Mut und Kreativität:

Mehr als bunte Bilder

Anja Beuse verwirklicht ihren Traum und eröffnet ein eigenes Fotostudio. Bevor sie diesen Schritt aus der Arbeitslosigkeit heraus wagte, brauchte sie viele Informationen – und Ermutigung.

„Fotografin ist mein Traumberuf“, sagt Anja Beuse. Dabei strahlen ihre Augen und ihr fallen gleich viele schöne Geschichten ein, die sie in ihrer zwölfjährigen Laufbahn als Fotografin erlebt hat. Was sie an diesem Beruf so fasziniert, könne sie gar nicht sagen. „Ich mag es mit Menschen zu arbeiten, sie fotografisch in Szene zu setzen und dabei eigene Ideen zu entwickeln und sie umzusetzen.“ Aber auch die Nachbearbeitung der Fotos – ihnen sozusagen den Feinschliff zu geben – habe seinen Reiz. Und so fiebert sie nach über einem Jahr Pause ihrer Geschäftseröffnung entgegen.
Dabei sah es nach Babyjahr und Kündigung zunächst gar nicht so aus, dass sie diesen Beruf weiter ausüben würde. Schon gar nicht als Selbstständige, denn davor hatte sie immer Scheu. Doch Ehemann Sven redete ihr zu: „Versuch‘s doch einfach. Du schaffst das.“ Je mehr die 36-Jährige darüber nachdachte, desto besser konnte sie sich mit dem Gedanken anfreunden. Ihr erster Weg führte sie zur Agentur für Arbeit. „Ich hatte ja keine Ahnung, was da alles auf mich zukommt“, gibt Anja Beuse ehrlich zu. Businessplan, Gewerbeanmeldung, Gründerkurs und Gründerzuschuss – Dinge, mit denen sie sich zuvor nie beschäftigt hatte. „Ich war dankbar über die vielen Informationen und froh, dass meine Arbeitsvermittlerin offene Ohren für mein Vorhaben hatte“, erzählt sie. Aber mit den vielen Informationen kamen neue Probleme auf sie zu.

Die Geschäftsidee war klar: ein Fotostudio in Altentreptow. Aber wie umsetzen? „Mein erster Gedanke war, nur außer Haus zu fotografieren“, erzählt sie. „Dann hätte ich keinen Geschäftsraum gebraucht.“ Doch diesen Gedanken verwarf sie schnell. „Warum das Studio nicht im eigenen Haus einrichten?“, überlegten sich die Eheleute, die mit ihren Zwillingen seit acht Jahren in der Oberbaustraße 22 in Altentreptow leben und mit Sohn Tammo im letzten Jahr Zuwachs bekamen. Das Dachgeschoss könne dafür ausgebaut werden, schlug Sven Beuse vor. Doch auch diese Idee wurde nach kurzer Diskussion verworfen. „Schließlich machte mein Mann den Vorschlag, den Wintergarten umzubauen: „Den nutzen wir sowieso nur selten. Außerdem hat er einen separaten Eingang“, waren die Argumente die überzeugten. Gesagt, getan. Entstanden ist auf dem Hof ihres Hauses ein kleines, individuell eingerichtetes Fotostudio mit allerlei alten Sachen, die als Fotomotive Verwendung finden sollen.
Noch bevor alle Formalitäten für die Selbstständigkeit erledigt waren, wurde mit dem Umbau begonnen. „Da mein Arbeitslosengeld nicht so üppig ausfiel, hatte ich mich entschlossen im Nebenerwerb zu fotografieren“, berichtet sie. So wären die Arbeiten nicht umsonst gewesen. Aber zu diesem Zeitpunkt stand die Entscheidung für die eigene Firma längst fest. So ging es an die Erarbeitung des Businessplanes. Dabei erhielt sie Unterstützung von der Handwerkskammer. „Herr Wiese hat sich sehr viel Zeit für mich genommen, besonders bei der Umsatz- und Kostenplanung brauchte ich seine Hilfe“, gesteht sie. „Zwar hatte ich als Fotografin immer selbstständig gearbeitet, aber als Angestellte braucht man sich um solche Sachen nicht zu kümmern.“

