WM-Qualifikation Deutschland gegen Färöer:

Der kleine Mann im Ohr des Kommentators

Er ist weder zu sehen noch zu hören – und doch in Millionen Wohnzimmern präsent: Wenn Fußball live übertragen wird, sitzt Tobias Blanck an der Seite von Kommentator Gerd Gottlob.

Seit Jahren ein eingespieltes Team bei der Fußball-Berichterstattung: Kommentator Gerd Gottlob und sein Assistent Tobias Blanck (rechts) bei der Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika. Foto: privat  
privat Seit Jahren ein eingespieltes Team bei der Fußball-Berichterstattung: Kommentator Gerd Gottlob und sein Assistent Tobias Blanck (rechts) bei der Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika.

Auf den fernen Färöer Inseln im Nordatlantik will die deutsche Nationalmannschaft ihre Qualifikation zur Weltmeisterschaft 2014 perfekt machen – und aus unzähligen Fernsehsesseln wird dabei zugeguckt. Neun Millionen Zuschauer waren es beim letzten Mal, als sich Fußballzwerg und Fußballriese trafen; bis zu dreimal so viel können es werden, wenn zwei der großen Teams die Kräfte messen.

„Das ist etwas, worüber man sich keine Gedanken machen darf“, sagt Tobias Blanck. Der Sportredakteur aus dem Landesfunkhaus in Schwerin wird am Dienstag im Stadion sitzen. Er ist gewissermaßen – obwohl er irgendwas jenseits von 1,80 Meter misst – der kleine Mann im Ohr. Und zwar im Ohr von Fußballkommentator Gerd Gottlob vom beim Norddeutschen Rundfunk.

Überträgt die ARD hochkarätige Fußballspiele, sind derzeit drei Stimmen zu hören: die von Steffen Simon, von Tom Bartels und eben von Gerd Gottlob. Ihnen zur Seite sitzt jeweils ein Assistent.

Was die Kommentatoren sagen, hat das Zeug, die Nation zu entzweien. Da der Fußballfan zum Extremen neigt, reicht das Urteil über die Experten am Mikrofon regelmäßig von Ohnegleichen bis Unterirdisch und betrifft natürlich ebenfalls ihre Kompagnons. Tobias Blanck bleibt gelassen: „Uns ist schon klar, dass es in Deutschland 30 Millionen Bundestrainer gibt.“

Eben drum wird jede Übertragung akribisch vorbereitet. Dieser Tage hat er rund 90 A4-Seiten durchforstet, ein Dossier der Firma Impire, die vor jeder größeren Partie alle erdenklichen Fakten zusammenstellt, zu den Mannschaften, zur Historie der Begegnung oder zu irgendwelchen besonderen Vorkommnissen. „Das sind echte Freaks, die dort arbeiten“, sagt Tobias Blanck. „Die schicken Scouts an den Spielfeldrand und zählen jeden Ballkontakt.“

Seit zehn Jahren arbeitet Blanck mit Gottlob

Er hat aus den Informationen einen Extrakt zu jedem Spieler gezogen und Gerd Gottlob zugearbeitet: Wo gespielt? Wann verletzt? Was geleistet? „Das ist natürlich bei den weniger bekannten Färinger besonders wichtig.“ Die letzten drei Spiele der Insel-Mannschaft haben sich der Kommentator und sein Assistent angesehen, um die Spieler kennenzulernen und ihre Namen richtig auszusprechen. Tobias Blanck hat die größten Erfolge und die Profession der Fußballer notiert, von denen kaum einer sein Geld als Profi verdient.

Seit zehn Jahren arbeitet Tobias Blanck mit Gerd Gottlob zusammen. Er gibt Stichworte oder Gewissheit in kniffligen Situationen. War das tatsächlich ein Foul? Oder ein Elfmeter? Ein Blick zur Seite, und Gerd Gottlob hat eine zweite Meinung sicher. Zudem hält der Assistent den Kontakt zur Regie. Für eine Übertragung arbeiten zehn, zwölf Kollegen zusammen, unter anderem das Moderatoren-Gespann oder die Interviewer am Spielfeldrand, die auch zwischendurch immer mal Informationen liefern, etwa über Verletzungen oder Ereignisse auf der Reservebank. Was wichtig ist, gibt Tobias Blanck via Headset an Gerd Gottlob weiter.

Das Spiel verfolgt das Duo live auf dem Platz und auf zwei Monitoren. Der eine zeigt, was die Zuschauer sehen: das Spiel, die Zeitlupen, den Schwenk zum Trainer. Den anderen, auf dem ausschließlich das große Spielgeschehen läuft, lässt Tobias Blanck nicht aus den Augen. „Könnte ja mal sein, dass während der Zeitlupe irgendetwas Wichtiges passiert."

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