Nase auf beim Spielzeugkauf:

Schadstoffe können Spaß im Kinderzimmer stören

Eltern können im Laden kaum erkennen, wie viel Chemie in einem Spielzeug steckt. Die Hersteller müssen die Inhaltsstoffe nicht ausweisen. Dennoch gibt es Alarmsignale. Und so können Sie sie erkennen.

Kontrolleure haben schon mehrfach giftige Substanzen in Kinderspielzeug gefunden.
Stephanie Pilick Kontrolleure haben schon mehrfach giftige Substanzen in Kinderspielzeug gefunden.

Produkte, die sehr stark riechen, sollten Eltern lieber im Laden lassen. Ein auffälliger Geruch kann ein Hinweis auf gefährliche Inhaltsstoffe wie Weichmacher oder Nickel sein. Auch ein angenehmer Duft ist kein Qualitätsmerkmal, denn die Hersteller versuchen möglicherweise mit sehr starken Fruchtdüften den schlechten künstlichen Geruch zu übertünchen, erklärt Thomas Oberst vom Tüv Süd.

Eltern können außerdem mit einem feuchten Taschentuch über das Spielzeug reiben. Löst sich Farbe ab, sollten sie auf jeden Fall die Finger davon lassen, rät der Experte. Absolute Sicherheit können der Riech- und Rubbeltest allerdings nicht geben. Auch ein Produkt, von dem sich der Lack nicht löst, kann gefährliche Inhaltsstoffe enthalten. Und: Jeder Verbraucher empfindet Gerüche anders und Düfte verfliegen, wenn das unverpackte Spielzeug schon länger im Regal steht.Ein Blick auf die Verpackung ist in der Regel auch nicht besonders aufschlussreich, denn die Hersteller müssen die Inhaltsstoffe nicht extra auflisten. Dem Gesetzgeber reicht die sogenannte CE-Kennzeichnung, mit der Hersteller oder Händler garantieren, dass sie sich an die Richtlinien der europäischen Union halten.

Bei der CE-Kennzeichnung handle es sich aber um eine reine Selbstauskunft, warnt Oberst. Er empfiehlt deshalb, auf Qualitätssiegel unabhängiger Organisationen wie das GS-Zeichen für „Geprüfte Sicherheit“ zu achten.

Gift im Spielzeug

August 2013: Im Auftrag der Grünen überprüft ein Labor Spielzeug, das Comic-Heften beigelegt wird. Dabei werden unter anderem Rückstände von Blei, Cadmium und anderen gefährlichen Substanzen festgestellt. Bei einem Kunststoff-Einhorn wird der EU-Grenzwert für Weichmacher von 0,1 Prozent um mehr als das 80-fache überschritten. Weichmacher sind in Kunststoffen wie PVC enthalten und können Leber und Nieren beeinträchtigen.

Dezember 2011: Die nordrhein-westfälischen Ministerien für Gesundheit und Verbraucherschutz lassen mehr als 500 Spielzeuge untersuchen und sehen 16 der Proben als gefährlich für die Gesundheit von Kindern an. So enthielten etwa Puzzlematten Spuren des Stoffes Formaldehyd, der Krebs erregen kann.

Oktober 2010: Stiftung Warentest findet bei 42 von 50 getesteten Spielsachen für Kleinkinder unter drei Jahren gefährliche Schadstoffe. Puppen, Plüschtiere oder Holzspielzeug enthielten zum Teil extrem hohe Werte an Weichmachern, Formaldehyd und Schwermetallen.

Februar 2008: Der Hersteller Simm Marketing mit Sitz im fränkischen Roth ruft mit Schwermetallen belastete Kunststoff-Seepferdchen zurück. Blei und Chrom in der Lackierung könnten schwerwiegende Gesundheitsschäden verursachen.

November 2007: In den USA werden «Aqua Dots» zurückgerufen. Die Kunststoffkugeln aus China, aus denen Kinder Figuren formen können, enthalten giftige Chemikalien. Kinder könnten nach dem Verschlucken das Bewusstsein verlieren. Die Kugeln waren in Deutschland in "Bindeez"-Bastelsets enthalten, die ebenfalls zurückgerufen werden.