Den Gründerkurs absolvierte Anja Beuse in Neubrandenburg in der Halle 10 GmbH. Da ihr Mann einen Teil der Elternzeit in Anspruch nahm, konnte sie sich ganztags darauf einlassen. „Vom Kurs war ich total begeistert“, sagt sie. „Was uns dort an drei Tagen geboten wurde, gab mir mehr Sicherheit in Fragen Steuern, Versicherungen und Werbung.“ Anja Beuse musste aber auch die Erfahrung machen, dass sie in manchen Dingen zu schnell vorgeprescht war. Beispielsweise erfuhr sie im Gründerkurs, dass man für die Entwicklung eines Firmenlogos Fördermittel beantragen kann. „Ich hatte mein Logo in nächtelanger Arbeit schon selbst entworfen. Darauf bin ich stolz, schließlich habe ich einen kreativen Beruf“, betont die Fotografin. Auch Visitenkarte, Eröffnungsflyer und Internetauftritt stammen aus ihrer Feder. „Den Gründerzuschuss brauchst Du gar nicht erst zu beantragen, der wird kaum noch gewährt“, wurde ihr von Kursteilnehmern gesagt. Aber sie hat es trotzdem gemacht und innerhalb weniger Tage eine Zusage von ihrer Arbeitsvermittlerin erhalten.
„Ich hätte auch ohne den Zuschuss den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt“, erklärt sie heute optimistisch. „Aber er gibt natürlich Sicherheit – zumindest für ein halbes Jahr – um die Sozialversicherungsbeiträge zu bezahlen.“ Für Anja Beuse geht die Vorbereitungsphase in wenigen Tagen zu Ende. Müsste sie noch einmal von vorne beginnen, würde sie sich auf jeden Fall einen Gründercoach nehmen. „Der nimmt dich an die Hand und hilft Fehler zu vermeiden“, ist sie sich sicher.
Dass die Mutter von drei Kindern in Zukunft wieder am Wochenende arbeiten wird, ist der Familie bewusst. „Es wird nicht immer leicht sein, denn mein Mann arbeitet in Schichten. Aber zum Glück haben wir Omas, die uns schon immer unterstützt haben“, ist sie dankbar. Um Arbeit und Familie besser unter einen Hut zu bekommen, will sie das Fotostudio nicht den ganzen Tag öffnen, sondern nur nach Terminvereinbarung.
Doch am 1. August braucht niemand einen Termin. Dann eröffnet Anja Beuse ihr Fotostudio „AB-photo“ mit einem Tag der offenen Tür. Von 14 bis 18 Uhr lädt sie alle Interessierten ein. Zu ihrem Leistungsspektrum gehört neben Hochzeits-, Familien- und Porträtfotografie auch die Erotikfotografie. Für ihre Kunden will sie Partner sein, wenn es darum geht, die schönsten Momente des Lebens festzuhalten.

Gründungszuschuss als „Kann-Leistung“ möglich

Arbeitslose, die sich selbständig machen wollen, können zur Förderung der Aufnahme einer selbstständigen Tätigkeit einen Gründungszuschuss erhalten. Dieser dient der Sicherung des Lebensunterhalts und der sozialen Absicherung in der Zeit nach der Existenzgründung. Allerdings gibt es seit dem 28. Dezember 2011 keinen Anspruch mehr darauf. „Die Gewährung ist zur Kann-Leistung‘ geworden“, sagt Nicole Prasser, Teamleiterin bei der Arbeitsagentur in Neubrandenburg. Im Agenturbereich Demmin, Neubrandenburg, Altentreptow haben von Januar bis Mai 2012 insgesamt 66 Gründer eine Bewilligung erhalten. In 26 Fällen wurde der Antrag abgelehnt. Die Agentur müsse prüfen, ob der Antragsteller über eine andere Maßnahme in Arbeit gebracht werden kann. Vorrang habe immer eine Arbeitsplatzvermittlung, erklärt sie. Außerdem muss der Antragsteller die notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten zur Ausübung der selbstständigen Tätigkeit darlegen. Bei Zweifeln an der Eignung kann die Teilnahme an einer Maßnahme zur Eignungsfeststellung oder zur Vorbereitung der Existenzgründung erfolgen. Ein weiteres Kriterium sei der Nachweis der Tragfähigkeit durch eine fachkundige Stelle. „Der Existenzgründer muss ein schlüssiges Konzept vorlegen, das erfolgversprechend ist, denn schließlich soll die Selbstständigkeit lange bestehen bleiben. Und eventuell sollte der Existenzgründer selbst zum Arbeitgeber werden“, betont die Teamleiterin. Außerdem müsse ein Restanspruch von 150 Tagen auf Arbeitslosengeld bestehen. Ein Wechsel aus einem versicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis direkt in die Selbstständigkeit wird durch den Existenzgründerzuschuss nicht gefördert. Informationen unter 01801 555111, montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr. Hier kann man auch einen Termin vereinbaren.

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