Prunkbau in schöner Kulisse:

Deutsche Küche mit englischem Flair

Leckeres Essen inmitten historischer Gemäuer? Viele Schlösser sind nach Restaurierungen beliebte Ausflugsziele. Eines davon steht in Kittendorf. Hier werden Spuren der berühmten Tudors, der russischen Zarenfamilie und der DDR sichtbar. Doch das ist noch längst nicht alles.

Das Schloss liegt inmitten der Mecklenburgischen Schweizund ist ein beliebtes Ausflugsziel.
Schloss-Hotel Kittendorf Das Schloss liegt inmitten der Mecklenburgischen Schweizund ist ein beliebtes Ausflugsziel.

Mecklenburg-Vorpommern ist das Land der tausend Seen. Viele Einheimische und Urlauber schätzen das gleichermaßen. Darüber hinaus ist es aber auch ein Land mit mehr als tausend Schlössern, Burgen und Herrenhäusern, was im Rest der Republik schon weniger bekannt ist.

Nirgends sonst in Europa gibt es angeblich eine solche Vielfalt an Prunkbauten unterschiedlichster Baustile. Nicht zuletzt deshalb ist der Nordosten beispielsweise für Hochzeiten mit Traumkulisse prädestiniert. Herzöge, Landjunker oder wohlhabende Handelsleute hinterließen hier wahre architektonische Schätze – von königlich anmutenden Palästen bis hin zu wundervoll verspielten Zeugnissen. Eines der schönsten steht in Kittendorf in der Mecklenburgischen Schweiz.
Majestätisch thront das Märchenschloss auf einer kleinen Erhebung, von einer massiven Mauer und betagten Bäumen umgeben.

Beim Betreten des Anwesens erleben Besucher oftmals ein Déjà-vu, insbesondere dann, wenn sie aus dem Großraum Berlin-Brandenburg kommen. Denn das Prachthaus sieht aus wie die Zwillingsschwester von Schloss Babelsberg. Derzeit ist es sogar hübscher, weil die Potsdamer den einstigen Sommersitz der preußischen Kaiserfamilie noch bis 2015 aufwendig sanieren. Die Handschrift der Baumeister ist indes nahezu identisch. Während in Brandenburg der damalige Stararchitekt Karl Friedrich Schinkel verantwortlich zeichnete, war es in der Seenplatte dessen Schüler Friedrich Hitzig, der Mitte des 19. Jahrhunderts den Bauauftrag erhielt. Beide Schlösser wurden im Stil der englischen Spät-Gotik
erbaut.

„Der Tudor-Stil war damals beliebt und modern“, erklärt Gunnar Biermann, einer der Leiter des heutigen Schloss-Hotels Kittendorf. Kennzeichnend sind unter anderem die rechteckigen Fenster, Türmchen, Erker, Zinnen und innen Stuck.
Erbauer und erster Eigentümer war Hans Friedrich von Oertzen, der Kammerherr des Großherzogs von Mecklenburg. In Familienbesitz der von Oertzens blieb das Anwesen bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges, bis zur Bodenreform. Während es zu DDR-Zeiten dann für alles Mögliche genutzt wurde, nur nicht als Schloss, fand es ab Mitte der 1990er Jahre seine heutige Bestimmung als Hotel und Restaurant.

Alles edel und luxuriös, nicht teuer oder abgehoben

Dazu wurde das komplette Gebäude vom neuen Besitzer Johann Trettler mit Original-Möbeln aus den 1850ern Jahren liebevoll ausgestattet. Etwa 80 Kronleuchter hängen im ganzen Haus. Die Bibliothek ist der einzige Raum im Originalzustand – natürlich bis auf die Bücher, unter denen auch jüngere Wälzer von Konsalik und Co. liegen.

Die beiden Flügel im Schloss entstammen übrigens der russischen Zarenfamilie und dem DDR-Nachlass des Palastes der Republik. Inzwischen wird das Kittendorfer Hotel von der Schloss Kittendorf GmbH & Co. KG betrieben, einem illustren Freundeskreis aus Bauunternehmern, Schauspielern, Landwirten, Journalisten, Möbelhändlern oder gar Piloten. Alle 25 Zimmer wurden modernisiert, ein Sauna- und Wellness-Bereich eröffnet und der marode Westturm saniert, wo heute kleine Tagungen veranstaltet werden. Das Schloss sollte ferner einen behindertengerechten Zugang erhalten, was laut Biermann letztlich am Denkmalschutz scheiterte.

Zum Schluss noch ein Blick in die Speisekarte des Schlossrestaurants. Übersichtlich, aber lecker: Elf Gerichte und ein Tagesmenü stehen zur Auswahl. Chefkoch Jan Reichelt setzt auf gute, regionale Küche, angereichert mit etwas gehobener Gastronomie. „Viele unserer Gäste wollen und schätzen eher die normale Kost“, sagt er.

Edel und luxuriös, aber keineswegs teuer oder abgehoben – diesen Eindruck hinterlässt das ganze Schloss. Auch das macht die Menschen im Nordosten wohl so besonders.

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