Stress bekämpfen:

Ruhe finden bei „zeitlos“

Erfolgreich im Job und doch nicht zufrieden – so ging es Marion Heineking, bevor sie einen beruflichen Neuanfang wagte. Seit September 2012 bietet sie Gesundheits- und Präventionskurse für Privatpersonen und Unternehmen an.

Marion Heineking
Ute Ziemann Marion Heineking hat sich mit ihrem zeitlos-Studio selbstständig gemacht.

„Wenn mir vor zwei Jahren jemand gesagt hätte, dass ich mich einmal selbstständig machen würde, hätte ich wohl darüber gelacht“, gibt Marion Heineking ehrlich zu. Zwar habe sie über berufliche Veränderungen nachgedacht, aber nicht über Selbstständigkeit.
Die gelernte Erzieherin leitete viele Jahre Kindereinrichtungen, war erfolgreich und hatte einen sicheren Job. Aber irgendwie fühlte sich die 46-Jährige wie in einem Hamsterrad gefangen, die Freude an der Arbeit ging verloren. „Ich wusste um die Dinge, die nicht richtig liefen, konnte sie aber nicht ändern. Ich fühlte mich am falschen Platz, ohne meinen Weg wirklich zu sehen“, gesteht die Wokuhlerin rückblickend. Aus heutiger Sicht weiß sie, dass dieser Weg mit einem Fernstudium zur Diplomsozialpädagogin begann und die Ausbildung zur Entspannungstherapeutin das „i-Tüpfelchen“ darauf war. Mit beiden Abschlüssen in der Tasche beschloss sie ihren Job zu kündigen.

„Meine Idee, im Angestelltenverhältnis als Fachberaterin für betriebliche Prävention verbunden mit pädagogischer Beratung zu arbeiten, ging aber nicht auf. Es gab einfach keine passende Stelle auf dem Arbeitsmarkt“, erzählt sie. In vielen Vorstellungsgesprächen wurde ihr gesagt, dass sie das doch freiberuflich anbieten solle und auch ihre Beraterin bei der Arbeitsagentur ermunterte sie dazu.

Fit gemacht für die Aufgabe Unternehmensgründung hat sich Marion Heineking mit Hilfe einer Unternehmensberaterin und in einem Existenzgründerseminar in der Halle 10 in Neubrandenburg. Dort erhielt sie nicht nur „eine Menge Gründungswissen“, sondern auch die nötige Unterstützung und Motivation. Mit den neuen Erkenntnissen entwickelte sie ihre Geschäftsidee weiter.
Die Diplomsozialpädagogin und Entspannungstherapeutin will mit ihrer Arbeit den stressbedingten Erkrankungen, die immer mehr zunehmen, entgegenwirken. „Ich möchte keine Kranken betreuen. Das kann ich nicht, denn ich bin kein Mediziner. Mein Metier ist die Prävention“, betont die Therapeutin. Wer zu ihr kommt, soll Ruhe finden, den Druck von sich fallen lassen und vergessen, dass es eine Uhr gibt. Auch deshalb habe sie ihre Firma „zeitlos“ genannt. Ihre Angebote richten sich an Menschen, die „glücklich ihren Alltag leben wollen und gesund und glücklich alt werden möchten“. Im Kurs Stress- und Zeitmanagement beispielsweise lernen die Teilnehmer, wie sie wieder entspannter und effektiver arbeiten können.

Mehr männliche Interessenten gewünscht

Der Start in die Selbstständigkeit vor fünf Monaten war für sie aufregend und spannend, aber auch mit viel Bürokratie verbunden – und oft nicht ganz einfach. Denn bevor die ersten Klienten in die Neustrelitzer Augustastraße 4 kamen, war Klinkenputzen angesagt. Gezielt warb und wirbt die Existenzgründerin in Unternehmen für ihre Angebote zum mentalen Gesundheitstraining. „Habe ich meine Flyer auf dem Postweg verschickt, bekam ich nur wenig Resonanz. Besser ist es mit den Leuten selbst zu sprechen“, hat Marion Heineking feststellen müssen. Aber auch dann gibt es noch genug Vorbehalte, die sie aus dem Weg räumen muss.

Zwar wissen die meisten Unternehmer, dass das Wohlbefinden ihrer Mitarbeiter Auswirkungen auf die berufliche Leistungsfähigkeit hat, aber oft werden Zeit- oder Geldprobleme oder die Aussage „Ich kann meine Mitarbeiter ja nicht zwingen“ vorgeschoben. Das will Marion Heineking auch gar nicht, denn Grundvoraussetzung für eine positive Kursteilnahme ist das Prinzip der Freiwilligkeit, da ein wichtiger Aspekt des Trainings die Selbstanalyse eigener Verhaltensmuster ist. „Nur wenn man Probleme erkennt, kann man daran arbeiten und sie ändern“, weiß die Therapeutin. Damit die Kursteilnehmer entspannt dabei mitarbeiten, trainiert sie nur in kleinen Gruppen von sechs bis maximal zehn Personen. Alle Kurse sind übrigens von den Krankenkassen anerkannt und die Kosten werden bis zu 90 Prozent von ihnen übernommen.

Ins zeitlos-Studio kamen bis jetzt Menschen zwischen 23 und 70 Jahre, allerdings fast nur Frauen. Für die Zukunft wünscht sich Marion Heineking, dass noch mehr Männer den Weg zu ihr finden und dass sie noch mehr Unternehmen von ihrer Arbeit überzeugen kann. Noch schreibe sie keine schwarzen Zahlen, was sich aber bald ändern muss, wenn der Gründerzuschuss wegfällt. Künftigen Gründern möchte sie den Rat geben, vorher alles mit dem Partner zu besprechen, denn ohne die Unterstützung der Familie gehe es nicht. „Mein Mann und meine Familie hatte ich vom ersten Gedanken an die Selbstständigkeit hinter mir. Ohne diese Kraftquelle wäre ich nicht da wo ich heute stehe. Frei und selbstständig.“

www.zeitlos-entspannt.de

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