Außergewöhnliche Idee:

„Ich würde es immer wieder so machen“

Seit fünf Jahren macht Annerose Ryll Körperabformungen. Zunächst im Nebenjob, seit einem Jahr im Haupterwerb. Noch könnte sie davon nicht leben, aber die Burg Stargarderin hofft, dass ihr der Durchbruch im nächsten Jahr gelingt.

Annerose Ryll
U. Ziemann Annerose Ryll in ihrem neuen Atelier: An der Wand hängen gestaltete Abformungen von Babybäuchen. Jedes Teil ist ein Unikat.

Wer Annerose Ryll zu Hause besucht, trifft schon im Flur auf Zeugnisse ihrer Arbeit. Torsos mit Babybäuchen schmücken dort die Wände. Für manchen Gast ein ungewöhnlicher Anblick. Doch ihre Familie habe sich daran gewöhnt, sagt die 45-Jährige und lacht. „Sie gibt mir auch den nötigen Rückhalt, damit ich mein Vorhaben, als Körperabformerin meine Brötchen zu verdienen, umsetzen kann“, fügt sie dankbar hinzu. Gerade erst ist im Wohnhaus der Familie ihr neues Atelier fertig geworden. Hier sieht man nicht nur aus Gips geformte Babybäuche, sondern auch kleine Hände, Füße und Babypopos.

„Ich habe schon immer gern mit Gips modelliert“, erzählt die gelernte Zahntechnikerin. Während sie in ihrem Beruf, den sie 17 Jahre ausübte, Zahnkronen und Prothesen fertigte, macht sie seit fünf Jahren Körperabformungen. „Angefangen hat alles während meiner zweiten Schwangerschaft“, erinnert sich die Burg Stargarderin. Sie habe im Fernsehen einen Beitrag darüber gesehen, und weil es in der Region keine professionelle Bauchabformerin gab, versuchte sie es mit Unterstützung ihres Mannes selbst. „Dabei sind sechs Bauchmasken entstanden, die die Entwicklung der Schwangerschaft zeigen. Ich habe sie mit Malereien verziert, und jetzt sind sie das Highlight im Kinder- und Schlafzimmer“, berichtet die zweifache Mutter. „Die Resonanz von Freunden und Bekannten war so groß, dass ich viele Anfragen bekam. Die Idee, mich als Körperabformerin selbstständig zu machen, war geboren.“

Um sich dafür fit zu machen, besuchte sie nach der Babypause einen Kurs für Existenzgründer. „Dabei bekam ich allerdings kalte Füße“, gibt die couragierte Frau ehrlich zu. Und so war sie damals froh, als sie einen Teilzeitjob in ihrem Beruf fand. Sie arbeitete halbtags und konnte ihrer Leidenschaft im Nebenerwerb nachgehen. Dazu gründete Annerose Ryll im Jahr 2008 ihre eigene kleine Firma, die sie Lilly-Art – nach dem Kosenamen ihrer Tochter Emily – nennt. Mit Hilfe einer selbstgestalteten Internetseite und der Mundpropaganda vieler zufriedener junger Mütter wird sie über die Region hinaus bekannt. Aus Rostock, Neuruppin, ja sogar aus Bremen kommen Frauen, um sich eine ganz persönliche Erinnerung an ihre Schwangerschaft anfertigen zu lassen. Nach den Bauchabformungen wagt sie sich an neue Herausforderungen. Beispielsweise sind Abformungen von Babyhänden und -füßen sehr beliebt. „Es ist ein individuelles Andenken an die erste Lebensphase des Kindes und auch ein schönes Geschenk für die Großeltern“, meint Annerose Ryll.

Mehr Aufträge bedeuteten für sie aber auch weniger Zeit für Freunde und Familie. Im vergangenen Jahr stand sie vor der Wahl: Aufträge ablehnen oder sich ganz auf Lilly-Art zu konzentrieren. Diese Entscheidung wurde ihr durch Stellenabbau im Labor abgenommen.

In Internet und Netzwerk präsent

So konnte sie aus der Arbeitslosigkeit heraus den Gründungszuschuss beantragen. „Der hat mir sehr geholfen“, sagt die Unternehmerin, denn obwohl sie viele Aufträge habe, noch könne sie davon nicht leben. „Ich hätte aber auch ohne Zuschuss diesen Schritt gewagt“, ist sie sich sicher. Schließlich mache ihr die Arbeit Spaß. Über Langeweile kann die Existenzgründerin nicht klagen. Vier weiße Torsos liegen in ihrem Atelier und warten auf die Fertigstellung. Gleichzeitig bereitet sie sich auf Messen in Leipzig, Rostock und Neubrandenburg vor, bei denen sie ihre Arbeiten vorstellen und ihr Unternehmen bekannt machen will.

Auch einen neuen Internetauftritt hat sie sich mit professioneller Unterstützung erstellen lassen und auf Facebook ist sie ebenfalls aktiv. „Man will ja schnell gefunden werden“, sagt Annerose Ryll. Das koste zwar alles Zeit und Geld, aber ohne Werbung gehe es nicht. „Schließlich muss ich mich nun selbst erwirtschaften, Materialien müssen gekauft, Versicherungen bezahlt werden.“
Den Schritt, über den Nebenerwerb zu starten, habe sie nicht bereut. „So konnte ich viele Erfahrungen sammeln, ohne sofort auf eigenen Beinen stehen zu müssen“, betont sie. Nach einem Jahr der Selbstständigkeit ist nun ihr größter Wunsch, bald von der eigenen Arbeit leben zu können.

Aus ihren Erfahrungen der Anfangszeit möchte Annerose Ryll zukünftigen Gründern einen Rat mitgeben: bei Anrufern, die für Branchenbücher werben, oder die für viel Geld einen ersten Platz bei der Google- Suche versprechen, vorsichtig zu sein. Sie selbst habe gute Erfahrungen mit einheimischen Firmen gemacht.

www.babybauch-gips-abdruck.de

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