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Sportexoten


Raimar Helm (rechts) und Matthias Schwarz üben das Angreifen und Blocken mit den Rattanstöcken. Die Übung gehört zu den Grundlagen der philippinischen Kampfkunst. Foto: Norman Reuter
Vom Klang der Rattanstöcke
Von Norman Reuter
Neubrandenburg. Plötzlich ist nur noch ein wildes Geklapper zu hören. Immer wieder schlagen Rattanstöcke – 70 Zentimeter lang und sehr leicht – aufeinander, die zuvor in teilweise atemberaubender Geschwindigkeit durch die Luft gewirbelt wurden. Wie durch ein Wunder bleiben dabei alle zwölf „Stockakrobaten“ in der Sporthalle des Asia-Sportvereins Neubrandenburg unverletzt. Mehr noch: Matthias Schwarz führt seine zwei Stöcken so elegant und kunstvoll, dass der Betrachter den Eindruck bekommt, er habe nie etwas anderes in seinem Leben gemacht, als mit Stöcken zu „hantieren“. Dabei hat sich der 31-Jährige erst vor einem Jahr dem „Arnis“ verschrieben, einer philippinischen Kampfkunst. Im 16. Jahrhundert wurde sie erstmals bekannt, als sich die Inselbewohner mit ihr erfolgreich gegen die spanischen Besatzer zur Wehr setzten.
Aus der Kriegskunst wurde über Generationen eine Kampfkunst, die ihren Weg nach Europa fand. Auch bekannt als Eskrima oder Kahli wird sie heute unter dem Dach des Deutschen Arnis Verbandes (DAV) gepflegt. In Mecklenburg-Vorpommern bietet lediglich der Asia-Sportverein Neubrandenburg die Kampfkunst an. Zwei Mal die Woche trainieren Martin Kretzel und Raimar Helm eine Gruppe von acht bis zehn Männern und einer Frau. Statt mit Schwertern wie einst wird beim „Modern Arnis“ mit Stöcken gewirbelt. „Die Techniken sind aber auf viele andere Gegenstände übertragbar“, erklärt Martin Kretzel. Die Arnis-Kunst könne dann der Selbstverteidigung dienen. So zeigt der Trainer wie auch ein Kugelschreiber – nach Arnis-Art geführt – einem Gegner Angst machen kann. „Motorische Fähigkeiten“, sagt Kretzel, „sind dabei unerlässlich.“
Nach drei Monaten Training, weiß Tony Schmidt, was sein Arnis-Lehrer damit meint. Den Stock nach oben strecken, mit der anderen Hand nach rechts greifen. Oder doch vielleicht umgekehrt? Der 16-Jährige ist sich unsicher und blickt flehend zu seinem Trainer. Dieser kommt zum Korrigieren. Schon oft hat Tony die Abfolge geübt, aber so richtig sitzen tut sie noch nicht. „Die einzelnen Bewegungen müssen in Fleisch und Blut übergehen, ohne dass noch über die Schritte nachgedacht werden muss“, erklärt Kretzel. Und so steht beim wöchentlichen Training nach dem Warmmachen das Einüben einzelner Figuren auf dem Programm – Grundlagen für spätere Bewegungsabfolgen. In Partnerarbeit greift einer an, der andere blockt. Blitzschnell muss erkannt werden, welche der zwölf grundlegenden Angriffspositionen vom Gegner gewählt wurde, um entsprechend reagieren zu können. Was aber wenn, der Angreifer eine ganz andere Taktik anwendet? Eine Herausforderung, der sich die erfahreneren Arnis-Kämpfer in der Gruppe stellen. Sie lernen auszuweichen, versuchen einen Gegenangriff zu starten und im Idealfall durch geschickte Hebelgriffe den Gegner zu „entwaffnen“. Matthias Schwarz probiert es im Duell mit Raimar Helm, reagiert jedoch für einen Moment zu langsam und muss sich den schnellen Reaktionen seines Gegenüber geschlagen geben. „Manchmal fühle ich mich wie ein blutiger Anfänger“, sagt der 31-Jährige. Doch seine Trainer sind mit ihm zufrieden. Im Sommer soll er die Prüfung für die erste Graduierung ablegen.
Im Gegensatz zu anderen Kampfkünsten, zum Beispiel Judo, erhalten die Arnis-Schüler nicht automatisch den weißen Gürtel, sondern müssen sich diesen „erarbeiten“. Es folgen weitere Graduierungen in Form von Gürteln: gelb, grün, blau und braun. Erst dann wird aus dem Schüler ein Experte im Arnis. Auch hier können zehn weitere Graduierungen erreicht werde. Bis dahin ist es für Matthias Schwarz ein langer weg. Denn je Graduierung wird ein Jahr Vorbereitung gerechnet. „Es dauert also noch“, sagt der 31-Jährige mit einem Lächeln im Gesicht. Dann richtet er wieder seine Rattanstock auf und versucht bei Raimar Helm einen neuen Angriff. Und plötzlich ist nur noch wieder ein wildes Geklapper zu hören.
Training und Kontakt

montags und donnerstags, 19.30 Uhr, Badeweg 4, 17033 Neubrandenburg

Asia Sportverein Neubrandenburg, Martin Kretzel, Telefon 0395 7072724, Fax 0395 7072724, E-Mail: info@asnb.de, www.arnisnb.de

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© Nordkurier.de am 03.09.2010

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