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Teil 7: Mit dem Netz die Meere erobert

Er ist die Sensation im Fischfang: Schon die Steinzeitmenschen warfen ihre den Angelhaken aus. Er war aus Holz, Horn oder Knochen gefertigt. Auch mit anderen Fangmethoden holten unsere Vorfahren die Fische aus dem Wasser.

Fischer
Peter Gerds

Fisch ist das einzige tierische Nahrungsmittel, das die Menschen seit frühesten Zeiten nutzten. In den Schmelzwässern der letzten Eiszeit gefundene Fischereiutensilien deuten auf eine lange Vertrautheit unserer Vorfahren mit Fischfang und -verbrauch hin. Damit verbunden war die Erfindung neuer Fischereigeräte. Es entstanden Steindämme und Zäune, die bei zurückflutendem Wasser den Fisch aufhielten. Auch Pfeil und Bogen sowie Astgabeln, später Speere, nutzte man frühzeitig an Flüssen und am Strand. Bei Niedrigwasser oder in Lagunen fanden sich zudem Krabben, Kleinstfische und Muscheln, die rasch von Sammlern aufgenommen wurden.

Wann die Sensation im Fischfang – der Angelhaken – entwickelt wurde, lässt sich heute nicht mehr genau feststellen. Sicher aber ist, dass er in der Steinzeit bekannt war und aus Holz, Horn oder Knochen gefertigt wurde. Der Haken mit Widerhaken hatte gegenüber dem einfachen Speer den Vorteil, dass der Fisch sich nicht wieder von ihm befreien konnte. Bereits in der Bronzezeit erhielt der Haken annähernd seine noch heute gültige Form. Die Angelschnur mit Haken wurde ursprünglich frei mit den Händen gehalten. Eine andere bahnbrechende Erfindung war der aus flechtbarem Material hergestellte Reusenkorb.

Kormorane für die Fischjagd abgerichtet

Das Netz als weiteres wichtiges Gerät trat seinen Weg wohl vom Land zum Wasser an. Bei Kämpfen und beim Vogelfang bestens bewährt, eroberte es schnell die Meere. Netzfunde aus dem Satrupholmer Moor bei Schleswig stammen aus der Zeit um 4000 v.Chr. Die Netze wurden geknüpft aus Pflanzenfasern, Wurzeln, Rinden, Tierhaaren, aber auch aus Sehnen und Därmen.

Es gab sogar eine sonderbare Fangmethode, wie sie 1882 auf der Fischereiausstellung in Berlin dargestellt wurde. Die Methode wurde in China entwickelt und bediente sich abgerichteter Kormorane. Der Fischer brauchte nur zu pfeifen, und die Kormorane kamen mit ihrer Beute an Land. Damit sie selbst den Fisch nicht fressen konnten, wurde ihnen ein Ring aus Hanf um den Hals zur Verengung desselben gelegt.

Fischerei war Haupteinnahmequelle

Für Rostock und Warnemünde waren der Fischfang in Fluss und Meer seit Jahrhunderten eine der Haupteinnahmequellen. Vor allem die Heringsfischerei wurde schon um 1280 erwähnt, und durch Privilegien Dänemarks war sie vor der Insel Schonen lukrativ für die Hanseaten. Im 19. Jahrhundert war die ständig wachsende Küstenfischerei – in der Nachfolge der Fischerei mit Stellnetzen, Reusen und Angeln –  an der Küste von Mecklenburg und Vorpommern nur möglich, in dem sich mehrere Fischer wie etwa auf Rügen zusammenschlossen, zu Reusen- oder Garnkommunen. Denn das Aussetzen und Heben der schweren Setz- und Treibnetze war für den einzelnen Fischer nicht mehr zu bewerkstelligen. Für die Schleppnetzfischerei, die um 1870 in Warnemünde begann, waren jeweils zwei Jollen notwendig. An den Flachküsten wie in Arendsee, Brunshaupten und Fulgen (ab 1938 vereint zu Kühlungsborn) bildete sich die Strandfischerei heraus.

Im 19. Jahrhundert schon Baumwollnetze im Einsatz

Die Netzfäden wurden in Warnemünde um 1850 noch selbst von den Fischern und ihren Frauen im Winter aus Hanf sorgfältig gesponnen und dann zu Netzen verknüpft. Bis 1880 etwa benutzte man zum Fischfang Segelschiffe wie Kutter, Ewer, Huker oder Schaluppe, und man fischte zu dieser Zeit bereits mit den maschinell hergestellten Baumwollnetzen. Wie bedeutend die Fischerei im Berufsleben noch um 1930 im Oberfischmeisterbezirk Stralsund war, machen folgende Zahlen deutlich: 1930 Fischer und Gehilfen fuhren mit 1449 Booten zum Fang hinaus.

Von der beruflichen Fischerei bis zum Angeln für jedermann, vor allem ärmere Familien, war der Weg dann nicht mehr weit.