Fernbeziehungen:

Neues Leben anfangen und die alte Liebe mitnehmen

Umzug, andere Freunde, eine Beförderung im Job – was einen selbst bereichert, kann eine Partnerschaft belasten. Und das aus ganz unterschiedlichen Gründen. Doch wer sich den problemen stellt und sie bewusst angeht, kann seine Beziehung sogar stärken.

Wie Paare mit einer räumlichen Trennung oder einer Wochenendehe zurecht kommen, hängt nicht zuletzt davon ab, wie intakt die Beziehung vorher war.
Mascha Brichta Wie Paare mit einer räumlichen Trennung oder einer Wochenendehe zurecht kommen, hängt nicht zuletzt davon ab, wie intakt die Beziehung vorher war.

Wenn sich ein Partner verändert, kann das eine Beziehung belasten – oder bereichern. Aber nicht immer ist die Veränderung auch wirklich die Ursache für eine Krise. Experten geben Tipps, wie die Liebe trotz Umzugs oder Veränderungen im Job nicht darunter leidet.

Henning Matthaei arbeitet seit 1994 als Coach und erlebt im Job häufiger Paare, deren Alltag beispielsweise durch eine veränderte Arbeitsbelastung eines Partners durcheinandergeraten ist. „Bei größeren Veränderungen besteht erheblicher Gesprächsbedarf zwischen den Partnern - und zwar schon vor der Entscheidung“, sagt der Experte. Ein Paar sei ein eingespieltes System. „Große Veränderungen bringen das System ins Wackeln.“ In einer Beziehung sollten beide die Auswirkungen der Entwicklung teilen, immer wieder miteinander darüber sprechen, empfiehlt Matthaei. „Das Neue sollte sozusagen mitgenommen, in das Paarleben integriert werden.“

Den Alltag aufrecht zu halten

Auch Umzüge stellten die Liebe manchmal auf die Probe. Bei einer räumlichen Trennung bräuchten beide die Gewissheit, füreinander da zu sein, so der Coach. Er empfiehlt, zu telefonieren, als SMS zu schreiben. Gespräche könnten eher den Austausch am Frühstückstisch oder abends auf dem Sofa ersetzen. „Sie sollten versuchen, diesen Alltag in abgespeckter Form weiterzuführen.“ Jede Veränderung könne verunsichern, man sei nicht mehr so souverän, sagt Vera Matt, Paartherapeutin aus Berlin. „Und Veränderungen, beispielsweise wenn einer der Partner befördert oder auch arbeitslos wird, verändern die Augenhöhe des Paares.“ Wenn ein vorher gleichwertiger Partner plötzlich aufsteigt, werde die Beziehung oft zum Machtkampf. Sie kennt das vor allem von Künstler-Paaren, die immer wieder mit einzelnen Projekten sehr erfolgreich sind - und sich dann wieder neu aufstellen müssen. „Man sollte diese Schaukel akzeptieren. Mal bin ich oben, mal der andere.“ Wichtig sei es, bei sich zu bleiben, nicht in Konkurrenz zu treten, sagt Matt. Wer das nicht schaffe, solle versuchen, an sich selbst zu arbeiten, statt den anderen abzuwerten. Der erste Schritt zur Besserung sei die Erkenntnis, dass etwas in Schieflage geraten ist - „und dass genau das normal ist“.

Brigitte Koch kennt das Problem ebenfalls aus ihrer Praxis für Paartherapie in Landsberg/Lech - aber auch aus ihrer eigenen Beziehung. Vor 20 Jahren entschieden ihr Mann und sie sich für eine „Wochenendehe - zugunsten der Karriere ihres Mannes. Ihren Klienten rät sie, sich nicht abhängig vom Partner zu machen und ihr Leben trotz der Liebe selbst zu gestalten. Außerdem solle man nicht die Situation beklagen, die sich oft sowieso nicht ändern lasse, sondern das Beste daraus machen.

Veränderung zeigt bestehende Unterschiede auf

Matthias Angelstorf aus Berlin sieht nur selten, dass eine Veränderung im Leben einer der Partner wirklich die Ursache für eine Krise ist. „Was häufiger passiert, ist, dass Unterschiede, die schon immer da waren, plötzlich in den Vordergrund treten“, sagt er. „Diese Unterschiede wurden nur am Anfang ignoriert – oder sie waren aus anderen Gründen nicht so relevant.“

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