Olympische Winterspiele als Urlaubsziel:

Sotschi hofft auf Touristen

Olympische Winterspiele in den Subtropen – unter Palmen am Schwarzen Meer. Das einstige sowjetische Ferienparadies Sotschi, die Riviera des Ostens, hofft auf einen Touristenboom. Noch aber ist der geplante Vorzeige-Kurort wenig einladend.

In Krasnaja Poljana waren die waldreichen Berge noch fast unberührt. Heute steht hier eine Olympiastadt, ein Luxushotel neben dem nächsten.
Jan Woitas In Krasnaja Poljana waren die waldreichen Berge noch fast unberührt. Heute steht hier eine Olympiastadt, ein Luxushotel neben dem nächsten.

Wie Juwelen funkeln schon von weitem bei Sonnenschein die Eis-Arenen und das markante weiße Stadion „Fischt“ im Olympiapark am Schwarzen Meer. Die Bauten künden an der steinigen Küste von Russlands Top-Sportereignis – um einiges entfernt vom eigentlichen Herzen des Sommerferienortes Sotschi und seiner belebten Strandpromenade.

„Sotschi ist Schaufenster für das moderne Russland“, sagt Dmitri Tschernyschenko, der das Olympische Organisationskomitee leitet. Als Einheimischer kann der 45-Jährige „seine Stadt“ besonders überzeugend anpreisen. „Die Stadt strahlt auf das ganze Land aus. Nirgends sonst gibt es bei uns eine so beispielhaft umweltfreundliche und behindertengerechte Bauweise“, schwärmt er.

Tschernyschenkos Aufgabe ist es, die vielen Probleme und Skandale um die Olympia-Baustellen wegzulächeln. Der Funktionär ist zuversichtlich, dass alles rechtzeitig fertig wird und der Name Sotschi international künftig nach Urlaub klingt.

Die einstige Riviera der Sowjetunion – auf einer Höhe wie Nizza gelegen – hat zweifellos schöne Ecken. Auch viele DDR-Urlauber erholten sich früher in dem Badeort mit dem mediterranen Klima. Das war, als das Reisen hinter dem Eisernen Vorhang insgesamt wenige subtropische Ziele bot.

Der mächtigste Mann des Landes, Präsident Wladimir Putin, sieht die Olympischen Winterspiele als ideale Chance, Russland-Reisenden zu offenbaren, dass es im größten Land der Erde mehr gibt als die frühere Zarenmetropole St. Petersburg oder die schillernde Hauptstadt Moskau.

Kritiker warnen allerdings davor, sich von dem neuen Schick blenden zu lassen. Die Werbeshow sei teuer erkauft, weil Bürger zwangsumgesiedelt, Naturschönheiten zerstört und Gastarbeiter ausgebeutet worden seien.

Deshalb versuchen Putins Funktionäre, den Dienstleistern hier einzubläuen, dass Olympia die Visitenkarte für den möglichen Durchbruch als internationaler Ferienort ist. Um dem verbreiteten Preiswucher Einhalt zu gebieten, deckelte der Moskauer Machtapparat sogar per Erlass die Preise für alle Hotelkategorien. So darf eine Luxussuite in einem Fünf-Sterne-Hotel höchstens13 896 Rubel (rund 320 Euro) kosten, ein Einzelzimmer in einem Drei-Sterne-Hotel liegt der Regierungstabelle zufolge bei weniger als 100 Euro. Viele Privatleute, die Zimmer vermieten, dürften sich aber kaum an die offiziellen Preisgrenzen halten.

Trotz einer Sprachoffensive, zu der unter anderem kostenlose Englisch-Kurse gehörten, dürfte manch ein Besucher Probleme bekommen. Vor allem die kyrillischen Schriftzeichen sind für Ausländer schwer zu entziffern. Speisekarten oder Straßenschilder sind bisweilen nicht oder kurios übersetzt.

In Sachen Schnee ist besser vorgesorgt: Zumindest für die Olympischen Spiele haben die Organisatoren Tonnen davon in Depots gehortet. Außerdem stehen Hunderte Schneekanonen bereit. Wie die Region künftig gegen internationale Wintersportgegenden ankommen will, dazu bleiben viele Fragen offen. Dabei soll Sotschi nur der Anfang sein. Die russische Führung unternimmt auch im schneesicheren Nordkaukasus reichlich Anstrengungen, das Gebiet für Touristen attraktiv zu machen.

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