Reisen in autoritäre Regime:

Darf man in diesen Ländern Urlaub machen?

Kuba, Simbabwe oder der Iran – viele spannende Staaten werden von einem autoritären Regime geführt. Sind Urlaube dort moralisch vertretbar?

Waffen gehören in autokratischen Staaten sehr oft zum Straßenbild.
Philipp Laage Waffen gehören in autokratischen Staaten sehr oft zum Straßenbild.

Was tun, wenn die Kulturstätten unweit von Gefängnissen liegen, in denen Oppositionelle eingesperrt werden? Wie verhält man sich, wenn das Traum-Urlaubsziel von einer autoritären Regierung gelenkt wird? Trotzdem einreisen? „Tourismus macht Begegnungen möglich und kann dabei helfen, dass Länder sich öffnen“, sagte Wolf-Dieter Zumpfort auf der Reisemesse ITB in Berlin. „Ein Richtig oder Falsch gibt es da unserer Meinung nach nicht“, stellte der stellvertretende Vorsitzende der Friedrich-Naumann-Stiftung fest. Es lohnt sich, genau hinzuschauen.

Denn längst nicht jede Reise in eine Diktatur ist verantwortungslos. Im besten Fall kann sie viel Positives bewirken. „Durch den Tourismus haben die Menschen vor Ort ein kleines Fenster zur Welt“, so formuliert es Peter-Mario Kubsch, Geschäftsführer von Studiosus. Austausch, Begegnung, Information und Öffentlichkeit: All das kann langfristig zu einer positiven Veränderung der Menschenrechtssituation beitragen. „Eine Demokratisierung und politische Öffnung befördert man auch dadurch, dass man über den Tourismus Außenkontakte für die Menschen herstellt.“

Auf staatliche Angebote besser verzichten

Hartmut Rein von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung (HNE) Eberswalde bestätigt diese Einschätzung: „Viele Systeme haben sich durch den Kontakt mit ausländischen Besuchern verändert. Die Möglichkeit der Begegnung ist eine gute Sache.“ Wichtig ist der Hinweis, dass sich viele autoritäre Staaten kaum miteinander vergleichen lassen. Nordkorea ist ein stalinistisches Folterregime, China ein hierarchischer Ein-Parteien-Staat und Myanmar eine Post-Militärdiktatur im demokratischen Frühling. „Die Frage ist, was man unter einem autoritär regierten Staat versteht“, sagt Ury Steinweg, Geschäftsführer von Gebeco. Der Reiseveranstalter hat zum Beispiel China, Vietnam, die Emirate, Marokko, Kuba, Iran und Myanmar im Programm – alles Staaten, die dem westlichen Demokratieverständnis nicht entsprechen.

Nach Ansicht von Hartmut Rein geht es in allen Fällen um eine entscheidende Frage: Wen unterstützt der Tourist mit seiner Reise – eher das Regime oder die lokale Bevölkerung? Wer finanziell nicht dem System in die Hände spielen will, sollte keine touristische Infrastruktur nutzen, die sich im Besitz des Staates befindet, erklärt Kubsch. Wichtig sei, die Begegnung mit Einheimischen zu ermöglichen und nicht nur Sehenswürdigkeiten abzuhaken.

Wege zum verantwortungsvollen Tourismus

Für Reiseveranstalter geht es vor allem darum, zuverlässige Leistungspartner im jeweiligen Reiseland zu finden, die auf die Arbeitsbedingungen ihrer Mitarbeiter achten. Studiosus zum Beispiel hat mit allen Partnern vertraglich Arbeitsnormen vereinbart, die jedes Jahr aktualisiert und überprüft werden. In der Zeit der Militärjunta in Myanmar hat der Veranstalter sich darum bemüht, Hotels in nicht-staatlichem Besitz zu finden.

So hat das auch Petra Thomas gemacht, als sie damals für einen Veranstalter gearbeitet hat. Heute sitzt sie im Vorstand des Verbands Forum Anders Reisen, einem Zusammenschluss von nachhaltigen Reiseanbietern. „Wenn man komplett ausschließen kann, dass es sich um einen staatlichen Partner handelt, minimiert man den Anteil des Geldes, der beim Staat bleibt.“ Ländlicher Tourismus in Zusammenarbeit mit Dorfgemeinschaften sei ein anderer Weg zu verantwortungsvollem Tourismus – am Hinterland habe der Staat oft kein Interesse. Manche Kooperationen entwickelten sich im Laufe der Jahre. „Viel läuft über die lokalen Reiseleiter.“

Gutes Benehmen sichert einen problemlosen Urlaub

Trotz der Einschränkungen in autoritären Regimen möchte Ury Steinweg von Gebeco seinen Kunden alle Facetten eines Landes zeigen. „Je autoritärer und politisch oder religiös radikaler eingestellt das Land ist, desto größer ist die Herausforderung, wirklich alle Aspekte für die Gruppe erlebbar und diskutierbar zu machen.“ Zwar tabuisieren autoritäre Staaten viele Themen am liebsten und wollen Ausländern nur das zeigen, was genehm ist. Das habe allerdings kaum Auswirkungen auf den praktischen Ablauf des touristischen Programms, sagt Steinweg.

Trotzdem gibt es für die Touristen natürlich Grenzen. Die freie Meinungsäußerung in der Öffentlichkeit ist eingeschränkt, was man bei Diskussionen über Politik berücksichtigen sollte. Die Reiseleiter geben in der Regel Ratschläge, was erlaubt ist und was nicht. „Touristen, die sich nicht offenherzig politisch oder religiös in der Öffentlichkeit betätigen, werden keine Einschränkungen bemerken“, sagt Steinweg.

Kann man also ohne moralische Bedenken in autoritäre Staaten oder sogar knallharte Diktaturen reisen? „Diktaturen sind nicht die richtigen Zielgebiete, um in der Sonne zu liegen. Aber verantwortungsvoller Tourismus bietet dem Land große Möglichkeiten“ – das ist das Fazit von Petra Thomas. Der Urlauber muss sich bei seinem Veranstalter genau über die Organisation der Reise erkundigen. So erfährt er im besten Fall, wer von seinem Urlaub profitiert.

Ähnlich sieht das Hartmut Rein: „Wenn ich in eine All-inclusive-Anlage fahre, die dem Staat gehört, dann unterstütze ich das Regime“, sagt der Nachhaltigkeitsexperte. „Wenn ich aber normalen Bürgern begegne, ist die Reise in eine Diktatur sinnvoll.“ Nordkorea ist also eine eher schlechte Wahl – viele andere Länder wie Iran, Kuba, Simbabwe oder China können durchaus infrage kommen.

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