Ein Reporter im Selbstversuch:

Einmal Gipfel und zurück

Auch die Berge haben ihren internationalen Feiertag, den 11. Dezember. Das hat die UNO im Jahr 2003 so festgelegt. Unser Reporter Matthias Diekhoff hat sich auf den Weg gemacht, um dem höchsten Berg des Landes seine Aufwartung zu machen.

Geschafft! Matthias Diekhoff hält das Erreichen des Gipfelkreuz per Selbstauslöser fest.  
Matthias Diekhoff Geschafft! Matthias Diekhoff hält das Erreichen des Gipfelkreuz per Selbstauslöser fest.  

Der Kaffee aus der Tankstelle ist vielleicht für lange Zeit das letzte Wärmende, was ich zu mir nehme. Keine Ahnung, wie lange der Aufstieg auf den höchsten Berg des Landes Mecklenburg-Vorpommern, den Helpter Berg, dauern wird. Mein Proviant besteht zur Sicherheit aus einem Schokoriegel und einem Apfel. Das Basislager ist ein Rastplatz an der Straße zwischen Helpt und Woldegk. Als ich starte, ist es fünf nach zehn. Das erste Stück des Weges ist ein moderat ansteigender Feldweg. Das Bächlein daneben murmelt mir kein Lied, dafür ist es zugewachsen.

Schließlich erreiche ich einen lichten Buchenwald und ich kann in etwa ahnen, worauf ich mich eingelassen habe. So sieht also eine Endmoräne aus. In der Schule hatte ich das nie verstanden. Hilfreiche grüne Pfeile zeigen mir den Weg, ich schreite wacker geradeaus, gerate aber ins Stocken, als ich geheimnisvolle Zeichen an einem Baum entdecke, die schon vor vielen Jahren in die Rinde geritzt wurden. Wovor wollen sie mich warnen?

Das Gelände steigt gnadenlos an

Dass es nicht ganz einfach werden wird, die 179 Meter über Normal Null zu erklimmen, verraten mir schon die Bänke, die etwa alle 100 Meter am Wegesrand stehen. In einem Ritt ist das wohl nicht zu schaffen, sagen sie. Doch jetzt schon zu biwakieren, wäre unklug.  Bald soll es schneien, dann wäre alles vorbei, dann wäre alles bis hierher umsonst gewesen. Das Gelände steigt jetzt gnadenlos an, ich stürme hinauf und halte erst wieder an der nächsten Bank.

Ich sehe Nadelbäume. Schlagartig fällt mir wieder die Schule ein. Dort hatte ich mal gehört, dass ab einer gewissen Höhe keine Laubbäume mehr wachsen. Auch die Luft wird langsam knapp und ich kann den Gipfel noch nicht mal sehen, wegen der Nadelbäume. Das Heulen des Windes mahnt mich zur Eile. Dann kann ich das Gipfelkreuz sehen. Als ich davor stehe, ist es fünf vor halb elf.

So fühlt es sich also an, den höchsten Berg eines Bundeslandes bezwungen zu haben. Die gleiche Luft zu atmen, wie all die Schulklassen, Seniorengruppen und Familien mit Kleinkindern, die auch schon hier oben waren und sich im Gipfelbuch verewigt haben. Leider fällt mir nichts ein, was ich dem Gipfelbuch anvertrauen möchte. Zu erhaben ist dieser Augenblick. Außerdem ist es schon vollgeschrieben, kein Platz mehr für ausufernde Emotionen. Und auch keine Zeit.

Die meisten Unfälle geschehen beim Abstieg, fällt mir ein. Mit klammen Fingern richte ich noch den Selbstauslöser der Kamera ein und versuche ein zuversichtliches Lächeln. Der Wind ist stärker geworden. Für den Rückweg wähle ich einen Pfad am Westhang des Berges, der zwar länger ist, aber nicht so steil. Kein unnötiges Risiko mehr. Der vertraute Feldweg trägt mich dem Basislager entgegen. Der Rest Kaffee aus der Tankstelle ist noch lauwarm.

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