Angelserie:

Teil 4: Angel-Land Nummer Eins

Mit seinen natürlichen Bedingungen hat Mecklenburg-Vorpommern geradezu ein Luxusproblem. Der Präsident des Landesanglerverbandes (LAV), Karl-Heinz Brillowski gibt Auskunft.

Angler
Ingo Wagner

Mecklenburg-Vorpommern gilt als Angelland Nr.1 im bundesweiten Maßstab. „Ein wahres Eldorado“, schwärmt nicht zuletzt auch der Präsident des Landesanglerverbandes (LAV), Karl-Heinz Brillowski und räumt geradezu ein Luxusproblem bezüglich der natürlichen Bedingungen für einheimische und auswärtige Petrijünger ein. Und wahrlich fällt die Wahl schwer, sich bei über 2000 Seen aller Größenordnungen, 25 000 Kilometern reizvoller Flachlandflüsse wie Warnow, Recknitz, Tollense oder Peene sowie ungezählten Teichen, Söllen, Torfstichen, Kanälen und kleinen Fließen für ein Gewässer zu entscheiden.

Mehr als ein halbes Hundert Fischarten von A wie Aal bis Z wie Zander tummeln sich in den Gewässern des Landes. Darunter kapitale Hechte, gewaltige Dorsche und dicke Karpfen. Kein Wunder also, dass dort das Relaxen mit Rute und Rolle boomt.
Tradition hatte das Angeln schon seit Urzeiten in Mecklenburg-Vorpommern. Die heutigen Rahmenbedingungen werden von dem mit der Wende 1990 einhergehenden Veränderungen sowie der Gründung des LAV im Jahre 1991 geprägt.

Angeln noch bezahlbar

„Der Verband entsprach durch die Vergabe einer Jahresangelberechtigung für alle unter seinem Einfluss stehenden Gewässern mit einer Gesamtfläche von ca. 25 000 Hektar den wesentlichen Erwartungen seiner Mitglieder nach Angeln zu sozial verträglichen Konditionen“, betont Brillowski, der als LAV-Gründungsmitglied von Anfang an dabei ist.

Die den Mitgliedern mit Jahresangelberechtigung zur Verfügung stehende Angelfläche setzt sich gegenwärtig zusammen aus 625 Standgewässern und 120 Fließgewässerabschnitten mit insgesamt rund 7 500 Hektar in Form von Pacht- bzw. Eigentumsgewässern sowie ca. 18000 Hektar Gewässern der Berufsfischerei, die entsprechend vertraglicher Regelungen ebenfalls zum Preis von lediglich 45 Euro beangelt werden dürfen.

Mit 42 073 Mitgliedern zum Ende des Vorjahrs zählt der LAV zu den zahlenmäßig stärksten Verbänden im Lande, wie Brillowski feststellt. Er geht dabei davon aus, dass dieser Quote eine ähnlich hohe Zahl nicht organisierter Angler gegenübersteht, wie es auch im Bundesmaßstab der Fall ist. Einen relativ genauen Anhaltspunkt liefert nach seinen Worten die 2011 landesweit verkauften 87636 Fischereiabgabemarken.

Brauchen Angler die Frauenquote?

Mit einiger Sorge betrachtet der LAV-Präsident den Mitgliederschwund in den letzten Jahren, der aber erstmals im Vorjahr gestoppt werden konnte. Das sei 2011 auf einen überdurchschnittlichen Zugang beim Nachwuchs zurückzuführen. Ob diese Entwicklung andauert ist ungewiss, wie Brillowski einräumt. Der Anteil von Kindern und Jugendlichen bis zum 18. Lebensjahr sei mit knapp fünf Prozent ohnehin viel zu gering.

Bezüglich des Frauenanteils unter den Mitgliedern liegen dem Verband keine gesicherten Zahlen vor, da in den Mitgliederstatistiken der Faktor „sex“ nicht erfasst wird. Der rein subjektive Eindruck lässt jedoch ebenfalls einen sehr niedrigen Anteil an Mädchen und Frauen vermuten, wie Brillowski meint. Mit zwei Frauen im zehnköpfigen LAV-Präsidium und vielen Schatzmeisterinnen und Vorstandsfunktionärinnen in den mehr als 600 Vereinen im Land nehmen weibliche Mitglieder aber offensichtlich überproportional Verantwortung wahr.

Viele entscheiden sich für oder gegen Verein wegen des Geldes

Der vom LAV-Präsidenten beklagte Mitgliederrückgang der letzten Jahre ist nicht allein in der demografischen Entwicklung mit sinkenden Bevölkerungszahlen im Lande zu begründen. „So müssen wir leider auch zur Kenntnis nehmen, dass nicht wenige Angler ihre Entscheidung über eine Mitgliedschaft ausschließlich von ihrem finanziellen Aufwand für den Zugang zu ihrem ganz speziellen Angelgewässer abhängig machen“, bedauert er.

Atmosphäre und Geborgenheit eines Vereins oder die Unterstützung einer starken Interessenvertretung der Angler gegenüber der Landes-, Bundes- und Europapolitik spiele bei den Betreffenden eher eine nachrangige Rolle. In den ländlichen Regionen werde Vereinsarbeit und -zugehörigkeit traditionell ein höherer Stellenwert als im städtischen Umfeld beigemessen.

Touristenfischerei hat sich fest etabliert

Obgleich der in Mecklenburg-Vorpommern kreierte zeitlich befristete Fischereischein, umgangssprachlich auch als Touristenfischereischein bezeichnet, sich im Laufe der Zeit mit 17 127 verkauften Exemplaren im Jahr 2011 fest etabliert hat und mit wachsender Resonanz dieses Angebots an Urlauber im Angelland Mecklenburg-Vorpommern unterstreicht, hat der LAV doch noch seine Befindlichkeiten hinsichtlich dieses Scheins noch nicht abgelegt.

„Inhabern des befristeten Fischereischeins fehlt nun einmal die Sachkunde, die mit den Lehrgängen für den ordentlichen Fischereischein erworben werden“, gibt Brillowski zu bedenken. Insbesondere der Umgang mit der Kreatur Fisch und das Verhalten am Gewässer, könne mittels eines Begleitheftes zum autodidaktischen Wissenerwerb kaum tiefgründig genug erlernt werden.

Unglücklich mit befristetem Fischereischein

„Wir haben als LAV die Einführung des befristeten Fischereischeins mit Blick auf Interessen des Landes, insbesondere der Fischerei, akzeptiert, sind jedoch nicht glücklich damit“, erklärt der Präsident. Zum Glück sei mit dem Touristenfischereischein die befürchtete steigende Zahl von Verstößen gegen das Fischereigesetz und seine Verordnungen, nicht eingetreten, wie die Fischereiaufsicht einschätzt.

„Ebenso wenig ist bisher jedoch auch der von der Landespolitik prophezeite Zulauf neuer Mitglieder für den LAV als Folge des „Schnupperangelns“ mit dem befristeten Fischereischein zu verzeichnen“, hält Brillowski dagegen.