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Schau an: Steinbrück holt Zypries aus der Versenkung

Ein wenig diebische Freude blitzt in Peer Steinbrücks Augen auf: Mit Brigitte Zypries, der Ex-Justizministerin, die er nun als Mitglied des Kompetenzteams ...

Eine Trio für Steinbrück: Ex-Justizministerin Brigitte Zypries (links), Sozialministerin Manuela Schwesig sowie der bayerischen SPD-Landeschef Florian Pronold. [KT_CREDIT] FOTOs (2): Wolfgang Kumm

Ein wenig diebische Freude blitzt in Peer Steinbrücks Augen auf: Mit Brigitte Zypries, der Ex-Justizministerin, die er nun als Mitglied des Kompetenzteams für Verbraucherschutz im Willy-Brandt-Haus präsentiert, hat er Freund und Feind überrascht. Die 59-jährige sei nicht „Teil des imaginären Totoscheins“ gewesen, den Journalisten, politische Mitstreiter und Mitbewerber mit potenziellen Namen seines Teams ausfüllen würden.

Zypries, derzeit Justiziarin der SPD-Bundestagsfraktion, galt nicht als heiße Kandidatin für das Schattenkabinett. Doch spricht das nun für Steinbrücks Coup – oder gegen Zypries? Mit SPD-Vize Manuela Schwesig und Bayerns SPD-Chef Florian Pronold stellte Steinbrück dagegen zwei weitere erwartete Kandidaten vor, so dass sein Team derzeit sechs Personen stark ist, aber auf zehn bis zwölf anwachsen soll. Der politische Gegner hält Steinbrücks Dream-Team bereits jetzt für das letzte Aufgebot: „Die Bezeichnung B-Elf scheint mir da angemessener“, ätzte CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe.

Angesichts mäßiger Popularitätswerte des Kandidaten im Vergleich zur Kanzlerin wird Steinbrücks Mannschaft durchaus Bedeutung zugemessen. Könnten die Mitstreiter die Schwächen Steinbrücks doch ausgleichen, Themen kompetent besetzen und Merkels Truppe im Wahlkampf einheizen.
Als gesetzt galt Manuela Schwesig, die 39-jährige Sozialministerin von Mecklenburg-Vorpommern, die Steinbrück als „sehr aktive stellvertretende Parteivorsitzende“ lobte. In der Tat: Ihre mediale Präsenz ist groß, seit sie 2009 bereits zum Kompetenzteam von Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier gehörte.

Schwesig war in den vergangenen Jahren als Gegengewicht zu den Unionsministerinnen Ursula von der Leyen und Kristina Schröder aufgebaut worden. Sie verteidigt die SPD-Pläne für die Abschaffung der Kinderfreibeträge und Umschichtung beim Kindergeld. „Wir werden uns den Plänen der SPD massiv entgegenstellen“, kündigte die aktuelle Familienministerin, Kristina Schröder (CDU), bereits an. Nicht nur die Kindergeldpläne der SPD, sondern auch andere Teile des SPD-Wahlprogramms träfen viele Familien in Deutschland hart.

Steinbrücks dritte Entdeckung Brigitte Zypries, Justizministerin von 2002 bis 2009 unter Rot-Grün und der Großen Koalition, kümmert sich schließlich um den Verbraucherschutz. Als Justiziarin der SPD-Fraktion war sie seit der SPD-Niederlage 2009 aus dem Rampenlicht verschwunden. Der dritte und letzte Teil von Steinbrücks Team wird im Juni vorgestellt. Dann, so munkelt man bei der SPD, werde noch eine echte Überraschung von außen dabei sein. Womöglich für den Bereich Wirtschaft.