Urlaub in der Transsibirischen Eisenbahn:

Im Zug durch die Tundra

Ob mit Murmanbahn, Sapsan oder Transsibirischer Eisenbahn – Einblicke in das russische Gemüt sind bei solchen Reisen garantiert.

Die Transsibirische Eisenbahn in der verschneiten russischen Weite.
Lernidee Erlebnisreisen/Gregor M. Schmid Die Transsibirische Eisenbahn in der verschneiten russischen Weite.

St. Petersburg. Der Zug rollt langsam in den Ladogaer Bahnhof in St. Petersburg ein. Ein kräftiger Ruck, und die graue Wagenschlange kommt abrupt zum Stehen. Grau ist auch die Uniform von Alexander, der an der Wagentür steht. Er ist der uneingeschränkte Herr über den Waggon Nummer 10 mit seinen neun Schlafwagenabteilen. Nur wenn alles übereinstimmt, dürfen die Passagiere in den Zug einsteigen und bekommen ein Abteil mit blauen Polsterbänken und altmodischen Gardinen zugewiesen.

Die Betten müssen die Gäste allerdings selbst beziehen. Handtücher liegen bereit und Patschkis auch – das sind Stofflatschen, in denen man sich auf den Gängen bequem bewegen kann. Leger ist auch die Kleidung der Reisenden. Viele Männer tragen Jogginganzüge, manche ein Unterhemd. Schließlich ist das Abteil für die nächsten 47 Stunden so etwas wie eine kleine gemeinsame Wohnung auf Rädern.

Auf die Minute pünktlich setzt sich die Murmanbahn in Richtung Murmansk in Bewegung ohne jede Ansage. Während der Fahrt lernt man seine Liege-Nachbarn kennen. Die Verständigung ist nicht immer einfach, aber irgendwie funktioniert es doch.

Am nächsten Tag bleibt Zeit, das einzigartige Naturschauspiel links und rechts der Schienen zu verfolgen. Kaum wahrnehmbar ist der Unterschied zwischen Tag und Nacht, denn so weit im Norden geht die Sonne im Sommer kaum noch unter. Zunächst sind es scheinbar endlose Birken- und Kiefernwälder, die stundenlang vorbeiziehen. Nur in großen Abständen tauchen kleine Dörfer mit windschiefen Holzhäusern auf. Menschen sind nicht zu sehen. Murmansk, schon jenseits des Polarkreises auf der Halbinsel Kola gelegen, ist auch im Sommer keine Schönheit. Immerhin erstrahlt der Bahnhof frisch renoviert in leuchtendem und frischem Mintgrün, doch bei einer Fahrt durch die rund 300 000 Einwohner zählende Stadt fallen vor allem wenig ansehnliche Plattenbauten auf.

Murmansk war bis 1991 militärisches Sperrgebiet. Die Stadt war immer ein wichtiger Stützpunkt der russischen Flotte, der eisfreie Hafen ist von großer strategischer Bedeutung. Bis heute dominiert das Militär die Region. Jedem Besucher wird das riesige Aljoscha-Denkmal gezeigt, das auf einer Anhöhe über der Kola-Bucht thront.

Mit hoher Geschwindigkeit durch triste Gegenden

Besonders stolz ist Russland heute auf seinen Hochgeschwindigkeitszug Sapsan, der zwischen St. Petersburg und Moskau verkehrt. Allerdings rauscht der russische ICE durch eine ziemlich trostlose Welt, die auf den Superzug nicht vorbereitet ist. Die Strecke teilt ganze Dörfer, und veraltete Bahnübergänge bereiten zusätzlich Probleme. Weil niemand genau weiß, wann und aus welcher Richtung die Züge mit Tempo 250 heranrauschen, kommt es immer wieder zu Unfällen. Doch wer es sich in den Ledersitzen der 1. Klasse bequem macht und Essen und Trinken genießt, bekommt davon kaum etwas mit.

Ungeschönt erleben Reisende das russische Riesenreich dagegen bei einer Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn, auf der längsten Bahnstrecke der Welt. Wer in Moskau in den Zug steigt und ihn in Wladiwostok am Japanischen Meer wieder verlässt, hat fast 9300 Kilometer zurückgelegt und sieben Zeitzonen durchquert.

Nordkurier: Samsung Galaxy Tablet ohne Anzahlung