie durch das Telefon: Wer Beratung sucht, ruft an. Wir vereinbaren einen Termin, für den der Existenzgründer bis zu zwei Stunden Zeit einplanen sollte. Schon am Telefon erfrage ich die Voraussetzungen, die der Anrufer für eine Gründung mitbringt sowie die Geschäftsidee, mit der er sich selbstständig machen will. So kann ich mich auf das Gespräch vorbereiten.

Und wie sollten sich Existenzgründer auf das Gespräch vorbereiten?
Wichtig ist, dass sie sich bereits mit der Gründungsidee auseinandergesetzt haben. Sie sollten wissen, wen sie mit ihrem Produkt beziehungsweise ihrer Dienstleistung ansprechen möchten, wie sie am Markt auf sich aufmerksam machen wollen, welche Mitbewerber es gibt und wie sie sich von ihnen unterscheiden. Außerdem sollten sie sich zu den Kosten ihrer Gründung Gedanken gemacht haben. Sie sollten erforderliche Investitionen zusammengestellt und über deren Finanzierung nachgedacht haben.

Mit welchen Erwartungen kommen die Leute zu Ihnen?
Viele erwarten, dass sie bei mir ein fertiges Konzept in die Hand bekommen. Aber ein Geschäftsplan kann nur mit dem Gründer gemeinsam entwickelt werden. Dazu braucht es mehr als ein Beratungsgespräch. Das Erstgespräch ist der Grundstock, dann geht es ins Detail. Wer es mit der Selbstständigkeit ernst meint, arbeitet aktiv mit und hat damit gute Voraussetzungen geschaffen, die Idee in der Folge am Markt umzusetzen.

Welches sind die häufigsten Fragen der Beratungssuchenden?
Die meisten wollen wissen, welche Ämtergänge auf sie zukommen, wie ich die Chancen ihrer Geschäftsidee einschätze und wo es Geld gibt, das sie nicht zurückzahlen müssen.

Apropos Geld: Auf einen Existenzgründer kommen ja viele Kosten zu. Welche werden häufig unterschätzt?
An ein Fahrzeug, den Steuerberater und die Miete denken die meisten. Aber an Nebenkosten, Bürobedarf, Porto und Instandhaltungen denken nur wenige. Auch Kontoführungsgebühren und im Falle einer Finanzierung damit verbundene Zinsen müssen bedacht werden. Nicht zu vergessen die Versicherungen: angefangen von der betrieblichen Haftpflicht bis hin zur eigenen Absicherung in einer Kranken- und Rentenversicherung.

Welches Ziel verfolgen Sie mit ihrem Beratungsangebot?
Die Existenzgründungsberatung soll eine Entscheidungshilfe zur sicheren Gründung sein. Wir informieren nicht nur über Fördermöglichkeiten, Finanzierungen, Zulassungen und Genehmigungen, sondern weisen auch auf Kostenstrukturen und Risiken hin. Wenn beispielsweise ein Arbeitsloser nur mit einem Gründungszuschuss der Arbeitsagentur gründet, zeugt das von wenig Vertrauen in seine Geschäftsidee. Wenn er ihn bekommt, ist das natürlich im privaten Bereich ein guter Puffer und bringt Sicherheit.

Welchen Rat würden Sie Existenzgründern geben, bevor sie einen Termin für ein Beratungsgespräch vereinbaren?
Wer sich selbstständig machen will, sollte sich nicht unter Zeitdruck setzen. Er sollte sich mit seiner Idee auseinandersetzen und ausreichende Informationen am Markt sammeln. Günstig ist es, wenn er als Gründer schon über Kundenkontakte verfügt. Das kann beispielsweise durch eine Gründung aus dem Nebenerwerb heraus so sein. Außerdem muss der künftige Unternehmer in der Lage sein, Kunden zu akquirieren. Denn ohne Kunden keine Einnahmen, und ohne Einnahmen ist die beste Geschäftsidee zum Scheitern verurteilt.
 

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