Babyserie:

Teil 4: Willkommen im Leben - die Geburt

Im Idealfall neun Monate genießt das Baby im Bauch seiner Mutter Geborgenheit und Wärme. Dann wird es Zeit, sich auf den Weg ins Leben zu machen. Die Geburt ist ein schmerzvolles, aber unvergessliches Erlebnis – und verläuft bei jeder Frau anders. Ein Erfahrungsbericht.

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Sonnabend, 5.45 Uhr Autsch! Ein Ziehen im Bauch reißt mich unsanft aus dem Schlaf. Oder habe ich nur geträumt? Mama an Baby, Mama an Baby: Willst du raus? Zeit würde es ja, wir sind schon neun Tage über dem Termin.

Gegen 6.40 Uhr Es zieht immer wieder kurz, aber heftig. Wehen? Falscher Alarm? Aufgeregt verlasse ich das Bett und lasse mir erstmal ein Bad ein. Das soll angeblich helfen, herauszufinden, ob es sich um echte oder „Übungswehen“ handelt: Werden sie im warmen Wasser stärker, sollen es echte sein. Gehen sie wieder weg, übe der Körper nur, habe ich mal gelesen.

7.15 Uhr Die Schmerzen sind stärker geworden.

8 Uhr Mein Blick klebt förmlich an der Uhr. Zwischen den Wehen liegen  8 Minuten und 20 Sekunden. Müssen wir schon los? Wo sind all die Ratschläge aus dem Geburtsvorbereitungskurs hin? Ich krame in meinen Gedankenschubladen, doch finde nichts.

8.30 Uhr Unser letztes gemeinsames Frühstück zu zweit. Ob dafür auch in Zukunft noch Zeit bleibt?

9.40 Uhr Die große Tür zur Entbindungsstation öffnet sich. Unsere Nervosität steigt. Wann werden wir unser Würmlein endlich im Arm halten? Das kann durchaus noch dauern, dämpft die Hebamme unsere euphorischen Erwartungen. Sie misst die Wehen, horcht nach den Herztönen, fühlt den Muttermund. Er ist einen Zentimeter geöffnet. Und sie überrascht uns mit der Nachricht, dass meine Fruchtblase ja bereits geplatzt sei.  Wieso habe ich davon nichts gemerkt? Im Film ergießt sich das Fruchtwasser doch immer – und vorzugsweise in der Umkleidekabine beim Einkaufen – in einem Schwall  auf dem Boden. Wenn der Kopf des Babys fest im Becken liegt, könne nur wenig Fruchtwasser  entrinnen. Aha. Die Hebamme schickt uns erstmal spazieren. Das soll die Wehen verstärken.

12.15 Uhr Wir laufen, laufen und laufen. Den Klinikpark haben wir schon fünfmal durchschritten. Jetzt nehmen wir Kurs auf das Fast-Food-Restaurant gegenüber. Man weiß ja nie, wann es wieder etwas gibt.

14 Uhr Wie weh tun Wehen? Sehr weh! In einem Ratgeber habe ich mal gelesen, man könne sich das wie Regelschmerzen vorstellen – nur heftiger.  Das ist leicht untertrieben. Das sind gerade Regelschmerzen hoch zehn. Ach was, hoch 100. Mindestens!

15 Uhr Die Wehen kommen und gehen. Gefühlt alle zwei Minuten, tatsächlich sind die Abstände größer.  So oder so, der Muttermund zeigt sich davon unbeeindruckt. Er rückt keinen Millimeter von seinem einen geöffneten Zentimeter ab. Also gehen wir wieder spazieren.

15.30 Uhr Eine Hebamme kommt ins Behandlungszimmer, in der Hand hält sie einen dünnen Schlauch und eine Art Messbecher. Jetzt kommt ein Moment, vor dem ich vorher große Angst hatte: der Einlauf. Ich muss ihn nicht machen, wenn ich nicht möchte. Aber sie empfiehlt es mir. Das kann die Wehen verstärken. Frauen, die sich dagegen entscheiden, könne die Angst vor dem Stuhlgang während der Geburt vom Pressen abhalten und die Geburt unnötig erschweren, habe ich einmal gelesen.

