Engagierte Mitarbeiter:

Teamgeist treibt die Entwicklung voran

Ein junges Unternehmen aus Neubrandenburg entwickelt hocheffiziente Stromgeneratoren, mit denen es auf dem Weltmarkt durchstarten will. Anstelle von Benzin oder Diesel wird Bio-Ethanol verwendet.

Dr. Matthias Boltze
Ute Ziemann Dr. Matthias Boltze ist stolz, dass der Brennstoffgenerator bald in Serie produziert werden kann.

Matthias Boltze blickt stolz auf das Brennstoffzellensystem und zuversichtlich in die Zukunft. Er sei ein Optimist, sonst hätte er sich auf das Abenteuer Selbstständigkeit wohl gar nicht eingelassen. Es sei auch nie sein Ziel gewesen, gesteht der promovierte Maschinenbauingenieur. Doch als vor drei Jahren der Entwicklungsbereich für Brennstoffzellen bei der Webasto AG – dessen Leiter er war – eingestellt wurde, stand er vor der Entscheidung: „Verlasse ich Neubrandenburg oder gehe ich in die Selbstständigkeit und führe das fort, wofür ich mich acht Jahre lang aktiv eingesetzt habe und was mir am Herzen liegt.“ Er entschied sich fürs Bleiben.
Mit der Problematik Brennstoffzellen ist Matthias Boltze zum ersten Mal im Jahr 1996 in Berührung gekommen. „Das war kurz nach meiner Promotion in einem Zwickauer Unternehmen“, erinnert sich der 49-Jährige. In der sächsischen Stadt hatte der gebürtige Hallenser einst studiert und eine Familie gegründet. Als er 2002 von Webasto die Stelle des Bereichsleiters angeboten bekam, musste er nicht lange überlegen: „Es ist interessant und eine große Herausforderung eine Sache von der Entwicklung über die Erprobung bis hin zur Produktion begleiten zu dürfen“, so seine Gedanken. Ein Jahr pendelte der zweifache Familienvater zwischen Zwickau und der Stadt der vier Tore hin und her. Dann zog die Familie nach. In einem kleinen Dorf vor den Toren Neubrandenburgs fand sie ein schönes Zuhause. Sicher auch ein Beweggrund nicht wegzuziehen.

Nach kurzer Vorbereitungsphase startete er im Oktober 2010 mit fünf ehemaligen Kollegen in die Selbstständigkeit. New Enerday GmbH nennt er seine Firma, mit der er hocheffiziente Stromgeneratoren in Form von Hochtemperatur-Brennstoffzellen auf den Weg bringen will. Dabei kann er auf das Know-how der achtjährigen Entwicklungstätigkeit bei Webasto zurückgreifen. Das Unternehmen habe ihn bei der Ausgliederung sehr unterstützt, ist der Existenzgründer noch heute dankbar. „Trotzdem war es ein Sprung ins kalte Wasser“, gibt er ehrlich zu.

Als Bereichsleiter hatte er sich nur um fachliche Aufgaben kümmern müssen. Jetzt war er für alles verantwortlich: vom Einkauf über den Geldverkehr bis hin zu Personalfragen. Die Buchhaltung übergab er einer Steuerkanzlei. Diesen Tipp möchte er auch künftigen Gründern mit auf den Weg geben.
 

Entscheidungen schnell getroffen und umgesetzt
 

Als größtes Risiko bezeichnet der Geschäftsführer den Aufbau einer soliden Finanzierung für sein Unternehmen. Schließlich habe er gewusst, dass bis zur Produktion noch mindestens zwei Jahre ins Land ziehen würden. Eine Zeit, in der nur Geld ausgegeben, aber nichts eingenommen werde. Und so machte er sich auf die Suche nach Finanzquellen. Mit seinem innovativen Vorhaben konnte er nicht nur private Investoren überzeugen, sondern auch das Wirtschaftsministerium des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Im Januar 2011 erhielten die New Enerday GmbH Neubrandenburg und ihre Partner – das Leibniz-Institut für Katalyse Rostock und die Fachhochschule Stralsund – aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und dem Europäischen Sozialfonds (ESF) Fördermittel in Höhe von einer Million Euro. So konnte die Entwicklung zügig voranschreiten.

Im vergangenen Jahr gewann das junge Unternehmen im deutschlandweiten Wettbewerb „Innovationspreis Brennstoffzelle 2012“ in der Kategorie Start-up den mit 8000 Euro dotierten 1. Platz. Das Geld soll für einen Betriebsausflug genutzt werden, verrät Matthias Boltze. Der Firmenchef ist froh über das Engagement und den Teamgeist seiner Mitarbeiter. Schließlich weiß er, dass nur durch den Einsatz jedes Einzelnen das Unternehmen sein Ziel erreichen kann.

Als großen Vorteil seiner kleinen Firma sieht er, dass Entscheidungen schnell getroffen und umgesetzt werden können. So sei es beispielsweise gelungen, Größe und Gewicht des Gerätes zu verringern. In diesem Jahr sollen nicht nur die ersten 100 Generatoren gebaut werden, auch der Aufbau der Fertigungsstrecke beginnt.

Inzwischen ist das Unternehmen auf 10 Mitarbeiter gewachsen. Wenn die Serienproduktion im Jahr 2014 anläuft, rechnet Matthias Boltze mit 20 bis 25 Beschäftigten. Dann werden wohl die Räumlichkeiten in der Lindenstraße 45 an ihre Grenzen stoßen und ein neuer Standort notwendig. Doch das ist jetzt noch kein Thema. Viel wichtiger sei im Augenblick, ein Vertriebsnetz aufzubauen. Aber auch dabei ist der Firmenchef optimistisch, denn der Bedarf an den umweltschonenden und sehr leisen Stromerzeugern ist weltweit vorhanden.Einsatzmöglichkeiten sieht er in Sportbooten, Segeljachten, Wohnmobilen und Ferienhäusern.Außerdem gibt es nur wenige Firmen, die auf diesem Gebiet forschen. Deshalb steht für den Unternehmer auch schon heute fest: „Wir werden immer ein Entwicklungsteam bleiben.“

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