| Sportexoten |
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| Kopfrechner mit einer Flosse |
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Von Marianne Schlestein
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Neubrandenburg. James Bond könnte vor keiner schwierigeren Aufgabe stehen: „Tauche in zwei Metern Tiefe in einem Freigewässer eine festgelegte Route ab. Deine Hilfsmittel: Kompass, Meterzähler, eine Druckluftflasche, eine spezielle Tauchbrille mit Rundumsicht und eine Monoflosse. Sei schnell.“ Genau das verlangt Orientierungstauchen. „Es ist eine komplexe Sportart, die ihresgleichen sucht“, sagt Lars-Peter Böhrs vom Pharmatauchclub Neubrandenburg begeistert, der seit über 20 Jahren Orientierungstaucher ist.
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Mit einer einzigen Flosse für beide Füße, der Monoflosse, bewegen sich die Taucher im Delfinstil fort. Wer die notwendige Kraft und Koordination für das schneeschaufelgroße Hilfsmittel mitbringt, schafft hohe Geschwindigkeiten. Die sind nötig. Denn die vorgegebenen Strecken zwischen 550 und 650 Metern müssen in einem festen Zeitintervall absolviert werden. Erschwerend zum ohnehin anstrengenden Delfinstil kommt hinzu, dass die Taucher mit ausgestreckten Armen eine Druckluftflasche zur Beatmung vor sich herschieben. Das sieht elegant aus und leistet wenig Wasserwiderstand, raubt aber Kräfte. Selbst erfahrene und trainierte Taucher wie Lars-Peter Böhrs haben nach einem Wettkampfwochenende „überall Muskelkater“.
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| Im Winter drinnen, im Sommer in der Kieskuhle |
Im Winter halten sich die Aktiven des PTC in der Halle fit, denn die Tauchsaison beginnt erst im Mai. Dann trainieren die Orientierungstaucher bis September in der Jarmener Kieskuhle. „Der Tollensesee ist zu groß und durch den Bootsverkehr zu gefährlich“, erklärt Lars-Peter Böhrs vom Pharmatauchclub. In Jarmen richten die Neubrandenburger Taucher einmal im Jahr auch den Nordpokal aus. Weil es nicht so viele Vereine und Orientierungstaucher gibt, wird dieser Wettkampf bundesweit ausgeschrieben, sagt Böhrs. Die Sportler müssen verschiedene Unterwasserkurse absolvieren. Dabei steuern sie im See verankerte Bojen an oder umschwimmen sie. Zu ihrer Sicherheit binden die Taucher ein Schiffchen aus Schaumstoff um den Bauch, das sie an der Wasseroberfläche hinter sich herziehen.
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| „Wie eine große Familie“ |
Orientierungstauchen hat vor allem in den neuen Bundesländern und Osteuropa Anhänger. In der DDR wurde der Sport von der Gesellschaft für Sport und Technik gefördert. 1985 fanden am Großen Stechlinsee in Neuglobsow die 2. Weltmeisterschaften im Orientierungstauchen statt. Der Verband Deutscher Sporttaucher (VDST) schätzt die Zahl der Orientierungstaucher deutschlandweit noch auf 200. „Im Land sind es 50 bis 60“, schätzt Hartmut Winkler, Landestrainer Tauchsport aus dem Landesleistungszentrum für Orientierungstauchen und Flossenschwimmen in Rostock. „Das ist wie eine große Familie“, sagt Lars-Peter Böhrs. Er kümmert sich im Neubrandenburger Verein um die Ausbildung des Tauchernachwuchses, um den Sport vorm Aussterben zu retten.
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Lars-Peter Böhrs erläutert seinen Vereinskollegen Tim Schultze
und Matthias Brückner die „Einheit“
mit Kompass und Meterzähler.
Fotos: M. Schlestein
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Nicht nur die körperliche Fitness muss stimmen. „Das kommt von allein. Aber Orientierungstauchen ist sehr komplex“, erklärt Lars-Peter Böhrs. So brauchen die Sportler auch ein kühles Köpfchen. Niemand muss seine Mathenoten zeigen, wenn er dabei sein will. Aber ohne Rechnen geht nichts. Zwar bestimmen die Mannschaften in den meisten Teildisziplinen gemeinsam an Land und in Ruhe die Wege und die Richtungen von einer Boje zur nächsten. Aber es gibt auch Wettkämpfe, in denen die Taucher sich erst unter Wasser mit einem Linial und einer Karte den Weg suchen. Dann müssen sie Kartenmaßstäbe in reale Meter und Winkel umrechnen natürlich unter Zeitdruck. Unter diesen Umständen den angepeilten Kurs zu halten, gelingt nur erfahrenen Tauchern.
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| Erfolg braucht Geduld und gute Strategien |
„Ich habe noch nie erlebt, dass einer gleich bei seinem ersten Parcours durchgekommen ist“, erzählt Lars-Peter Böhrs. Mindestens drei bis vier Jahre Geduld und Wettkampfteilnahme brauche es, bevor sich die ersten Erfolge einstellen. Bei ihm waren es sechs. Und auch seine Mannschaft benötige meist eine ganze Saison, um zu ihrer Form zu finden. Das heißt: Alle sechs Mitglieder sind von der Vermessung bis zum Zieleinlauf dabei. Das sei keineswegs selbstverständlich. „In trüben Seen sieht man gerade mal seinen Kompass“, sagt der Orientierungstaucher. Und eine schwarz-weiße markierte Boje sei noch innerhalb eines Meters oft nur ein Schatten. Wer nur zwei Meter am Ziel vorbei schwimme, „braucht gute Strategien, die Punkte doch zu finden“, sagt Böhrs, der von der Komplexität der Sportart begeistert ist.
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Am liebsten sind den Tauchern die Mannschaftsdisziplinen. Sie starten an verschiedenen Punkten, müssen sich treffen und innerhalb eines Korridors gemeinsam ins Ziel kommen. Der Vorteil hier: sichere Taucher können führen. Aber immer nützt das auch nichts, erzählen PTC-Taucher: Sie mussten schon einmal einen Mannschaftskollegen wieder auf Kurs bringen, weil er einem großen Hecht hinterher schwamm.
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| Orientierungstauchen in Mecklenburg-Vorpommern |
Orientierungstauchen ist wegen des Aufwandes nicht unbedingt etwas für Gelegenheitssportler, meint der Landestauchtrainer Hartmut Winkler. Wer sich dennoch fürs Orientierungstauchen interessiert, kann das in Mecklenburg-Vorpommern in:
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Wolgast beim Tauchclub Vineta,
Telefon 038375 21181, www.tc-vineta.de
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Greifswald mit dem Tauchclub Uni Gryps e.V.
Telefon 0173 2186180, www.tc-uni-gryps.de
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Rostock beim Tauchsportclub Rostock 1957
Telefon 0381 2013644, www.rostock-sport.de
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Neubrandenburg beim Pharmatauchclub
Telefon 0152 01543408, www.ptc-nb.de
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| Mehr Infos unter Wikipedia. |
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