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Theologen sind gefragt

Mit ihrer Allgemeinbildung und sozialen Kompetenz sind Theologen heute in vielen Berufen gefragt, sogar in Unternehmensberatungen.

Theologe

 In die Kirche gehen, gemeinsam beten oder die Bibel lesen: Von klein auf wird Jonas Kämmerling mit dem Glauben an Gott vertraut gemacht. Er ist Messdiener und später Pfadfinder. Jahrelang hört er die Glaubenssätze wie die von der Dreifaltigkeit Gottes. Irgendwann kommt er ins Grübeln: „Ich habe mich damals gefragt: Kann man vernünftig sein und glauben, dass es einen dreifaltigen Gott gibt?“ Die Mehrheit seiner Messdiener-Kollegen kehrt der Kirche als Teenager den Rücken. Kämmerling bleibt. Um seinen Zweifeln auf den Grund zu gehen, fängt er nach dem Abitur ein Theologiestudium an. Mittlerweile ist er im fünften Fachsemester.
Kämmerling ist einer von rund 22 000 Hochschülern in Deutschland, die Katholische Theologie studieren. Die meisten studieren auf Lehramt. Deutlich weniger sind für Theologie als Vollstudium eingeschrieben. Die ersten Semester sind kein Zuckerschlecken: Hebräisch, Altgriechisch und Latein gehören zum Pflichtprogramm. Außerdem stehen Fächer wie Bibelkunde, Kirchenrecht und Philosophie auf dem Stundenplan. Schafft Kämmerling die Regelstudienzeit, ist er nach zehn Semestern fertig. In der Hand hat er dann einen Magister. Dieser würde ihn zu einer Tätigkeit als Priester oder Pastoralreferent qualifizieren. Doch Kämmerling will nicht. „Ich würde gerne in die Politikberatung gehen und als Referent für religiöse Fragen für Stiftungen oder Parteien arbeiten“, sagt er. Eine Anstellung in der Kirche kann er sich nicht vorstellen. Er ist sich nicht sicher, ob er den erwarteten, korrekten Lebenswandel erfüllt. Außerdem stört ihn das Ungleichgewicht zwischen Priestern und Pastoralreferenten. Denn Priester seien immer Vorgesetzte.

So wie Kämmerling geht es vielen Absolventen. Nur eine Minderheit schlägt den Weg zum Priester ein. 2011 gab es im Priesterseminar nur 912 Kandidaten. Was also macht der Rest mit einem abgeschlossenen Studium? „Absolventen sind etwa im Journalismus gefragt“, sagt Patrick Becker, der ein Buch zum Thema Berufsaussichten für Theologen geschrieben hat. „Viele kommen im Bildungsbereich unter“, so Becker. Aber auch im Bereich soziale Arbeit, im Verlagswesen oder in der Öffentlichkeitsarbeit. Sogar in Unternehmen und Unternehmensberatungen seien sie gerne gesehen: „Theologen sind psychologisch geschult. Ihnen wird eine große Sozialkompetenz nachgesagt.“ In Personalabteilungen sind sie daher gesucht.
In der evangelischen Theologie bleiben dagegen viele Absolventen in der Kirche. „Bei den Fakultäten sind derzeit rund 6500 Studenten für Lehramt eingeschrieben“, sagt Joachim Ochel von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Dazu kommen rund 5500 Studenten, die ausschließlich evangelische Theologie machen. Von ihnen denke fast die Hälfte ans Pfarramt, denn sie haben sich auf den Listen der Landeskirchen als Interessenten eingetragen. Wer in den Pfarrdienst will, kann sich über ausgezeichnete Berufsperspektiven freuen. „Denn die evangelische Kirche hat ein Demografieproblem“, sagt Ochel. Viele der derzeit amtierenden Pfarrer gingen demnächst in Rente.