Babyserie:

Ein Besuch bei Oma ist für Kinder wie Urlaub vom Alltag

Eine Honigstulle zum Abendbrot? Na gut! Nach dem Sandmann noch einen Trickfilm? Okay! Ein Spielzeugauto außer der Reihe? Ausnahmsweise! Wenn aus Eltern Großeltern werden, scheint in bestimmten Situationen das Wort „Nein“ aus ihrem Sprachschatz zu verschwinden. Und das ist auch gut so! Sagen Erziehungsexperten.

Großeltern
dpa

Es ist quasi ein ungeschriebenes Gesetz, dass Omas und Opas verwöhnen dürfen. „Großeltern sollten nicht nur mehr dürfen, sie sollten auch Dinge anders machen dürfen“, sagt Dr. Ralf Hickethier. Der Pädagogische Psychologe und Buchautor rät Großeltern, ihre eigenen Schwerpunkte zu setzen, frei nach dem Motto andere Familiensituationen andere Sitten. „Solche Erfahrungen sind wichtig für das kulturelle Lernen von Kindern.“

Auszeit vom Alltag für Kinder

Wenngleich er dabei nicht unbedingt das Extrastück Schokolade im Blick hat, sondern viel Zeit zum Toben, Vorlesen und auch eine andere Herangehensweise an Probleme wie schlechte Noten. Das sieht auch Sylvia Görnert-Stuckmann so. Die Autorin des Buches „Oma ist die Beste: Warum Großeltern wichtig sind“ sagt: „Für eine Fünf in Mathe müssen auch Großeltern ihre Enkel nicht belohnen. Aber sie dürfen sie trösten und das auch in einem anderen Ausmaß als Eltern es tun.“

Doch warum spielen bei Großeltern Regeln, die ihnen bei ihren eigenen Kindern wichtig waren, nun nicht mehr so eine große Rolle? „Sie sind großzügiger, weil sie sich nicht mehr um die Erziehung und Alltagsdinge kümmern müssen“, sagt Sylvia Görnert-Stuckmann. Ein Wochenende bei Oma sei für Kinder so etwas wie eine Auszeit vom Alltag.

Oma und Opa weiten die Regeln aus

„Eltern geben die Erziehungsmaximen vor, Oma und Opa sind dann diejenigen, die diese Regeln ausweiten dürfen.“ Wichtig sei dabei aber, dass sie die Erziehungshoheit der Eltern akzeptieren und in wichtigen Belangen Absprachen nicht einfach übergehen, sagen Sylvia Görnert-Stuckmann und Dr. Ralf Hickethier unisono.  Dass der Hase bei Oma und Opa in manchen Situationen anders läuft, bekommen selbst kleine Kinder rasch mit. „Kinder sind geborene Grenzüberschreiter und spüren ganz genau, welche Grenzen zu Hause und welche bei den Großeltern gelten“, sagt Sylvia Görnert-Stuckmann.

Großeltern reagieren ängstlicher

Großeltern sind in bestimmten Situationen aber nicht nur nachgiebiger, sondern mitunter auch ängstlicher. Auf dem Spielplatz stellen sie sich beispielsweise schützend hinter ihre kleinen Enkel, wenn diese auf Klettertürme steigen, wackelige Seilwände hinaufkraxeln oder über schmale Abenteuerstege balancieren – auch wenn diese das alles längst allein können.

Auch das sei eine ganz natürliche Reaktion. „Wenn wir etwas Wertvolles geliehen bekommen, gehen wir damit doch immer viel vorsichtiger um. Da soll nichts kaputt gehen und kein Kratzer rein kommen“, sagt Dr. Ralf Hickethier. Diese Devise gelte nicht nur für Dinge wie Bücher oder Autos, sondern in besonderer Weise auch für Enkel.

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