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Senf, Pfefferkuchen und mehr

Der Herbst in Bautzen ist bunt und scheinbar ziemlich lecker. In der historischen Stadt im Osten Sachsens vereinen sich der Charme eines Freilichtmuseums mit zahlreichen kulinarischen Köstlichkeiten.

In der Backstube in der Pulsnitzer Pfefferküchlerei Karl Handrik bei Bäckermeister Lutz Tenne laufen die Weihnachtsvorbereitungen schon auf Hochtouren.
Axel Scheibe In der Backstube in der Pulsnitzer Pfefferküchlerei Karl Handrik bei Bäckermeister Lutz Tenne laufen die Weihnachtsvorbereitungen schon auf Hochtouren.

Herbstreisen haben immer etwas Besonderes. Die warmen Abende am Strand fallen ebenso weg, wie Sonnenbrand und kurze Hosen mit T-Shirt. Die Zeit für Schlittschuhe, Ski und Winterwanderungen ist noch weit entfernt. Andererseits kann man es deutlich gelassener angehen, denn so, wie die Temperaturen auf einstellige Werte fallen, verlaufen sich die Touristenströme der Hauptsaison zu mehr oder minder starken Rinnsalen. Das ist in Bautzen nicht anders als anderswo. Auch wenn man die historische Stadt im Osten Sachsens sicher nie ganz touristenfrei erleben kann.

Ein Hauch Geschichte zieht durch die Gassen

Letztlich spielt im herbstlichen Urlaub nur allzu oft auch die kulinarische Seite eine besondere Rolle. Bautzen macht da keine Ausnahme und mischt fröhlich mit. Die Küche der Region kommt nicht zu kurz und auch manch Rustikales lädt ein. Eine Tausendjährige hat historisch viel zu bieten. Doch bevor es an die „Töpfe und Pfannen“ der Region geht, zieht auch architektonisch ein Hauch Geschichte durch die Straßen und Gassen der Altstadt, die ganz nebenbei bemerkt, auch noch recht malerisch hoch über der Spree ihren Platz gefunden hat. Rund 1300 zumeist bestens sanierte Baudenkmäler machen sie zu einem kleinen Freilichtmuseum.Es waren die Slawen, die vor über 1400 Jahren in der Lausitz eine Heimat fanden und die wohl auch einen nicht unwesentlichen Anteil an der Gründung der Stadt hatten. Bereits im Jahre 1002 wurde „Civita Budusin“ erstmals urkundlich erwähnt. Schon 1200 galt Bautzen als erste Stadt der Oberlausitz. Heute ist sie mit rund 40 000 Einwohnern das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum des zweisprachigen Gebietes. Nicht zuletzt ein Anziehungspunkt für Touristen aus nah und fern ist die liebvolle Pflege der Kultur und des sorbischen Alltagslebens, auf die man in und um Bautzen treffen kann.Sehenswert im Zentrum sind unter anderem das Rathaus, dessen Wurzeln ins 15. Jahrhundert zurückreichen, der St. Petri Dom, den sich seit 1524 evangelische und katholische Christen teilen, die Ortenburg, die Gerberbastei, die alte Wasserkunst und der Reichenturm. Mit dem hat Bautzen seinen eigenen schiefen Turm, der sich mittlerweile immerhin um 1,44 Meter neigt. Mutige können ihn besteigen und die tolle Aussicht über die Stadt genießen.Ein Bummel durch die engen Straßen und malerischen Gassen gehört dazu und endet, oft zwangläufig, in einer der kleinen urigen Gaststätten und Kneipen. Wer dabei auf die Bautzener Senfstube stößt, trifft auf eine der Spezialitäten, den Bautzener Senf. Seit Jahrzehnten ist er einer der Verkaufschlager der Stadt und in über ein Dutzend Sorten zu haben. Im Senfladen mit angeschlossenem Museum kann man fleißig kosten. In der Senfstube kommt er dann veredelt in tollen Gerichten auf den Tisch. So kann man zum Salatteller mit Kartoffel-Senfdressing auch Senfbrot probieren, sich Eier in Senfsoße bringen lassen oder zum Bautzener Senf-Schnitzel greifen. Nur ein paar Straßen weiter warten im Restaurant Wjelbik sorbische Spezialitäten auf die Gäste, die hübsche Kellnerinnen stilgerecht in sorbischer Tracht servieren. Seit 1991 kümmern sich die sorbischen Wirtsleute Stefan und Veronika Mahling um die Bewahrung kulinarischer Traditionen. Besonders hoch im Kurs steht das typisch sorbische Hochzeitsessen, das mit der Hochzeitssuppe startet und mit falschem Filet vom Ochsen seinen Höhepunkt erreicht. Weitere Lausitzer Köstlichkeiten sind gebackener Ziegenkäse und hausgebeizter Karpfenschinken. Wobei man damit bei einem weiteren herbstlichen Besuchsgrund angekommen wäre.

Silvesterkarpfen werden aus den Teichen geholt

Von Ende September bis Anfang November sind es die Lausitzer Fischwochen, die für gesunde Kost auf den Tellern sorgen. Auch das Wjelbik ist dabei. Besonderer Besuchermagnet ist das beliebte Schaufischen, bei dem die Karpfen für die kommenden Silvesterfeiern aus den Teichen geholt werden. Oft sind es Tausende Besucher, die den Fischern bei deren Arbeit über die Schultern schauen und sich natürlich danach an frisch Geräuchertem gütlich tun. So zum Beispiel beim jährlichen Abfischen der KREBA-Fisch GmbH, die zu den größten Betrieben ihrer Art in der Region gehört.Wenn man nun einmal im Umland unterwegs ist, sollte man den Abstecher nach Pulsnitz nicht auslassen. Nicht nur in Deutschland ist das kleine Städtchen seiner leckeren Pfefferkuchen wegen bekannt. Pfefferküchler wie Lutz Tenne von der alteingesessenen Pfefferküchlerei Karl Handrik sorgen dafür, dass Pulsnitz, besonders natürlich in der Weihnachtszeit, in aller Munde ist. Vor Ort gekauft, schmecken sie natürlich am besten. Im örtlichen Pfefferkuchenmuseum kann man sich zusätzlich einen kleinen Einblick in die Geschichte des beliebten Weihnachtsgebäcks holen und sehen, wie es früher und heute gebacken wurde und wird.Auf die Tatsache, dass Bautzen als mittelalterliche Stadt natürlich auch Standort eines Klosters war, trifft man bis heute im Stadtbild. Dieser Tradition hat sich der Mönchshof verschrieben, der wohl rustikalste Einkehrort der Stadt. Es ist der Mönch Eusebius, der zu einer Zeitreise durch das Mittelalter einlädt. Es geht um Geschichten rund um Glaube und Aberglaube, um Liebe, Hass und Verrat. Das Skelett des Mönches fand man 1896 in Ketten geschlagen im klösterlichen Gewölbe. Bestraft wohl seines lasterhaften Lebens wegen. Da half im auch sein Namen Eusebius, der Gottesfürchtige, nicht weiter. Zwar geht das Mönchlein nur dienstags und donnerstags auf Tour, doch dem lasterhaften Lebens Eusebius kann man im Mönchshof täglich frönen.Um die kulinarische Seite mit Deftigem auf dem Teller und köstlichem Wein im Becher kümmern sich die Wirtsleute. Für „Weib und Gesang“ muss man freilich selbst sorgen. Und wem da Böses schwant, der Teufel ist im Mönchshof überall präsent, nicht nur am Fenster vor dem Eingang.