16.15 Uhr Der Einlauf war gar nicht schlimm!

18.30 Uhr Die Schmerzen werden immer stärker. Den Muttermund interessiert das noch immer nicht. Er hat sich nur noch einen weiteren Zentimeter bewegt. Meine Kräfte schwinden. Ich bin müde. Können wir nicht morgen weitermachen? Nix da, die Fruchtblase ist geplatzt, keiner weiß genau wann, sagt die Hebamme. Jetzt dürfe die Geburt nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen.
Die Hebamme empfiehlt mir eine PDA, das ist die Abkürzung von Periduralanästhesie und eine lokale Betäubung. Schlagartig bin ich wach. Meine Angst davor stand noch deutlich vor der des Einlaufs. Die Hebamme macht mir Mut. Sie meint, ich brauche auch noch Kraft für die Geburt und die Betäubung lasse mich etwas entspannen.

19.45 Uhr Ich komme mir vor wie im OP. Mehrere Männer und Frauen in grünen Kitteln und mit Mundschutz schieben schwere Geräte in mein Zimmer. Mir wird angst und bange. Mein Mann beruhigt mich: „Ich hatte das auch schon, das tut nicht weh.“ Was soll er jetzt auch anderes sagen, denke ich.  Als  die Anästhesistin das Betäubungsmittel in den unteren Lendenwirbelbereich spritzt, warte ich auf den Schmerz. Doch  nicht einmal der Einstich ist zu spüren. Dafür werden mein Unterleib und die Oberschenkel langsam warm und kribbelig. Kurz darauf  sind sie taub. Parallel zur PDA gibt mir die Hebamme ein Mittel, das die Wehen verstärkt.

21.30 Uhr Der Wehenverstärker wirkt. Der Muttermund gibt immer mehr nach. Die Schmerzen der Wehen spüre ich nicht. Ich wäre jetzt gern im Film.  Dort gehen immer die Wehen los – und schwupps ist das Kind da.

22 Uhr Ich habe Hunger!!! Könnte eine ganze Pizza verdrücken. Oder wie wäre es mit einem Teller Nudeln? Einem Burger? Der Pizzadienst liefert doch bestimmt auch bis zum Kreißsaal?!
Es gibt einen Zwieback! Zu Sicherheit. Sollte während der Geburt doch noch ein Kaiserschnitt nötig werden, könnte ein voller Magen zu Problemen führen.

22.45 Uhr Der Muttermund ist vollständig geöffnet. Die Hebamme hat bereits dafür gesorgt, dass die Wirkung der PDA immer mehr nachlässt. Schließlich  müsse ich ja nachher mitpressen, sagt sie.

0.20 Uhr Der Zwerg  rutscht immer tiefer ins Becken. Spatz, bist du sicher, dass du den richtigen Ausgang findest? Es fühlt sich nämlich gerade nicht so an!

1.05 Uhr „Pressen, pressen, pressen!“, weist die Hebamme an. Ich presse doch!!!!!!!! Offenbar nicht genug. Die PDA wirkt noch nach. Mein Mann schiebt meinen Kopf Richtung Füße.  Sieht ein bisschen aus wie bei Sit-ups. Die Ärztin hängt auf meinem Bauch und schiebt den Zwerg Richtung Ausgang. Am Bettende drückt die Hebamme mein angewinkeltes Bein fast bis zum Kopf. Super, wenn alle anderen die Arbeit machen, kann ich ja nach Hause gehen!

1.15 Uhr Ich habe keine Kraft mehr! Und auch keine Lust! Die Hebamme motiviert mich: „Fühlen Sie mal, der Kopf ist fast da!“ Okay, Endspurt! Ich nehme all meine Kraft zusammen und presse. Alle anderen drücken und schieben.

1.31 Uhr Der erste Schrei! Ein unbeschreibliches Gefühl! So schön klingt nächtliches Babygeschrei vermutlich nie wieder.

2.30 Uhr Unser Zwerg ist gewaschen, vermessen, gewogen und schlummert nun selig auf meiner Brust. Ich bin hundemüde, aber zum Schlafen viel zu aufgekratzt. Jetzt bin ich Mama! Fühlt sich gut an! Und wie stolz Papa erst ist! Wir können uns gar nicht sattsehen an unserem Kleinen.
Und es ist tatsächlich so, wie mir andere Mütter vorher gesagt haben: „Wenn du das Würmlein erstmal im Arm hältst, sind alle Schmerzen und Anstrengungen vergessen!“

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