Auch ohne Schnee in die Berge:

Beim Winterurlaub ist Improvisieren gefragt

Grüne Hänge, milde Temperaturen – perfekte Bedingungen für einen Wanderurlaub im Frühling. Aber halt: Es sollte doch ein Skiurlaub im Winter sein! In manch‘ einem deutschen Skigebiet müssen wegen fehlendem Weiß kurzerhand Alternativen her.

Ein bisschen Kunstschnee wurde hier zwar auf die Pisten gepustet – doch seinem Namen wird das nordrhein-westfälische Skigebiet in Winterberg noch nicht gerecht.
Jan-Philipp Strobel Ein bisschen Kunstschnee wurde hier zwar auf die Pisten gepustet – doch seinem Namen wird das nordrhein-westfälische Skigebiet in Winterberg noch nicht gerecht.

Sommer- statt Winterrodeln, Schnee auf dem Bildschirm statt unter den Skiern und Caipirinha statt Glühwein – so sieht es derzeit in manch’ deutschem Skigebiet aus. Das Wetter tut sein Bestes, um Winterurlaubern den Spaß zu verderben. Doch Tourismuszentren und Skibetreiber halten dagegen: Sie haben Alternativen in petto.

Am Brocken im Harz zum Beispiel – wo sich momentan kein Fitzelchen Schnee niederlässt – haben Winterurlauber zahlreiche Wanderwege für sich entdeckt. „Die Gäste wandern Tatsache hier im Moment“, sagte Ilona Baxmann, Leiterin der Tourist-Information Schierke am Brocken. Die Restaurants und Kneipen in Schierke versuchen, wenigstens drinnen Winterfeeling zu verbreiten: „Der eine oder andere Gastwirt macht eine Glühweinparty“, sagte Baxmann.

Caipirinha statt Glühwein

Gerhard Müller denkt derweil über ein Kontrastprogramm zum Glühwein nach: „Anstatt Glühwein müssten wir Caipirinha servieren“, sagte der Betreiber der Skiarena Silbersattel im Thüringer Wald lachend. „Damit die Gäste wenigstens ein bisschen Eis kriegen.“ Dabei ist sogar eine von insgesamt acht Pisten geöffnet – Kunstschnee sei Dank. Allerdings kommen statt rund 1500 Besucher pro Tag im Moment nur etwa 100. Für sie hat sich Müller etwas Besonderes ausgedacht: In einem Panoramazelt flirren Bilder von verschneiten Landschaften über den Bildschirm – digitaler Ersatz für den analogen Schneemangel.

In Hessen laufen wegen des milden Wetters im größten Skigebiet des Bundeslandes in Willingen und auf der Wasserkuppe in der Rhön die Sommerrodelbahnen. „Wir sind Meister im Improvisieren“, sagte Jörg Wilke, Sprecher der Skiliftbetreiber in Willingen. Die Lifte sind zwar auch geöffnet, sie bringen allerdings auch hier nur Wanderer auf den Berg. Die Skihütten sind trotzdem voll. „Es gibt Après Ski auch ohne Skifahren“, sagte Wilke.

Rasante Fahrt mit der Sommerrodelbahn

In der Rhön ist die Feierlaune etwas gedämpft. Martin Kirchner vom Skiliftbetreiber Wiegand hat auf der Wasserkuppe bereits „beträchtliche Umsatzeinbußen“ bemerkt. Denn selbst auf Hessens höchstem Berg liegt derzeit kein Schnee. „Die Gäste sind auch nicht so begeistert.“ Sie können nur mit der Sommerrodelbahn Rhönbob den Berg hinunterrasen.

Bobfahren ist auch in Bayern möglich: Der Bayerwald Coaster in Sankt Englmar hat wegen des milden Wetters zum zweiten Mal geöffnet. 1000 Meter geht es die rasante Bahn hinunter. „Die Gäste sind begeistert“, sagte Betreiber Franz Bindl.

Im ostdeutschen Ski-Mekka Oberwiesenthal im Erzgebirge bräuchten Sportler keine Bretter, um sich auszutoben: Eckhard Gahler verleiht dort Rollski. „Das ist ja ähnlich wie Skaten, wie mit den Inlinern, bloß halt mit Steckern.“ Die Nachfrage sei derzeit aber gering – im Oberwiesenthal gibt es nämlich Schnee. „Sind zwar nicht die optimalen Bedingungen, aber man kann Skifahren“, sagte Gahler.

Schlechte Wetteraussichten für die Skigebiete

Und wie sieht es im nordrhein-westfälischen Winterberg aus? Regenwetter, sechs Grad plus und der Lift läuft. Allerdings nur einer. Für die Gäste lässt man dort also das Sommerprogramm weiterlaufen: „Geführte Wanderungen, Sommerrodelbahn und Panorama-Brücke – wir haben ja einiges zu bieten“, sagte Winterberg Tourismus-Direktor Michael Beckmann.

Solcher Optimismus ist gut, denn die Aussichten für die kommenden Tage bleiben für die Skigebiete relativ hoffnungslos. Laut Deutschem Wetterdienst in Offenbach sollen in den kommenden Tagen im Bergland einige Flocken fallen. Zum Skifahren reicht das aber nicht.

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