Fußball:

Auch bei Hansa war er der „Zettel-Ewald“

Als Spieler und Trainer ist  Ewald Lienen in der Fußball-Bundesliga erfolgreich gewesen. Doch in Erinnerung sind vor allem sein politisches Engagement und ein aufgeschlitzter Oberschenkel. Am Donnerstag wird er 60.

Immer in Bewegung am Spielfeldrand: Ewald Lienen als Trainer von Hansa Rostock.
Archiv Immer in Bewegung am Spielfeldrand: Ewald Lienen als Trainer von Hansa Rostock.

 Als Unikat der Fußball-Bundesliga ist Ewald Lienen unverwechselbar. Mit langer Mähne und ebenso scharfer wie heraushängender Zunge hinterließ er in 333 Spielen bleibende Eindrücke. Ein Linksaußen war der Friedensaktivist nicht nur auf dem Platz, sondern gleichwohl auf politischer Bühne. Als Trainer vermittelt Lienen längst den Eindruck eines Gentlemans mit dem Hang zu Anzug und Krawatte. „Es ist der Sinn des Lebens, an sich zu arbeiten und sich weiterzuentwickeln“, sagte Lienen, der diese Einstellung auch nach seinem 60. Geburtstag am Donnerstag nicht ändern will.

Autogramme stets verweigert

Schon als aktiver Bundesliga-Profi in Bielefeld, Mönchengladbach und Duisburg bevorzugte Lienen den etwas anderen Weg. „Na, Ewald, frisste wieder ausse Radkappe“, hatten seine Teamkollegen gefrotzelt, wenn er sich in der Kabine sein Müsli in einer Aluschale anrührte. Autogramme verweigerte er einst mit der Begründung: „Meine Unterschrift ist nicht mehr wert als deine. Im Zirkus von Brot und Spielen trete ich nicht als Autogramme schreibender Held auf.“ 1979 gewann Lienen mit Gladbach den UEFA-Cup, nach dem Training ging er auf Demonstrationen und engagierte sich politisch für die linksorientierte „Friedensliste“. Über zwei Prozent der Stimmen erhielt er 1985 als Kandidat bei der NRW-Landtagswahl in seinem Wahlkreis.

Mitbegründer der Fußballergewerkschaft

Lienen sammelte Unterschriften gegen Atomtests und wurde Mitbegründer der Fußballergewerkschaft „VdV“. Sozial engagiert ist er bis heute, auch wenn er seine Thesen nicht mehr so radikal vertritt. „Es ist das Vorrecht der Jugend, Dinge extremer zu sehen. Natürlich muss ich im Nachhinein über manches schmunzeln. Diese gesellschaftliche Verschwörungstheorie darf man nicht überbewerten. Aber teilweise stimmt sie doch“, erzählte ein gereifter Lienen mal der Wochenzeitung „Die Zeit“.

Haften sind die Bilder vom 14. August 1981 geblieben, als Werder-Profi Norbert Siegmann beim Spiel in Bremen mit einer Grätsche Lienens Oberschenkel derart aufgeschlitzt hatte, dass das Fleisch aus der 30 Zentimeter langen Wunde quoll und den meisten Zuschauern der Atem stockte. Lienen, der Sekunden nach dem Foul mit offener Wunde zum Bremer Trainer Otto Rehhagel hinkte und diesen als Provokateur beschimpfte, konnte einige Wochen später weiterspielen. Erst 1992, nachdem er den MSV Duisburg von der Oberliga in die Bundesliga führte, beendete er seine aktive Laufbahn und wurde mit der Examensnote Eins Fußball-Lehrer.

Gesunde Ernährung mochte nicht jeder

Den Aufsteiger MSV führte er auf seiner ersten Trainerstation am 18. Februar 1994 mit taktisch anspruchsvollem Fußball sogar für eine Woche an die Spitze der Bundesliga-Tabelle. Öffentliche Gesprächsthemen waren aber weniger dieser Erfolg, sondern Lienens Eigenarten. „Zettel-Ewald“ wurde er gerufen – auch von den Hansa-Fans – , weil er dadurch auffiel, sich während der Spiele Notizen zu machen. „Es ist relativ schwer, sich etwas zu notieren, ohne einen Zettel in der Hand zu haben“, erklärte der Ostwestfale. Dauerthema blieben Lienens Ernährungspläne, mit denen er bisweilen aneckte. Auf allzu gesunde Kost wollte sich nicht jeder Spieler einlassen.

Rostock, Köln, Mönchengladbach und Hannover hat er anschließend in der Bundesliga trainiert. In Spanien machte sich Lienen einen guten Namen, in Griechenland wurde er 2007 „Trainer des Jahres“. Genug hat der Familienvater noch lange nicht. Seit dem 6. November arbeitet er als erster deutscher Fußball-Coach in der rumänischen Profi-Liga für Otelul Galati und sammelt neue Erfahrungen. Ein Typ wie Lienen will sich immer weiter entwickeln.

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