Geotourismus:

Die steinreiche Märkische Schweiz

Kurt Zirwes ist ein bisschen steinverrückt. Und deshalb lebt der gebürtige Rheinländer sehr gerne im Osten Brandenburgs, denn die Gegend gilt als eine der steinreichsten Regionen Deutschlands. Doch was der 60-Jährige so schätzt, hat der Tourismus noch gar nicht entdeckt.

Große und kleine Findlinge wohin das Auge blickt. Wer möchte, kann bei Kurt Zirwes auch lernen, wie man die Steine bearbeitet.
Patrick Pleul Große und kleine Findlinge wohin das Auge blickt. Wer möchte, kann bei Kurt Zirwes auch lernen, wie man die Steine bearbeitet.

Warum Kurt Zirwes sein Bauerngehöft in Ruhlsdorf bei Strausberg (Märkisch-Oderland) „Findlingshof“ nennt, leuchtet dem Besucher sofort ein. Schon im Eingangsbereich türmen sich Feldsteine unterschiedlichster Größe und Beschaffenheit zu größeren Haufen oder Mauern. Wohnhaus und Nebengebäude sind aus diesem Material gebaut. Witziger Blickfang im Garten sind Vogelfiguren und Windspiele, die aus Steinen und etwas gebogenem Metall entstanden sind.

Steine mit ihren geheimnisvollen Einschlüssen, Vertiefungen, Schichten und Abschürfungen sind für den technischen Betriebswirt von der Natur geschaffene Kunstwerke, die es zu bewahren gilt. Schließlich sei die Vielfalt der Gesteine in der Mark Brandenburg einzigartig, und dass ganz ohne Gebirge. „Das Gebiet zwischen Ostsee und Lausitz wurde von der Eiszeit gleich dreimal aus Richtung Skandinavien überfahren“, erläutert der 60-Jährige, der Steinen in die Seele guckt, wie er es nennt. Wenn Zirwes dafür wirbt, mit diesem Steinreichtum, dem „Gedächtnis der Erde“ touristisch stärker zu werben, fühlt sich der gebürtige Rheinländer oft belächelt.

„Sinnvoll wäre ein Geo-Netzwerk mit allen touristischen Angeboten für Brandenburg“, sagt Zirwes, dessen Fundstücke auf dem Hof alle vom eigenen, ein Hektar großen Grundstück oder aus der unmittelbaren Umgebung von Ruhlsdorf stammen. In einem Projekt der Landesarbeitsgemeinschaft Märkische Seen wurden zumindest für den Osten Brandenburgs touristische Highlights wie der Museumspark Rüdersdorf, der Eiszeitgarten in Buckow oder die Oberbarnimer Feldsteinroute in einem Flyer zusammengefasst. „Ein Netzwerk ist das aber längst nicht. In erster Linie entwickelten wir in dem Projekt Empfehlungen zur Vermarktung für touristische Anbieter“, sagt Geschäftsführerin Grit Körner.

Geologie noch wenig im Bewusstsein der Besucher

Um die Landschaft in der Mark besser zu verstehen, sei das Thema durchaus interessant. „Uns fehlt von der fachlichen Seite aber jemand, der das wirklich in die Hand nimmt“, räumt sie ein. Die Geologie sei bisher wenig im Bewusstsein von Besuchern, meint Jördis Hofmann, Geologin im Museumspark Rüdersdorf. „Wer zu uns kommt, will im einstigen Kalkstein-Tagebau in erster Linie Fossilien sammeln oder Landrover-Touren machen“, sagt sie. In der Naturparkverwaltung Märkische Schweiz hingegen wird der Fokus durchaus auf die eiszeitliche Entstehung der steinreichen Landschaft gelegt, wie Leiterin Sabine Pohl betont. „Wir merken, dass das die Gäste auch wirklich interessiert. Es fehlt aber tatsächlich jemand, der die einzelnen Angebote in der Region touristisch bündelt, um die Thematik auszubauen.“

Zumindest Zirwes wird nicht müde, Besucher mit Steinen zu faszinieren. Oft hat er Schulklassen zu Gast. Durch das Spielen mit Steinen will er bei den Kindern logisches Denken anregen sowie Teamgeist und Geschicklichkeit fördern. Auch die Vielfalt der Gesteinsarten lernen sie kennen. Zudem zeigt der 60-Jährige, wie aus Steinen nützliche Dinge werden. Mit einem großen Kern-Bohrer etwa lassen sie sich zu rustikalen Kerzenhaltern oder Öllampen umfunktionieren. An den Wochenenden veranstaltet er gemeinsam mit einem Bildhauer Seminare zur künstlerischen Bearbeitung von Feldsteinen.

Exkursionen zu Feldstein-Bauten

Auf Exkursionen führt der bekennende Steinliebhaber Gäste zu gut erhaltenen oder wieder aufgebauten Feldstein-Gebäuden der Umgebung – Kirchen, Scheunen, Bauernhäusern oder Stadtmauern. „Die Hauptblütezeit der Feldsteinbauten war vom 12. bis 14. Jahrhundert. Eine Renaissance erlebten sie dann im 18. Jahrhundert, nachdem verheerende Brände ganze Städte vernichtet hatten“, erzählt Zirwes und klopft mit einem kleinen Stein in der Hand behutsam gegen die Seiten eines Granitbalkens, der darauf hin zu klingen beginnt. „Ich höre Steinen auch gern zu“, sagt Zirwes verschmitzt.