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SEK macht Kleinholz, Rocker feiern trotzdem

Von unserem Redaktionsmitglied Jürgen Mladek Neuer martialischer Polizeieinsatz in Anklam: Mit Hunden, Hubschrauber und einer ganzen Hundertschaft machten ...

Zersägt vom SEK: Eine Tür im „Vengator“-Clubhaus.

Von unserem Redaktionsmitglied
Jürgen Mladek

Neuer martialischer Polizeieinsatz in Anklam: Mit Hunden, Hubschrauber und einer ganzen Hundertschaft machten die Beamten mobil gegen ein Jubiläumstreffen des Motorradclubs „Vengator“.
Anklam.Auf dem Fußballplatz nennt man das „sich Respekt verschaffen“. Wenn man gleich bei der ersten Aktion den Gegner so energisch umholzt, dass bei ihm für den Rest der Begegnung jede Angriffslust erlahmt. Nicht nett, nicht regelgerecht, doch manchmal sehr effektiv. In der Begegnung Polizei gegen Rocker hat am Donnerstag das SEK Kleinholz gemacht, und zwar im Wortsinn. Mal eben eine Tür zersägt, obwohl die angeblich nicht einmal verschlossen war, dann noch zwei Türen zerdeppert, die weit aufstanden, und das alles, obwohl die Personen, nach denen im Clubhaus von „Vengator“ gefahndet worden war, da schon wohlverwahrt im Gewahrsam der normalen Beamten waren. So erzählen es zumindest die Beteiligten auf Seiten des Motorradclubs. Und Beobachtungen der Nordkurier-Reporter und der zeitliche Ablauf des Einsatzes legen nahe, dass es tatsächlich so gewesen sein könnte. Nun sind die Rocker aber auch nicht gerade die Leute, die wegen jeder Kleinigkeit zum Anwalt oder, bewahre, gar zur Polizei laufen, sie beschweren sich auch nicht, als sie ihre Sicht der Dinge dem Nordkurier erzählen. Sie stellen einfach nur fest: Das SEK hat übel gefoult! Und ganz besonders angeblich da, als es noch Tritte gegen einen Rocker gesetzt haben soll, obwohl der schon am Boden war. Gegolten hatte der ganze Einsatz drei Männern, die Ossi H., den Ex-Chef der Anklamer Bandidos, am Nachmittag verprügelt haben sollen. Einer erhielt Haftbefehl.
Zwei Tage später, Samstagabend, das Rückspiel, wieder in Anklam, wieder in der Pasewalker Straße. Nur zwei Tage nach dem SEK-Einsatz wollen die Rocker das zehnjährige Bestehen von „Vengator“ in Vorpommern feiern, Gäste aus ganz Deutschland haben sich angesagt. Und die Polizei, unübersehbar, unüberhörbar. Ein Feldlager am Bahnhof, und auch vorm Steintor massive Präsenz. Autos werden angehalten, wer verdächtig wirkt, durchsucht. Ergebnis: Ein Greifswalder, gegen den ein Haftbefehl vorliegt, wird festgenommen, ob er zum Rockermilieu gehört, ist unklar. Ansonsten: Keine Waffen, keine Drogen, keine Promille.
„Vengator“ und ihre „Bandidos“-Freunde hätten aber auch schön blöd sein müssen, wenn es anders gewesen wäre. War doch klar, dass nach diesem Donnerstag das Clubhaus weiter unter Beobachtung stehen würde. Sagen sie selbst und haben sich darauf eingestellt.
Was sie denn dazu sagen, dass die „Ossi“-Schläger in ihren Clubräumen angetroffen wurden? Je nun, und ab da wird‘s einsilbig, da gebe es ja viele Leute und viele mögliche Gründe, aus denen man auf jemanden sauer sein könne. Ossi sei ja auch kein Heiliger gewesen, da könne so etwas schon mal passieren.