Schweizer im Vormarsch:

Ammann spürt eine „Wahnsinnsfreude“

Die Vierschanzentournee hat der Schweizer noch nie gewinnen können. Nach seinem Auftaktsieg in Oberstdorf nimmt der 32-Jährige den wohl letzten Anlauf, sich diesen Traum zu erfüllen.

Simon Ammann und die Siegerfaust.
             
Grzegorz Momot Simon Ammann und die Siegerfaust.  

Simon Ammann pfiff nach dem Auftaktsieg bei der Vierschanzentournee auf eine Analyse und schilderte lieber in blumigen Worten seine Gefühle. Der 21. Weltcupsieg seiner Karriere hatte den Schweizer derart euphorisiert, dass er auf die von ihm gewohnten tiefgreifenden Erklärungen verzichtete. „Das war fantastisch. Ich habe solange auf diesen Tag gewartet. Es war einer der schönsten Momente in meiner Weltcup-Karriere“, erzählte der Schweizer und gewährte einen tiefen Einblick in seine Seele: „Ich habe eine Wahnsinnsfreude in mir. Nach so vielen Jahren die Chance zu haben, die Vierschanzentournee zu gewinnen, ist sagenhaft.“

Viermal hat Ammann Olympia-Gold gewonnen, dazu einen WM-Titel. Doch bei der deutsch-österreichischen Traditionsveranstaltung, die für viele Springer ein Mythos ist, musste er stets anderen den Vortritt lassen. „Es wird eine lange Reise. Man kennt ja meine Probleme mit der Tournee“, erinnerte der 32-Jährige an seine leidvolle Geschichte.

In der Saison 2008/09 hatte er ebenfalls das Auftaktspringen gewonnen, am Ende triumphierte der Österreicher Wolfgang Loitzl. Ansonsten „war es oftmals zu schwierig für mich, oder ich hatte auch Pech“, so Ammann. Doch nun, im Herbst seiner Erfolgskarriere, könnte der Traum doch noch in Erfüllung gehen. „Ich traue ihm den Sieg zu. Er hat ein gutes Paket beisammen“, sagte Bundestrainer Werner Schuster, „aber es wird eine Riesenherausforderung, denn er hat große Konkurrenz.“

Die Wiederauferstehung des Schweizers - gerade in der Olympia-Saison – verblüfft mittlerweile niemanden mehr. „Beim Simmi von einer urplötzlichen Rückkehr zu sprechen, ist spätestens seit 2010 Geschichte. Er weiß schon haargenau, was er macht, und wie er was anpacken muss“, lobte Severin Freund.

Schlierenzauer verliert Hattrick aus den Augen

Die größte deutsche Tournee-Hoffnung verlor über 22 Punkte auf Ammann, der sich auch dank eines taktisch klugen Schachzuges seines Trainer Martin Künzle durchsetzte. Der verkürzte vor dem Finalsprung freiwillig den Anlauf, die dadurch gewonnenen Bonuspunkte reichten seinem Schützling zum Sieg vor dem wohl größten Rivalen Anders Bardal aus Norwegen. Die harsche Kritik von Topfavorit Gregor Schlierenzauer, der den angestrebten Tournee-Hattrick zunächst aus den Augen verlor, an der ständigen Veränderung der Anlauflänge durch die Jury konnte Ammann daher nicht nachvollziehen. „Es ist eine wahnsinnig schwierige Aufgabe. Bei mir ist es aufgegangen, der Rest ist unwichtig“, beschied der Schweizer.

Er schwelgte viel lieber in höchsten Tönen über seine eigene Leistung. „Es war ein langer Kampf, an die Spitze zurückzukehren. Ich habe 2011 damit begonnen, mich auf Olympia in Sotschi vorzubereiten. Zu realisieren, dass es funktioniert hat, ist ein fantastisches Gefühl“, sagte Ammann und machte sich fröhlich auf den Weg zum Neujahrsspringen nach Garmisch-Partenkirchen: „Das war ein perfektes Ende des Jahres. Jetzt muss ich die Emotionen in den Griff bekommen.“