Dem Sonnenuntergang entgegen:

Packende Biber-Safari auf der Peene

Die Chancen stehen gut, dass Paddler vom Kanu aus tatsächlich eines der seltenen Tiere erblicken. Die Nager fühlen sich nämlich im Naturparadies der Mecklenburgischen Schweiz pudelwohl. Unser Reisetipp für die Region.

Kurz vor Sonnenuntergang – auf der Peene, die den Kummerower See durchfließt.
Jens Büttner Kurz vor Sonnenuntergang – auf der Peene, die den Kummerower See durchfließt.

Am Kummerower See ist es abends um acht noch frühsommerlich hell. Gebadet wird nicht mehr. Und auch die Jugendlichen, die am Nachmittag beim Segelkurs waren, sind nicht mehr zu sehen. Dabei herrscht im Hafenbecken von Salem mitten in der Mecklenburgischen Schweiz noch überraschend viel Betrieb und einige Aufregung, als die Teilnehmer der Bibertour ihre Schwimmwesten anlegen und die Kanus ins Wasser lassen. Bis alle schließlich das Paddel in der Hand haben, dauert es noch eine ganze Weile. Doch dann starten gleich mehrere Vierer, ein Dreier und ein Achter mit den jüngsten Nachwuchskanuten.

Die Wasseroberfläche wirkt ganz still. Links am Uferrand steht die Holzskulptur einer nackten Badenden, die sich gerade in die Fluten stürzen will. Auf ihren Fingerspitzen hat sich eine Möwe niedergelassen. Die Kanuten auf Bibersafari gleiten schnell an ihr vorbei. Noch ruhiger wird es, als die Gruppe die Peene erreicht, die den Kummerower See durchfließt. Der kleine Fluss, der weiter im Norden in die Ostsee mündet, ist hier ein Naturparadies. Sein Ufer ist dicht mit Schilf bestanden, dahinter ragen gleich einige Bäume auf. Hier fühlen sich nicht nur viele Vogelarten wohl. Hier ist auch der Biber zu Hause.

Es dämmert inzwischen. Und je dunkler es wird, desto stiller wird es auch. Man hat fast Angst, mit dem Paddel die gelben Blüten der Seerosen zu verletzen, die man fast unvermeidlich berührt, wenn man vorwärtskommen möchte. Wer sich jetzt noch unterhalten will, senkt automatisch die Stimme. Von den anderen Booten ist nur noch das Glucksen beim Eintauchen der Paddel zu hören.

Plötzlich tauchen die schwimmenden Nager auf

Da, ist das nicht ein Biberkopf? Die Ruderer stoppen wie auf ein Signal hin sofort alle Bewegungen. Tatsächlich, der schwimmende Nager zieht von rechts kommend quer über den Fluss, nicht in rekordverdächtigem Tempo, aber doch so, als wüsste er genau, wo er hin will.

Eine Biberburg ist am Ufer zu sehen, ein Hügel mit Ästen, den ahnungslose Großstädter vermutlich kaum als Biberbehausung identifiziert hätten. Dann ist erst einmal Stille, und die Kanus bewegen sich erneut vorwärts, allerdings längst nicht mehr in so geschlossener Formation wie zu Beginn der Tour. Auf dem Rückweg in den Hafen von Salem wird es in den Booten wieder lauter: Die Jungs aus dem Kanu ganz vorne wollen gleich drei Biber auf einen Schlag im Schilf gesehen haben. Aber das ist vielleicht Kanutenlatein.

Empfehlenswert ist auch der Wanderrundweg

Für viele Tiere ist die Mecklenburgische Schweiz ein ideales Revier. Wo sonst finden sich an der Straße noch Verkehrsschilder, die vor Otterwechsel warnen. Biber und Otter profitieren davon, dass die Region unmittelbar nördlich der bekannteren und touristisch erschlosseneren Mecklenburgischen Seenplatte so dünn besiedelt ist.

Wer die Mecklenburgische Schweiz lieber zu Fuß erkunden möchte, kann den Wanderrundweg nutzen. Salem am Westufer des Kummerower Sees, gerade 700 Jahre alt geworden, bietet sich auch als Startpunkt für solche Touren an, ins nahe Neukalen etwa. Die Wege sind ausgeschildert. Und wer es lieber etwas schneller mag, steigt aufs Rad. Viele Straßen sind Alleen, über die die Bäume ihre Äste spannen. Etliche Seen gibt es, die sich meist auch mit dem Rad umrunden lassen. Das gilt auch für den Kummerower See. Und wer noch einmal mit dem Schiff fahren will: Am Nordufer setzt bei Verchen eine Fähre über die Peene. Fahrräder dürfen mit an Bord. Der Ort am anderen Ufer heißt merkwürdigerweise Aalbude und hat seinen Namen von den einstigen hier ansässigen Aalfischern.
Radler, die dem Ufer folgen, fahren eine Strecke auch am Naturschutzgebiet Neukalener Moorwiesen entlang, die seit einigen Jahren renaturiert werden. Die Landschaft hat hier etwas Unwirkliches mit den vielen Baumstämmen, die aus den überfluteten Flächen herausragen. Die Natur bekommt hier zurück, was ihr gehört, Schwänen und Blesshühnern gefällt das.

Ausflugsmöglichkeiten für Familien gibt es viele: Schloss Basedow zum Beispiel, das inmitten eines ansehnlichen Parks liegt, genau wie Burg Schlitz ein Stück westlich des Malchiner Sees.

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