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Anna erfüllt sich ihren WM-Traum

Die Neubrandenburger Triathletin Anna Wagenknecht startet am Donnerstag bei der Junioren-Weltmeisterschaft in London.

Anna Wagenknecht und Trainer Frank Heimerdinger
Thomas Krause Anna Wagenknecht und Trainer Frank Heimerdinger

Der bisher wohl größte Tag im sportlichen Leben der Anna Wagenknecht wird früh beginnen: Gegen fünf Uhr klingelt der Wecker in ihrem Hotelzimmer, sie wird etwas frühstücken, anschließend vielleicht einen kleinen Spaziergang machen und sich dann in die Startzone im Londoner Hyde Park begeben.

Dort fällt am Donnerstag um acht Uhr der Startschuss für die Weltmeisterschaft der Junioren im Triathlon-Sprint, und Anna Wagenknecht ist eine von drei deutschen Damen, die im Feld der weltbesten Nachwuchs-Dreikämpfer vertreten sind.

Die 19-Jährige vom SC Neubrandenburg sagt, dass sie so richtig aufgeregt noch gar nicht sei: „Aber das kommt vielleicht, wenn ich an der Startlinie stehe.“ Wahrscheinlich nimmt die SCN-Sportlerin ihre erstmalige Teilnahme an einer WM so gelassen, weil damit überhaupt nicht zu rechnen war.

Bei den Deutschen Meisterschaften in Schluchsee im Juli legte die Schülerin jedoch ein famoses Rennen hin, das sie am Ende auf Platz zwei beendete. Die Deutsche Triathlon Union nominierte sie darauf für die WM in London – Anna Wagenknecht am Ziel ihrer Träume. „Das ist einfach grandios für sie“, sagt Trainer Frank Heimerdinger.

Superlative für die Leistung der Triathletin, deren großes Vorbild Weltmeisterin Ines Estedt ist, waren in den folgen Tagen viele zu hören im Umfeld des Clubs: Super, klasse, traumhaft... „Anna hat es sich einfach auch verdient, bei dieser WM starten zu dürfen“, sagt ihr Trainer.

Die Sportlerin kam mit elf Jahren zum Club

Anna Wagenknecht ist ein gutes Beispiel dafür, dass sich sportlicher Ehrgeiz irgendwann auszahlen wird. Die 19-Jährige erzählt, dass sie den Glauben an diese Weisheit schon oft verloren hat. Frank Heimerdinger nicht, obwohl er einräumt, dass er diesen Erfolg damals nicht für möglich gehalten hätte.

Mit elf Jahren kam die kleine Anna zum Triathlon. Mit ihrer Familie war sie gerade aus Laage nach Neubrandenburg gezogen. Weil sie dort schon als Rettungsschwimmerin unterwegs war, wollte sie auch in ihrer neuen Heimat im Wasser aktiv sein.

In der Schwimmhalle las sie einen Aushang des SCN, der Nachwuchs für den Triathlon suchte. Anna meldete sich und war fortan dabei. „Ich wollte das eigentlich nur als Ausgleich zur Schule machen“, erzählt sie, fand aber schnell großen Gefallen an der Kombination aus Schwimmen, Radfahren und Laufen.

Erfolge blieben anfangs aber aus. „Bei Kadertests war ich regelmäßig eine der Letzten“, erinnert sie sich mit einem Lächeln an die ersten Jahre. Ihr Trainer nickt: „Als sie damals zu uns kam, hätte ich nie gedacht, dass sie mal so weit kommt.“

Anna Wagenknecht war gut, aber nicht außergewöhnlich. Doch sie hatte das, was vielen jungen Sportlern mit Talent fehlt – Ehrgeiz und Disziplin. „Anna ist klar strukturiert, sie beschäftigt sich mit ihrem Sport, mit der Ernährung. Keine Minute in ihrem Tagesablauf ist umsonst. Und sie ist ein absoluter Wettkampftyp“, sagt der Coach.

Zum Training fährt die Triathletin nur mit dem Fahrrad, bei Wind und Wetter. „Wir haben das Mal spaßeshalber ausgerechnet, was Anna da abradelt. Da kommen im Jahr etwa 3000 Kilometer zusammen“, sagt Frank Heimerdinger.

Den großen Leistungsschub gab es vor etwa vier Jahren, als sie vom Einstein-Gymnasium auf das Sportgymnasium wechselte. Nun brachte die junge Frau Schule und Training noch besser unter einen Hut, und langsam stellten sich auch Erfolge ein. Der Start bei der Junioren-Weltmeisterschaft ist der vorläufige Höhepunkt ihrer sportlichen Laufbahn.

Das Sprint-Rennen am Donnerstag über 750 Meter Schwimmen, 20 Kilometer Radfahren und 5 Kilometer laufen wird auf der Olympiastrecke von 2012 ausgetragen. „Das ist einfach traumhaft“, sagt Anna Wagenknecht. Ihre Familie steigt heute mit in den Flieger nach London. Sie freut sich riesig, dass Mutter, Vater und ihre Schwester in der englischen Metropole als Zuschauer dabei sein werden.

Um acht Uhr wird Anna Wagenknecht mit den anderen Triathleten ins Wasser springen: Sie wird dann in den nächsten gut 60 Minuten wieder 120 Prozent geben, wie es die SCN-Dame in jedem Wettkampf macht.

Was am Ende dabei herauskommt, wird sich zeigen. Ein konkretes Ziel haben sich Trainer und Athletin jedenfalls nicht gesetzt. „Wenn ich unter die besten 20 kommen könnte, wäre ich sehr glücklich“, sagt Anna Wagenknecht.

Die Weltmeisterschaft in London wird ihr aber immer in Erinnerung bleiben. Es ist ihr letzter Wettkampf im Juniorenbereich – besser hätte das Drehbuch nicht geschrieben sein können.